BG Kritik:

The Babysitter


Der "Snob" unter den BG Redakteuren. Seine Herkunft ist mysteriös. Angeblich besucht er ein Bildungsinstitut in Bielefeld. In Bielefeld!

The Babysitter (USA 2017)
Regisseur: McG
Cast: Judah Lewis, Samara Weaving, Bella Thorne, Leslie Bibb, Robbie Amell u.a.

Story: Der 12-jährige Cole (Lewis) ist ein ängstliches Kind. Die peinliche Tatsache, dass er noch immer einen Babysitter braucht, wenn seine Eltern für ein Wochenende das Haus verlassen, wird nur dadurch erträglich, dass Babysitterin Bee (Weaving) überaus attraktiv und für Cole eher eine Art guter Kumpel oder die coole große Schwester ist. Doch eines Nachts muss er feststellen, dass Bee ihre ganz eigenen teuflischen Ziele verfolgt.

Was Sie nie über ihre Babysitter wissen wollten, aber schon immer vermuteten …


Wir kennen sie alle, diese Frage, egal ob aus Kinder- oder Elternperspektive: was machen Babysitter, Nanny und ähnliches Aufsichtspersonal, wenn sie sich im Haus ihrer Arbeitgeber unbeobachtet fühlen? Die Netflix Produktion „The Babysitter“ gibt darauf eine so irrsinnige wie logische Antwort, denn Babysitterin Bee und ihre stereotype Gruppe von Freunden, die eigentlich gar nicht hier sein sollten, planen ein satanistisches Ritual. Ist doch klar. Für den 12-jährigen Cole ist diese Erkenntnis der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Cole ist nicht einfach nur schüchtern, er hat ständig Angst, kommt selten wirklich aus sich heraus, flüchtet sich in Wissenschaft und Popkultur, ist Mobbing-Opfer und weiß selbst, wie er unter Tränen gesteht, dass er für sein Alter nicht ganz „normal“ ist. Babysitterin Bee war eigentlich immer Mut machend und freundschaftlich unterstützend an seiner Seite, doch nun, da sie im Wohnzimmer seiner Eltern einen Mord begeht, haben sich die Dinge für Cole verändert.

„The Babysitter“ ist im weitesten Sinne ein Coming-of-Age Film, ein Film über Reifung und Erwachsenwerden seiner Hauptfigur. Um aus dem schnell reichlich chaotisch und nicht minder blutig gewordenen Irrsinn lebendig herauszukommen, muss Cole seine Angst und Zurückhaltung ablegen und in die Offensive gehen. Und das gelingt ihm deutlich schneller als erwartet. Mit Anleihen an „Kevin allein zu Haus“, ohne jemals dessen Einfallsreichtum auch nur zu streifen, besteht der Film im Hauptteil aus Flucht und Gegenoffensive rund ums ramponierte Elternhaus. Mit Texteinblendungen, Snorri-Cam und Crash Zooms versucht sich Regisseur McG an einem hippen jungen Inszenierungsstil, irgendwo zwischen Edgar Wright und (dem alten) Oliver Stone. Wirklich klar wird „The Babysitter“ in seiner Bildsprache dadurch nie, was sich auch auf den Unterhaltungswert und Ton des Films auswirkt.


Die Grundprämisse mit Coles Entwicklungsprozess und seiner Beziehung zu Bee inmitten einer schrillen Horrorkomödie ist nur zu gut zu erkennen. „The Babysitter“ hätte ein gewitzter kleiner Genrefilm mit der gewissen Extraportion Herz werden können, doch McGs Film nach einem Drehbuch von Brian Duffield bricht sich am eigenen Potential das Genick. Zu groß ist der Wunsch nach Humor, nach dem, was hier mit Ironie verwechselt und womöglich als Satire gedacht war. Jede Figur ist schrill überzeichnet, nie wirklich irgendwo in der Welt verankert, was angesichts langweiliger Standardfiguren enttäuschend ist. Bees Handlanger Max ist ein Waschbrettbauch auf Beinen, Allison (Bella Thorne) ist die dümmlich aufgesexte Cheerleaderin, Sonya ist, ähm, Asiatin, und John ist, doppel-ähm, der Schwarze und ein Hypochonder. In mittelmäßigen Filmen, z.B. in den endlosen Slasher-Fortsetzungen der 1980er, hätten diese Figuren immerhin einen witzig-bemerkenswerten Moment gehabt, um danach spektakulär ins Gras zu beißen. In „The Babysitter“ ist nicht einmal das wirklich gegeben. Dinge passieren, ohne dass sie wirklich eine Rolle spielen. Dass nahezu jeder einzelne Schritt vorhersehbar ist, macht die Sache nicht unbedingt besser.

McGs Kamera suggeriert uns Tempo, die Karikaturfiguren spielen uns postmodernen Witzzynismus vor, doch hängen bleibt nahezu nichts davon. Das ist immer dann besonders enttäuschend, wenn man die günstige Gelegenheit ungenutzt davonsegeln sieht, beispielsweise wenn Cole in der Horrornacht seinem Schulpeiniger begegnet und neu Gelerntes anwenden könnte. Enttäuschend auch, wie das Script eine gewisse Zeit lang von Anführerin Bee Abstand nimmt, um ihre Handlanger agieren zu lassen. Denn nicht nur ist Darstellerin Samara Weaving halbwegs unterhaltsam in der Rolle, die dramaturgische Basis zwischen Bee und Cole wäre immerhin da gewesen, um einem bemüht unterhaltsamen Horror-Radau einen runden thematischen Endpunkt zu servieren. Das macht „The Babysitter“ zu einer dieser besonders enttäuschenden Fehlzündungen, zu einem Film, dem man jederzeit ansieht, was hier ursprünglich wohl mal geplant war, ehe man gekonnt daran vorbeiinszenierte.

Fazit:

Bemüht unterhaltsam, mehr schrill als hip. „The Babysitter“ ist eine verkrampft inszenierte Horrorkomödie, die die Möglichkeiten ihrer menschlichen Grundprämisse bestenfalls streift.

4 / 10

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