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KRITIK:

THE COLLECTOR


von Christian Mester

THE COLLECTOR (2010)
Regie: Mark Dunston
Cast: Juan Fernandes, Josh Stuart

Story:
Da Arkin Geldsorgen hat, beschließt er eines Tages in ein Haus einzubrechen, in dem er kurz zuvor als Handwerker gearbeitet hat. Was er nicht ahnt: innerhalb des Hauses ist bereits ein anderer Einbrecher zugange, ein Psychopath, der überall Fallen aufgestellt hat.

SAW VII wird der erste SAW in
3D

Kritik:
Man nehme die Autoren von "Saw" 4-7 und gebe den Jungs etwas Geld, um einen neuen Franchise aufzuziehen (irgendwann wird es halt doch fragwürdig, wie viele Fallen Jigsaw vor seinem Tod in die Wege leiten konnte). Das Resultat ist "The Collector", ein stilistisch sehr ähnlicher Film, der so ähnlich ausfällt, dass man glatt glauben könnte man habe sich erdreistet, ein ungenutztes "Saw" Drehbuch zu verfilmen (so wie man für "Saw 2" ein bestehendes Filmscript nahm und es mal eben zu einem "Saw" umschrieb).

Generell ist das in kleinen Stücken gelungen. Arkins Hausbesichtigung ist mitunter spannend und auch der altbekannte Rostlook der "Saw" Filme hat nichts von seinem unheimlichen Feeling verloren, auch wenn die Farbfilter hier zu grell ausfallen, doch es wäre falsch, "The Collector" auf eine Stufe mit "Saw", oder dem schwächsten der Reihe, Teil 5 zu stellen. Ist Jigsaw ein charismatischer, identifizierbarer Bösewicht mit markantem Charakter, ist der Collector ein stiller Soziopath, Nun hat uns "Halloween" vor 30 Jahren gelehrt, dass gerade das ungemein effektiv sein kann, doch der Sammler (es wird nie erklärt, was der Sammler genau sammelt. Briefmarken? Panini-Fußballbilder? oder ist er gar ein ehrfürchtiger "Command & Conquer"-Veteran?) offenbart sich als 0815-Musterpsycho mit schwarzer Ledergimpmaske, der zwar massakriert, Fallen ertüftelt und schwer atmend nach Luft schnappt, aber zweifeln lässt, jemals als eigenständiger, faszinierender Horrorcharakter akzeptiert zu werden. Der Collector ist kein Creeper, kein Stranger, kein Crawler. Der Collector steht auf einer Geek-Stufe mit den Gangstern aus "Motel 2", "Reeker" und den Bats aus "Bats: Fliegende Teufel". Helden aus der zweiten Reihe? Wohl eher Sitzenbleiber, vor allem, da der Collector in seinem eigenen Handwerk ziemlich schlecht ist. Er könnte der kleine retadierte Bruder von Machine aus "8mm" sein, nur dass der einem guten Darsteller gegenüber stand und in spannender Story kompetent in Szene gesetzt wurde.

Trotz mauen Einspiels (in Deutschland lief der Film nicht in den Kinos)
ist THE COLLECTOR 2 geplant

Die Fallen in den mittlerweile sechs veröffentlichten "Saw" Filmen hatten stets Sinn oder zumindest wird es dort im Kontext sinnvoll erklärt, wieso jemand mühselig Konstruktionen erstellt, in denen andere dann qualvoll zermalmt, entgliedert oder anderweitig püriert werden. In "The Collector" macht das Fallenstellen überhaupt gar keinen Sinn. Bei Gruselbeginn hat der Sammler schon jedes mögliche Opfer gefangen genommen - und ihr Haus dennoch mit verrückten Fallen gespickt. Hier wird deutlich, dass man das Fallen-Element aus den selbst geschriebenen "Saw" Filmen kopieren wollte, aber nicht wusste, wie man diese sinnvoll einbringen konnte. Also sind sie einfach da, weil deshalb. Die neuen Fallen sind weniger aufwendige Bauten (die der Sammler trotzdem zahlreich in ca. zwei Stunden im ganzen Haus verteilt), brutal, aber einfallslos. Das Fehlen von Countdowns und Ankündigungsvideos lässt mit Säure überzogene Fussbäden sadistisch, aber nicht unterhaltsam oder spannend wirken. Man muss wissen, dass Dunston und Co-Autor Patrick Melton erst seit dem vierten Teil an "Saw" beteiligt waren; ihre vorliegende Stil-Kopie ist dementsprechend die der Arbeit der vorherigen Macher, was es noch einmal enttäuschender macht. Hier will man mit leicht abgeänderten Ideen talentierterer Leute Geld machen.

Auffällig ist, dass der Collector taub zu sein scheint, denn Dieb Arkin schleicht äußerst unbeholfen (sprich: laut) durch das moderat kleine Haus und schafft es ewig lange, trotz tölpischer Lärmkulisse nicht entdeckt zu werden. Ein Großteil der versuchten Spannung besteht also daraus, dass man darum bangt, dass der nichts sammelnde Sammler durch das Haus schleicht und Arkin eventuell entdeckt wird.

Unter den Darstellern (darunter Madeleine Zima aus "Californication") finden sich nur schwache Akteure, Regie, Score und Optik sind weitestgehend von "Saw" kopiert, kommen aber ohne markente Titeltheme, weniger dezent und ohne eigene Note aus. So lässt sich "The Collector" auch insgesamt zusammenfassen: im Großen und Ganzen auf Halbmast zusammengeklaut, noch oberhalb reinen Trashmaterials, aber eine deutliche, deutlich schwächere "Saw Teil XY" Kopie.

Fazit:
Wäre der Film nicht von den kreativen Köpfen der "Saw"-Reihe könnte man sagen, dass es ein einfallsloser, schwacher Nachahmer ala "Captivity" ist. Was er bei näheren Überlegungen dann doch ist. Fans der Reihe dürfen einen Blick riskieren, sollten ihre Erwartungen jedoch vor allem aufgrund mangelnder Logik bis auf den Boden senken. Genrefans freuen sich indes, dass "Saw"-Regisseur James Wan mit "Death Sentence" und "Dead Silence" statt einfallslosem Versuch an alten Erfolgen festzuhalten, vorbildlich gezielt neue Wege eingeschlagen hat.

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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