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Kritik:
Terminator - Die Erlösung


von Christian Westhus

Terminator Salvation
(2008)
Regisseur: McG
Cast: Christian Bale, Sam Worthington

Story:
Das Jahr 2018. Der Krieg gegen die Maschinen tobt noch immer und steht kurz davor, eine drastische Wende zu erfahren. Während Connor und seine Leute händeringend versuchen den Aufstand zum Sieg zu führen, eilt ganz woanders ein Mann namens Marcus umher, der als letzte Erinnerung die Todesstrafe vor dem Judgement Day hat....

Kritik:
Ach Hollywood. Wenn es um Remakes, Reboots, Franchise-Erweiterungen geht, oder kurz, wenn es um Geldscheffelei geht, ist man in Tinseltown aktuell reichlich schnell entschlossen und zieht es konsequent durch. Beim kläglichen Rest wird dagegen uneindeutig herumgeeiert, zum Beispiel wenn es darum geht, als was man einen neuen Blockbuster denn jetzt verkauft. Man will ja keiner Zielgruppe zu fest auf die Füße treten, sondern erreichen, dass auch weiter die Massen ins Kino rennen. So produziert man dann gerne mal den größten gemeinsamen Nenner als eine krude Mischung aus Fortsetzung, Spin-Off, Reboot und Ähnlichem. So fühlt sich dann leider auch der neue „Terminator“ in einigen Momenten an.

„Come with me if you want to live.” Wem da kein Licht aufgeht, hat grundlegende Dinge der Filmgeschichte verpasst. Dann springt ein böser Terminator motorisiert von einer Brücke, auf die eine Ebene tiefer fahrenden Helden – na, kommt nicht auch das bekannt vor? Und schließlich wird sogar das von der Popkultur inflationär häufig bemühte „I’ll be back.“ noch mit aller Gewalt in den Film gekickt. Ja wo sind wir hier denn? Terminator 4 und alles wie gehabt? Selbstzitate die irgendwann nerven und sogar Arnold ist irgendwie untot wirkend wieder dabei.

Der Continuity wegen, weil’s ja Sinn macht. Und ja, auch wenn der Digitaleffekt nicht ganz gelungen ist, so kommt das Schwarzeneggers 80er Jahre Aussehen schon irgendwie nahe. Aber Leute, entscheidet euch doch mal. Entscheide dich, Joe McGinty, ob du tatsächlich als „McG“ weiter Karriere machen willst. Und entscheide dich, Terminator 4, ob du nun grundlegend anders bist, oder doch ständig die Puristen unter den Fans und Zuschauern füttern willst, die ja am liebsten wieder nur Arnold samt Pumpgun hätten sehen wollen.

„Salvation“ ist eigentlich mit keinem vorherigen Teil der Terminator-Reihe vergleichbar. Mit keinem. Der Film funktioniert komplett eigenständig und erzählt eine komplett neue Art von Terminator-Geschichte. Entsprechend sind diese Zitate gar nicht notwendig und entsprechend anders fühlt sich die ganze Sache auch an. „Nanu“, mag man sich anfangs vielleicht noch fragen, als wir einen kurzen Abstecher in die Vergangenheit machen. Aber nachdem uns eine Satellitenanlage in glorioser Tricktechnik feurig um die Ohren schlackert, sind wir mittendrin.

Mitten im Krieg mit den Maschinen, den sich andere Fans ja auch irgendwie schon herbeigesehnt hatten, seit James Cameron erstmals Totenschädel unter schweren Kettenfahrzeugen zerbersten und Laser durch die dunkelste Düsternis zucken ließ. Aber weil uns John Connor ja im Trailer mitteilen musste, dass dies nicht die Zukunft ist, vor der seine Mutter ihn gewarnt hatte, präsentiert sich die Szenerie gänzlich anders. Das Zitat mit dem berstenden Schädel gibt es aber dennoch, womit wir wieder beim Anfang wären und zur kompletten Uneindeutigkeit fehlen dann nur noch die nicht sehr stilvollen Texttafeln zur Orientierung, die jedoch nichts erzählen, was nicht eh bekannt sein müsste für den 4. Teil einer Reihe, oder was nicht eh leicht durch den Kontext zu erschließen wäre.

