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Kritik:
Der letzte Tempelritter


von Christian Mester

SEASON OF THE WITCH (2011)
Regie: Dominic Sena
Darsteller: Nicolas Cage, Ron Perlman

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Story:
Nach vielen Jahren blutiger Kreuzzüge sind Tempelritter Behman (Nicolas Cage) und sein treuer Gefährte Felson (Ron Perlman) der nie endenden, sinnlosen Gewalt überdrüssig. Sie verlassen ihre Einheit und ziehen durch die Gegend, bis sie eines Tages in einer Stadt als Deserteure identifiziert werden. Um einer lebenslangen Haftstrafe zu entkommen, bietet ihnen ein Kardinal (Christopher Lee) eine Möglichkeit der Wiedergutmachung an. Behman und Felson erhalten den Auftrag, eine junge Frau (Claire Foy) zu einem weit entfernten Kloster zu bringen. Die auf den ersten Blick unscheinbar wirkende junge Frau wird verdächtigt, eine gefährliche Hexe zu sein, die zudem Quell der Pestplage sein soll. Nur ungern nehmen die beiden Krieger das Angebot an, nicht ahnend, welche Gefahren ihnen auf ihrer langen Reise bevor stehen. Zusammen mit ein paar anderen ziehen sie los und sehen sich alsbald diversen Schrecken ausgeliefert.

Kritik:
Während die meisten Top-Schauspieler Hollywoods am liebsten bei ähnlichen Rollen bleiben und sich nur selten aus ihrer Komfortzone heraustrauen, stürzt sich Nicolas Cage Jahr für Jahr auf scheinbar jeden Stoff, den man ihm vorlegt. Ob kleine Dramen, Actionfilme, Blockbuster-Kino, Science-Fiction oder Nachstellungen historischer Ereignisse – Cage ist generell für jede Rolle offen. Interessant ist dabei, dass es keine qualitative Linie gibt. Verprügelt er in "Wicker Man - Ritual des Bösen" höchst albern Sektenmitglieder im Bärenkostüm, so brilliert er andernorts als zerstreuter Zwilling in Spike Jonzes gefeiertem Drama "Adaptation". 

Die Filme des Oscar-Gewinners rangieren regelmäßig von lachhaft schlecht bis empfehlenswert, weswegen jede seiner Veröffentlichungen überraschen lässt. In seinem neuen Film "Der letzte Tempelritter" spielt Cage erstmals einen Ritter im finsteren Mittelalter. Es ist die zweite Zusammenarbeit mit Regisseur Dominic Sena, mit dem er vor elf Jahren den erfolgreichen Actionfilm "Nur noch 60 Sekunden" umsetzte. Ihr neues Projekt blickt auf einen schlechten Start zurück: eigentlich schon zu Beginn des letzten Jahres fertig gewesen, lehnte es der damalige Distributor damals unerwartet ab, den Film weltweit zu veröffentlichen. Es dauerte ein Jahr, bis das Produktionsstudio in der Lage war, den Film in die Kino zu bringen. Ein schlechtes Vorzeichen?

