BG Kritik:

The Legend of Tarzan


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

The Legend of Tarzan (US 2016)
Regisseur: David Yates
Cast: Alexander Skarsgård, Margot Robbie, Christoph Waltz

Story: Tarzan, einst Herrscher der Affen und König des Dschungels, lebt nun bereits seit einigen Jahren mit seiner Frau Jane in der zivilisierten Adelsgesellschaft Londons. Als ein neues Abenteuer John Clayton III. zurück nach Afrika ruft, folgt er gemeinsam mit Jane dem Ruf.

Nachdem er für Warner Bros ab Harry Potter und der Orden des Phönix alle Teile des Zauberer-Franchise inszenierte, widmet sich Regisseur David Yates in Legend of Tarzan mal kurz einem klassischen Helden, um dann später in 2016 bereits das erste Harry Potter Spin-off Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind in die Kinos zu bringen. Tarzan, eine Legende kehrt zurück?

Inspiriert von einem Comic spielt dieser Film zeitlich nach der klassischen Tarzan Geschichte von Edgar Rice Burroughs


Tarzan, der Held unzähliger Abenteuer in Filmen und Romanen ist zurück, um sich seinen Platz an der Sonne und in den Herzen der Kinozuschauer zurück zu erobern. Begleitet von einem Trupp belgischer Soldaten startet das neue Abenteuer von Tarzan allerdings zuerst mit einer intensiven und atmosphärischen Eröffnung, bei der dem Zuschauer zuerst Bösewicht Leon Rom (Christoph Waltz) in Afrika präsentiert wird, bevor es dann zu Lord Greystoke und seiner Angetrauten geht. Als Sequel zur klassischen Geschichte von Edgar Rice Burroughs angelegt, spielt der neueste Tarzan im Jahre 1889 und zunächst (was Tarzan angeht) in London. Dieser verbringt seine Tage inzwischen in der zivilisierten Gesellschaft der britischen Oberschicht und trinkt statt mit wilden Tieren zu ringen, eher seinen Nachmittagstee oder lässt sich von kleinen Kindern als eine Art Pop-Star seiner Zeit bestaunen. Dies ändert sich erst mit einer Einladung des britischen Parlaments, seiner alten Heimat als Sonderbotschafter einen Besuch abzustatten. Zunächst wenig angetan von der Anfrage, ändert John Clayton seine diesbezügliche Meinung, als ihm der Amerikaner George Washington Williams (Samuel L. Jackson) u.a. von Ausbeutung, drohender Kolonialisierung und Sklaverei im Kongo berichtet. Er will helfen und braucht dafür Tarzans Unterstützung.

Also den Lendenschurz (ok, hier ist es eine Hose) eingepackt, den alten Kampfschrei aus der Kehle erhallen lassen und die Liane gepackt, schwingt Tarzan wieder in den Dschungel. Schließlich ist nach einiger Zeit auch seine Jane in Not und es gilt böse Machenschaften noch böserer Männer zu unterbinden. Die Titelrolle des Tarzan übernimmt hier Alexander Skarsgård (u.a. aus True Blood, Battleship) und der macht eine verdammt gute Figur, und das nicht nur körperlich. Äußerlich mit breiten Schulter und einem Eightpack bepackt, dazu ordentliche Narben aus der Maske, zum unterstreichen der alten Zeiten, als es noch ums nackte Überleben im Dschungel ging. Das passt, und wirkt wie ein glaubhafter Tarzan fürs Kino 2016. Das i-Tüpfelchen auf das Eightpack packt Skarsgård allerdings mit seiner Performance, indem er aus seinen Augen eine Roh- und Wildheit sprechen lässt, welche das Paket Tarzan erst abrundet. Gelungen, vor allem wenn er in den ruhigen und intimen Momenten mit seiner Frau und dann eher John Clayton als Tarzan, auch mal Schwäche zeigt. Rot sieht er allerdings, als der von Waltz gespielte Leon Rom seine geliebte Frau entführt. Gespielt von Margot Robbie ist diese Jane dann glücklicherweise keine typische Damsel, und eher eine Variante einer Marion Ravenwood (aus Jäger des verlorenen Schatzes, nicht Kristallschädel) die ihrem Entführer auch mehr als einmal Kontra gibt und gar einen Déjà-vu-Moment von Fräulein Ravenwood mit ihrem Belloq zum Besten gibt. Robbie macht wohl ziemlich das Beste aus dem, was Drehbuch und Regie ihr an Aktionsradius zugestehen. Da sie sich allerdings schon recht lange in Ketten sieht, ist dieser Radius doch etwas stärker eingeschränkt. Dank guter Chemie zu Skarsgård - und dem Einweben der Ursprungsgeschichte des Paares via Rückblenden, an mal mehr und mal weniger passender Stelle - sind allerdings dessen Bemühungen glaubhaft, sich sein Frauchen zurück zu holen. Auch wenn zwischen ihm und ihr noch so viele Soldaten, Söldner und eingeborene Krieger stehen, Tarzan wird seinen Mann stehen und tun was zu tun ist, sei es an Lianen schwingen oder mit Gorillas ringen.

Henry Cavill, Tom Hardy und Charlie Hunnam waren für Tarzan im Gespräch.