Es gibt wenige bis gar keine Laser, keinen einzelnen Terminator und ein Großteil der Szenen spielt bei Tageslicht, in teilweise noch recht intakten Landschaften. Besagte Satellitenanlagen, schmutzige Baracken und offene Hangars einer eindeutig zu gut – und zu offen – präsentierten Menschenmilitärpräsenz. Atmosphärisch ist das dennoch; packend und gut, denn die Ausstattung leistet Beachtliches und wenn man sich vorstellt, dass wir wohl noch im Umschwung stecken, irgendwo zwischen „Judgement Day“ und totaler Zerstörung, sieht das sogar richtig klasse aus. Dreckig, roh, verwahrlost – die cineastische Postapokalypse und das durchaus authentisch, sofern man das überhaupt so behaupten kann.

Die erste Hälfte ist wohl eh der gelungenere Teil des Films. Wir folgen wahlweise Fremdling Marcus oder den Widerständlern inklusive John Connor, die sich verschanzen und im 5-Minuten-Takt einem Angriff ausgesetzt sind. Die Einheiten der Maschinen wurden ebenfalls erweitert und rocken in tricktechnischer Oberklasse die Hütte. Hunter-Killer, T-600 mit Mini-Gun – ein ums andere Mal sehr unterhaltsam und besonders beim Angriff des Harvesters, des großen Sammelroboters, kracht es durchaus stilsicher auf der Leinwand und die Soundkulisse bebt freundlicherweise mit.

Dass „McG“ – er hat es ja so gewollt, mit dem Namen – stilistisch in irgendeiner Weise den drei Charlie Engeln nahe kommt, war eh reichlich unbegründete Angst, aber einige Actionszenen sind wirklich mehr als gelungen, auch weil man sie sieht. Die Schnitt-Epilepsie hält sich eher in Grenzen, die Örtlichkeiten sind übersichtlich gefilmt und strukturiert und die Effekte sind präsent, nicht per Wischtechnik kaschiert. Das macht tatsächlich Spaß.

Die Terminator-Motorräder mögen als Idee vielleicht etwas seltsam wirken, aber ihre Szenen haben dennoch das nötige Tempo, die Dynamik und den Wumms. Was Connor gegen Ende jedoch mit einem der Dinger macht, schreit einfach nach ärgerlich auffälliger Unlogik. So viel Weitsicht muss sein, dass man manche Dinge nicht einfach im krachigen Effekt-Spektakel unterschlägt. Ein Spektakel welches – um das noch mal zu betonen – technisch absolut Freude macht und durchaus gekonnt inszeniert ist.

Gerade die zweite Hälfte baut dann aber doch irgendwie ein bisschen ab. Nicht zu tief, aber schon mehr als zu hoffen war. Zunächst sorgen die Anflüge von Romantik in Form gestelzter Dialoge für kalte Schauer, dann übertreiben es die Menschen mit der Ballerei und als dann zum Marsch auf Mordor, also Skynet, geblasen wird, geht es mit der Logik echt ein wenig bergab. Da kommen ein paar Szenen, die in der Form einfach nicht sein müssen. Das Verhalten der Maschinen ist widersprüchlich oder schlicht dumm, das Aussehen der Örtlichkeiten in der Skynet-Zentrale wirkt zu sehr wie für Menschen gebaut und als uns dann eine ganze Palette an Twists und bösen Umkehrungen in aufdringlicher Erklärbär-Manier präsentiert wird, ist der gute Eindruck irgendwie etwas in Mitleidenschaft geraten.