Kann man Nicolas Cage als langhaarigen Ritter ernst nehmen? Zur allgemeinen Überraschung, ja, allerdings überrascht es in diesem Fall eher, dass Cage eines der unauffälligsten Merkmale des Films bleibt. Der ansonsten zu Exzentrik und Theatralik neigende Megastar bleibt in seinem Fantasyfilm unerhofft zurückhaltend und bekommt bis auf ein, zwei Momente kaum nennenswerte Szenen spendiert. Er ist durchaus charismatisch, wirkt aber ständig müde und kommt nicht dazu, den Film auf seinen eigenen Schultern tragen zu können. Aufgelockert wird das Geschehen von Co-Star Ron Perlman (Hellboy), der es weit weniger ernst nimmt und die Lage immer wieder mit lustig gemeinten Sprüchen aufwertet. Die Dynamik der beiden Figuren macht Spaß und es wird offensichtlich, dass sich die beiden Schauspieler beim Dreh bestens verstanden, die ungleiche Art sogrt aber auch dafür, dass sie sich als Figuren gegenseitig im Wege stehen. Cages Stille drückt den Spaß, während es Perlmans Leichtigkeit unmöglich macht, Cage jemals als nachdenklichen, ernsten Ritter mit Glaubenskrise wahrzunehmen.
Cage scheint demnach "Centurion" im Kopf zu haben, Perlman eher "In the Name of the King: Dungeon Siege". So uneinig wie sich die beiden Hauptdarsteller über den Ton des Films zu sein scheinen, scheint auch das Team hinter der Kamera keine klare Linie zu haben. Zum einen ist "Der letzte Tempelritter" ein recht düsterer Film mit glaubwürdigen, ungemütlich dreckigen Sets und stimmigen, unheilvoll wirkenden Wäldern ala "Centurion" oder "Black Death", zum anderen wird das Szenario immer wieder von lausigen Effekten geschwächt. Ob es nun schlecht gedrehte Bluescreen-Momente oder schwach animierte Wölfe und Dämonen sind – jeder Effekt-Shot fällt störend auf und raubt dem Film echte Seriösität. Dass der Film nur 40 Millionen Dollar zur Verfügung hatte, erklärt einiges, allerdings hätte Sena seine Szenen ans fehlende Geld anpassen sollen. Schwachpunkte finden sich auch in der Wahl der Handlungsentfaltung. Einer der größten Patzer des Films ist es, dass Sena mögliche Spannung ungenutzt lässt. Während Cage und Co. lange Zeit rätseln, ob die junge Frau nun übernatürliche Kräfte besitzt oder nicht, verrät Sena es dem Zuschauer schon früh. Man stößt also auf absehbare Gefahren, die nur selten zu schockieren oder überraschen wissen, während man darauf wartet, dass die ahnungslosen Tölpel den Ernst der Lage erkennen. Dazu kommen hin und wieder Logiklöcher, die mehrmals mit dem Kopf schütteln lassen. Action erwartet man sich besser keine spektakuläre: es gibt viele Auseinandersetzungen, doch diese fallen stets kurz und immerzu unblutig aus. Der Film ist zwar ab 16 Jahren freigegeben, hätte aber auch fraglos ab 12 veröffentlicht werden können. 

Neben Cage und Perlman gibt es noch andere markante Figuren, die jedoch allesamt allenfalls akzeptabel ausfallen. Schade ist insbesondere, dass Claire Foy, die Darstellerin der jungen Hexe, fehlbesetzt ist. Statt mächtige Überlegenheit auszustrahlen, mit ihrer Zerbrechlichkeit, Moral und Versuchung zu spielen und die Ritter gekonnt gegeneinander auszuspielen, ist Foy eintönig und so charakterlos, dass man sich auf den Moment freuen kann, in dem sie sich in etwas anderes verwandelt. Christopher Lee hingegen taucht nur als bettlägriger Pestbefallener auf und agiert als solcher keineswegs so denkwürdig wie der leprabefallene Edward Norton in "Königreich der Himmel". Dass der Film dennoch recht passabel ist, liegt in erster Linie an einer recht dynamischen Darbietung. Zwar wird der Film nie so spannend, witzig oder actionreich wie er mit etwas stärkerem Fokus hätte sein können, doch viele unkomplizierte, schnelle Dialoge und ein abwechslungsreiches Angebot verschiedener Hindernisse wissen zu unterhalten. Eine morsche Hängebrücke, dämonische Kreaturen und ein überraschender Endgegner sorgen dafür, dass Genrefans das Popcorn schmeckt – sofern man keine zu großen Erwartungen an den Tag legt und das Budget berücksichtigt.

Fazit:
Mal ehrlich: in der Vorschau zum Film sah "Der letzte Tempelritter" noch nach schwachem Fantasy-Trash auf TV-Film-Niveau aus, doch das Endergebnis überrascht. Cages erster Ausritt als Ritter ist zwar kein wirklich guter Film geworden, dürfte Genrefans jedoch - mit Abstrichen - zu gefallen wissen. Ein mittelmäßiger Film ohne größere Highlights oder Mängel.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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