Nur leider vieles davon in mäßig bis mittelmäßig. Weder besonders witzig, noch spannend, noch mitreißend, ja, selbst abenteuerlich ist der neue Tarzan-Streifen nicht so sonderlich bzw. nicht über die vollen 110 Minuten geworden. Das liegt vor allem an der Inszenierung von Regisseur Yates, der sich offenkundig nicht entscheiden konnte, in welche Richtung sein Film denn nun gehen soll. Denn leider ist der Ton des Filmes dabei mehr als nur uneinheitlich geraten. Geradezu ungelenkt pendelt dieser wie an einer von Tarzans Lianen baumelnd, umher. Irgendwo zwischen den Stühlen, nirgendwo dauerhaft verbleibend kann sich dieser Tarzan-Streifen nicht entscheiden ob er ein Dark & Gritty-Action-Film oder doch ein Abenteuer mit wunderschönen, realen Landschaftsaufnahmen oder vielleicht doch ein lockerflockiges, überzogenes, cheesy, CGI-lastiges Superhelden-Filmchen sein will, in dem man die Fahrstuhlszene aus Captain America 2, mal eben in einen Zug-Wagon verfrachtet hat. Zeigt man sich beginnend und einführend noch als ein dunkles und geerdetes Abenteuer, lässt man diesen Ton spätestens mit dem ersten Griff zur Liane erstmal unsanft zu Boden fallen, da dies derartig überzogen aufgezogen und inszeniert wurde und dabei noch extrem nach Computer und Studio ausschaut. Nein, das Schwingen an den Lianen sieht einfach nicht gut aus, und beißt sich u.a. mit vielen tollen und echten Naturaufnahmen im restlichen Film. Es gehört zu Tarzan wie der legendäre Schrei, aber bis auf das finale Schwingen gen Abspann, sieht es immer unfertig und viel schlimmer, unpassend aus. Viel zu überzogen, und eher nach Spider-Man den nach Tarzan ausschauend, sind diese Einschwünge stilistisch und vor allem tonal völlig anders, als der überwiegende Rest des Abenteuers. Negativ-Highlight dürfte diesbezüglich das Schwingen in Richtung eines sich entfernenden, fahrenden Zuges sein, bei dem die Lianen offenkundig an einem raffinierten Seilrollen-System oder an den Händen Gottes persönlich befestigt wurden. Ja, an nahezu allem, aber sicher nicht an Bäumen dürften diese Lianen in diesem Moment hängen.

Löblich und interessant, scheut sich Legend of Tarzan nicht, auch ernste Themen wie Sklaverei und Kolonialismus in einen Sommer-Blockbuster zu packen. Leider nutzt man das dann aber kaum und nur am Rande, begraben unter viel zu viel schlechter Bilder aus dem Computer. Denn unfertige Computer-Animationen sind massenhaft drin. Ob im völlig überladenem Finale (wo es wirklich nicht gut gemacht aussieht) oder davor, schlecht herausragende Effekte trüben das Abenteuer immer mal wieder, und zerreißen den Vorhang der Illusion. Bei weitem nicht alle, denn es gibt auch Szenen, die ganz gut realistisch ausschauen (allerdings nie zum völligen versinken und Staunen einladend, wie beim Schiffbruch mit Tiger oder dem diesjährigen Dschungelbuch). Da gibt es dann Elefanten, Löwen, Nilpferde oder auch Gorillas zu bestaunen, die fast echt wirken. Fast. Denn perfekt dürfte keines der Tiere aus dem Rechner geworden sein, aber gut sind sie oft. Auffallender aber eben dann, wenn sie es nicht sind. Dafür klingt der neue Urschrei des Helden umso realistischer, und ist dabei sowohl klassisch, als auch anders. Unerwartet aber stimmungsvoll und gelungen, und ja, sogar emotional berührend. Was der Rest vom Film kaum zu schaffen vermag. Bereits bei seinen bisherigen Einsätzen im Potter-Universum vermochte es Regisseur Yates ja mehr schlecht als recht, Emotionale-Momente auch also solche greifbar zu machen. Hier ebenso. Auch wirken unter ihm gestandene Darsteller wie Waltz und Jackson wie im Standard- oder Autopilot-Modus. Eben weil Walzt, ist das schon eine mittelschwere Enttäuschung. Er variiert nur seinen Standard-Bösewicht in langweiliger. Jackson hatte aber offensichtlich wenigstens Spaß an seiner Rolle des zielsicheren Amerikaners mit dunkler Vergangenheit, der Tarzan auf seinem Abenter begleitet und auch Freude in das ansonsten recht betrübt wirkende Abenteuer einstreut. Das Abenteuer selber ist dabei ganz nett, bewegt sich nach nebulösen Start aber recht schnell in sehr vorhersehbaren Bahnen, und unterm Strich muss Tarzan nur wieder seine Jane retten. Nur in anders. Dafür ist die Action in Legend of Tarzan ok, dabei geht so spannend und als Paket ganz nett unterhaltsam. Ein Handwerklich ganz solide aufgezogenes Abenteuer mit Schwächen im CGI, ohne Mehrwert, das mit einem einheitlichen Ton wohl besser hätte sein können, als das vorliegende Ergebnis.

Fazit:

Fazit: Trotz passendem und gutem Hauptdarsteller sowie einem auf dem Papier tollen Cast gelingt es nicht, einen mehr als geht so Film zu schaffen der schnell wieder vergessen sein dürfte. Tarzan ist und bleibt eine Legende, dieser Film wird das wohl nicht schaffen.

4,5/ 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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