BG Kritik:

Terminator Genisys


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Terminator Genisys (US 2015)
Regisseur: Alan Taylor
Cast: Arnold Schwarzenegger, Emilia Clarke, Jai Courtney

Story: Als Kyle Reese aus der Zukunft ins Jahr 1984 geschickt wird, ist alles anders als erwartet. Gegner und Beschützer sind aus anderen Zukunften dazu gekommen, und erneut heißt es für beide Seiten, die Geburt des zukünftigen Anführers zu verhindern...

Terminator Arthritis?

Alt, aber nicht veraltet: Arnold ist wieder da


Terminator 5 hat sich nichts leichtes ausgesucht. Mit der Art Film, die er nun ist, war der Tag der Abrechnung zweifellos vorprogrammiert. Selten hat sich ein neuer Teil einer Filmreihe so intensiv auf seine Vorgänger berufen wie dieser. Es war ja schon bekannt, dass er die Eröffnungsszene des ersten Films wiederholen und verändern würde, aber die Verweise auf die Vergangenheit hören nicht auf. In Regelmäßigkeit wird hier an jeden der vier Filme von 1984, 1991, 2003 und 2009 erinnert. Nicht nur mit Zitaten wie „Ich komme wieder“. Es gibt Remakes von ganzen Szenen, bloß in veränderter Form, zu anderen Zeitpunkten oder mit anderen Beteiligten. Kyle bekämpft einen T-800, dessen menschliche Haut vor seinen Augen abbrennt, genau wie im Showdown des vierten. Wie im dritten wird der böse Terminator kurzzeitig von einem Magneten aufgehalten. Wie im zweiten gibt es einen T-1000, nur ist er dieses Mal Asiate und zu anderer Zeit aktiv, und wie im ersten gibt es eine Art Dr Silberman, der zum Zeugen wird und es Jahre später kaum glauben darf, dass es noch wieder weitergeht. Wer die älteren Filme halbwegs in Erinnerung hat, erlebt hier ein DejaVu nach dem anderen, und selbst an die Sarah Connor Chronicles Fernsehserie wird erinnert.

Wiederverwertung alter Ideen? Bedeutet ja, dass sich der Vergleich aufdrängt. Und da kann man nur den Kürzeren ziehen, denn James Cameron, der die ersten zwei gedreht hat, ist einer der besten Filmemacher und seine beiden Terminatoren gehören zu seinen besten Filmen. Man müsste also verrückt sein, sich mit so einer Größe anzulegen, und Alan Taylor ist mit Gewissheit kein neuer Cameron. Man muss einfach rütteln und Backpfeifen verteilen: das ist nicht mehr Terminator wie in den 80ern, oder wie in den 90ern. Ja, der erste war ein Kriegsfilm und ein Horrorfilm, mit einer rauhen, düsteren Welt und unerbittlichen Killermaschinen. Der zweite hatte schon einen leichteren Ton, hatte aber dennoch jede Menge Ernst und Hochspannung zu bieten. Der dritte hatte trotz vermehrtem Humors und Weggang vom blauen Dauerblaufilter sein zynisches Ende. Genisys ist all das nicht mehr. Da geht es zwar auch noch um das Aufhalten der Weltvernichtung, und ein böser, durch die Zeit gereister Terminator muss wie immer aufgehalten werden, aber sonst ist es was ganz anderes. Seit T2 damals überraschend zu einem der erfolgreichsten und beliebtesten Filme überhaupt wurde – T1 war seinerzeit bloß ein kleiner Film unter vielen – ist Terminator als Marke groß. Da man allerdings nicht dieselbe Größe an Regie und Script findet, oder finden will, die das hervorbringen konnte, wird sich auf andere Dingen berufen. Auf Nostalgie, auf viel Action, auf Einsatz vieler Effekte, auf Entertainment und neuerdings auch noch auf 3D Wirken. Das Ende aller Tage? Transformers Genisys?