„Terminator“ war nie eine reine Hirn-aus-Reihe zur bloßen Unterhaltung. Nachdenken war durchaus erlaubt, wenn nicht sogar ausdrücklich erwünscht und so litt Teil 3 unter Niveau-Abfall und so dürfen bei diesem Teil eben einige der Macken angemerkt werden. Da passt so Manches nicht so ganz sinnig zusammen und lässt wohl auf die vielen Drehbuchänderungen schließen, von denen im Vorfeld zu hören war. Und so cool und spannend und actionreich und klasse das Action-Finale mit einem klaren Gegner auch ist, es verhehlt nicht, dass hier ein klarer Antagonist fehlt und dass es an klar definierten und gelebten Figuren mangelt. Die Storyline selbst macht es für einen klaren Gegner, nach Vorbild der alten Teile, zwar schwer, aber Skynet ist zu sehr die allgemeine, weitgehend gesichtslose Bedrohung aus Stahl und Schaltkreisen und die Menschenfiguren können das nicht kompensieren.

Connor und Marcus werden zunächst parallel gezeigt, dann zusammen und während Marcus zwar ein paar ganz interessante Ansätze zu Identität, Menschlichkeit und Schuld aufwirft – die aber dennoch auch gerne stärker hätten herausgearbeitet werden können -, ist John Connor nur ein griesgrämiger Kämpfer, der mal entschlossen blickt und dann ins Funkgerät brüllt. Warum er der vermeintliche Prophet ist, die vielleicht einzige Hoffnung der Menschheit, erklärt sich nur durch die Kenntnis der ersten drei Teile, nicht jedoch durch diesen Film. Das liegt wohl am Drehbuch, nicht an Christian Bale.

Hinter ihm ist es nicht viel besser. Die Obermilitärs dreschen Phrasen, während Moon Bloodgood versucht kess zu sein, aber nur blass bleibt. Noch schlimmer ergeht es der eigentlich talentierten Bryce Dallas Howard als Connors Frau. Starke Emotionen für den Vater ihres noch ungeborenen Kindes sieht man ihr zu selten an. Sie ist eigentlich nur damit beschäftigt, John zuzuhören, darf ein, zwei Mal entscheidende Fragen stellen und druckst ansonsten wortarm im Hintergrund herum, aus dem Rapper Common immer mal wieder auftaucht, um brummend auf’s Maul zu geben. Brummend, wie es fast alle Personen hier tun. Ein jeder versucht, mit möglichst viel Rotz in der Kehle möglichst unheilschwanger bedeutsame Reden zu schwingen, um es mächtig dramatisch klingen zu lassen. Anton Yelchin gibt dafür einen durchaus interessanten Kyle Reese. Angenehm jugendlich, natürlich und sympathisch, ohne zu sehr die Witzkarte zu ziehen, die in diesem sehr, sehr ernst gehaltenen Film eh nur ganz selten wirklich funktionieren kann.

Leider kommt Reese nicht sonderlich lange vor. Dem ganzen Film hätte etwas mehr Laufzeit, etwas mehr Geduld für die Ausarbeitung von Figuren, Handlung und Charakteren gut getan. Stattdessen werden die guten Ideen rasch verwurstet und durch penetrant übertriebene Symbolik auch dem Langsamsten verklickert, wie z.B. in der fast letzten Szene. So kann’s gehen. Spaß kann man mit dem neuen Terminator dennoch haben.


Fazit:
Der neue Terminator ist eine ganz schwierige Kiste. Eigentlich wird eine ganze Menge richtig gemacht und besonders die Richtung in die es geht, die inhaltliche Abgrenzung zumindest vom Schema der ersten Teile, ist begrüßenswert.

Dazu ist der Film actionreich, rasant, vor guter Tricktechnik (nicht nur digital) strotzend und macht immer wieder Spaß. Eine zweite Hälfte mit immer mehr blöden Ideen, mit Pannen in der Logik und ein Gesamtgefüge aus verschenktem Charakterpotential und unrunder Story, trübt die Freude doch ein wenig.

5 / 10 

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