Es wird gemosert, dass Jai Courtney als neuer Kyle Reese schlecht sei, aber das ist er keineswegs. Das war er übrigens auch schon in Stirb Langsam 5 nicht, in dem er als Sohn von John McClane auftrat. Er war darin nur nie auffällig gut, und das ist er hier auch nicht. Er ist kein Problem. Einige seiner ruhigeren Szenen funktionieren sehr wohl, und da er als Mensch zwischen dem Kampf der Terminatoren eh meist nicht viel auszurichten hat, stört er da auch nicht. Problematischer ist Emilia Clarke als Sarah Connor. In vielen Szenen des Films hantiert die Drachenkönigin aus Game of Thrones mit Waffen, doch die in ihrer Serie oft eindrucksvolle Engländerin erscheint oft eher putzig, als könne sie nicht einmal eine Pusteblume auseinander pusten. Beinahe interessant ist der Versuch des Scripts, sie als naives Mädchen darzustellen. Als Kind von dem Terminator gerettet, lebt sie seitdem von Menschen isoliert und vollkommen auf Krieg getrimmt. Sie nennt den Terminator Paps, was entgegen erster Befürchtungen ganz passend erscheint und die logische Fortführung von dem ist, was Connor im zweiten Teil für kurze Zeit mit seinem Terminator gemacht hat.

Hübsch, aber ein völlig andere Sarah Connor: Khaleesi Emilia Clarke


Schwarzenegger selbst genießt seine Rückkehr. Sein Guardian (so heißt er im Abspann) Terminator ist eine Hauptrolle, und alle 10-20 Minuten gibt’s irgendeine größere Szene mit ihm, in der mächtig geschossen wird oder was zu Bruch geht. Er bekommt ein paar lustigere Szenen, wird dabei aber nicht zum albernen Alteisen, und was im Trailer blöd gewirkt haben mag, ist im Kontext oft besser platziert. Zur vorherigen Coolness findet er allerdings nicht mehr zurück, was jedoch an der generellen Inszenierung, nicht an ihm liegt. Alan Taylor, der zuvor Thor 2 und überdies Game of Thrones Folgen mit Emilia Clarke gedreht hat, inszeniert Terminator Genisys leider völlig spannungsfrei, ohne Atmosphäre, ohne Intensitäten. Die Terminatoren wirken zwar nach wie vor als eindrucksvolle Gegner, aber weg ist das Gefühl, dass es um etwas geht. Egal bleibt, ob die drei ihr Leben lassen oder nicht, und ob der Judgment Day stattfindet oder nicht. Dass Skynet sich dieses Mal als App ausgibt, darf ebenso doof gefunden werden wie ein alberner Weltvernichtungs-Countdown, der weltweit gezeigt wird, oder die Tatsache, dass Sarah Connors Push-up Bra offensichtlich bis ans Äußerste geht und Produzenten das scheinbar wichtiger war als erzählerische Qualitäten. Glücklicherweise ist bei ihr noch leicht mehr los als bei Megan Fox.

Inhaltlich gibt es trotz allgegenwärtiger Dummheiten vereinzelt interessante Ansätze. So weiß Sarah von Anfang an, dass sie mit Kyle John Connor zeugen soll, was zu mehreren amüsanten Unterhaltungen führt. Kyle traut dem Guardian kein Stück, und es wird an Teil 3 erinnert, in dem der schützende Terminator manipuliert wurde.Was weitläufig besprochen wird: der Zeitreisekram. Zeitreise in den Filmen war schon immer schwammiger Natur, aber hier ist es völliger Mindfuck. Beschützer und Gegner werden aus unbekannten Zukunften durch die Zeit geschickt, und vieles scheint überhaupt keinen Sinn zu machen, wer wann wo was von wo aus mit welchen Hintergedanken macht. Man könnte es mit einem faulen „Weil Story“ abstempeln, aber die Macher haben bereits angedeutet, dass die geplanten zwei weiteren Teile (wenn sie denn kommen mögen) weiteres erklären würden. Bleibt dieser Film allein stehen, kann man es also als Sinnlosigkeit hinstellen; geht es aber weiter, kann das tatsächlich erstmals Neugier auf einen nächsten Teil wecken. Wie wollen sie das alles erklären? Alle vier vorangegangenen Filme haben ja schon gezeigt, dass keiner von ihnen ein definitives Ende haben kann, aber dieser Film endet besonders offen und lädt dazu ein, sich auf mehr zu freuen.

Solides 3D, also Kinoempfehlung?


Action und Effekte? Terminator Geniys hat angeblich „nur“ 155 Millionen Dollar gekostet, sieht aber größtenteils nach einem 200 Millionen Streifen aus. Fast alles, was in den Trailern an Effekten unfertig aussah, ist im finalen Film kompetent geworden. So sieht beispielsweise der komplett computeranimierte junge Arnold von 1984 großartig aus, viel besser als sein Pendant aus Salvation. Der Busüberschlag ist natürlich von The Dark Knights Trucküberschlag geklaut, und es gibt keine wirklich herausragende Actionsequenz wie beispielsweise die Kranverfolgungsjagd oder das mit dem Motorrad und dem Laster im Wassergraben LA’s. Gerade hier macht sich das Fehlen von Coolness und Bedrohung am stärksten bemerkbar. Größtes Manko ist eine kurze Jagd mit Helis, die sehr künstlich ausschaut, und still und heimlich auf alles bezogen: der Übereinsatz von Computereffekten. Arbeiteten die anderen Filme alle noch viel mit praktischen Effekten, kommt hier fast alles aus dem Rechner. Beschießen sich Maschinen, sieht das gut aus, aber werden echte Alltagsfahrzeuge oder Gebäude beteiligt, wirkt es oft weniger stark. Deutlich wird die Schwäche des Effekteinsatzes auch in einer Zukunftssequenz. Rebellen kämpfen mit Jeeps und Hubschraubern gegen T-800 Endoskelette, Spiderbots und Hunter Killer, aber im Vergleich zu Camerons dreckig, finsteren Zukunftssequenzen ist hier alles eher sauber und auf „schön“ getrimmt. Dennoch muss man dem Film lassen, dass es eine Menge Actionszenen gibt, die selten was anderes als unterhaltsam sind.

Zwei weitere Absätze müssen noch sein. Zunächst sei gesagt, dass man den Film ein Stück mehr genießen kann, hat man die meisten Promomaterialien außen vorgelassen. Im Film gibt es nämlich einen Twist, der von der Inszenierung her eine große Überraschung sein kann und der inhaltlich alles vorherige über den Haufen wirft, und der selbst zahlreiche Fragen aufwirft. Plötzlich geht es nicht mehr um dieselbe Leier, dass ein böser Terminator Sarah Connor umbringen will. Das bleibt wie gesagt alles sehr konfus und gerade, wenn man meint, das wärs schon alles, kommt noch was hinzu. Genisys ist damit also weit mehr als ein faules Remake und macht immerhin damit ein wenig wett, dass es an Spannung und Erzähltalent mangelt, auch wenn man um Skynets Willen besser nichts hinterfragt. Vor allem nicht, inwiefern Zeitmaschinen genutzt werden.

Zu guter letzt sei noch Lorne Balfe in flüssiges Metall hinabgelassen, der den bis dato langweiligsten aller Terminator-Scores abliefert. Wieso man den Schüler Hans Zimmers engagiert hat, bleibt ein Rätsel, hat er zuvor doch nur unwichtiges gemacht und hat als prestigeträchtigsten Score Die Pinguine von Madagascar gemacht. Sein T5 Score ist kein Vergleich zu den Brad Fiedels der ersten beiden, oder zu den hervorragenden zu T3 und 4 von Marco Beltrami und Danny Elfman. Erst im Abspann ertönt die berühmte Terminator Theme, und da fühlt es sich an wie ein Geburtstagskuchen mit drei Wochen Verspätung. Hätten sie sich die miserable Hubschrauberszene gespart und sich stattdessen einen erfahreneren Actioncomposer gegönnt, wäre das schon mal mehr gewesen.

Fazit:

Man kann Genisys vorhalten schlecht zu sein, weil er nicht so spannend und cool ist wie die ersten beiden, aber das will er ja gar nicht sein. Genisys ist wie der dritte Teil nur ohne dessen ernsteres Ende. Damit wird er sich sicherlich wenig Freunde machen, wo sich die allermeisten doch eher einen erwachseneren Anschluss gewünscht hätten, ganz nach Art Mad Max Fury Road. Freut man sich allerdings darauf, Arnold in der Rolle wiederzusehen, egal wie, und kommt man mit tumber CGI-Materialschlacht zurecht, wiegen die ganzen Nostalgieszenen und der interessante Zeitreisemindfuck die dümmlichen Momente größtenteils auf.

6 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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