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KRITIK:

THE CRAZIES
Fürchte deinen Nächsten


von Christian Mester

THE CRAZIES (2010)
Regie: Breck Eisner
Cast: Timothy Olyphant, Radha Mitchell

Story:
Sheriff Dutton (Timothy Olyphant) traut seinen Augen nicht, als die Bewohner einer kleinen Farmersstadt urplötzlich zu gewalttätigen Amokläufern werden. Dann tauchen auch noch mysteriöse Einheiten des US-Militärs auf, die ein Schlamassel aufzuräumen haben...

Tim Olyphant spielte den Hitman in
HITMAN - JEDER STIRBT ALLEIN

Kritik:
Klingt die Inhaltsangabe, als spoilere sie die Handlung? Das spielt in diesem Fall mal keine Rolle, da "The Crazies - Fürchte deinen Nächsten" (grandioser deutscher Titel) keine Minute lang versucht, spannend zu sein oder Fragen aufzuwerfen. Schon nach den ersten Minuten ist klar worauf das ganze hinaus läuft und nach einigen weiteren, wie es mal enden wird. Es lässt Grübeln. Es will nicht verstanden werden, wieso Regisseur Breck Eisner diese relevanten Elemente einer spannungsgeladen Geschichte so schnell aufgibt. Normalerweise sollte das ganze gröber angegangen werden, Andeutungen machen, damit man selbst die Chance bekommt, mitzurätseln, schließlich ziehen viele oder sogar die meisten Horrorfilme ihren Grusel daraus, dass man als Zuschauer im Ungewissen steckt und nicht weiß, was Sache ist.

Es bleibt verwehrt, da Eisner sich anscheinend auf andere Aspekte konzentrieren will. Er inszeniert die Neuauflage des relativ unbekannten Non-Zombie Romero Films als flotten Thriller und zeigt, wie Hitman Olyphant und Radha "Silent Hill" Mitchell (ja, das sind zwei Hauptdarsteller aus Game-Verfilmungen; es wird besser - die Stadt heißt Ogden, wie der Wirt aus "Diablo"; Hellebarden-Zombie-Kühe bleiben jedoch aus) gemeinsam und teilweise separiert um ihr Leben kämpfen. Der Klang Game-Verfilmung passt, da sich Eisners Film tatsächlich wie ein Spiel anfühlt.

THE CRAZIES konkurriert aktuell mit
George Romeros SURVIVAL OF THE DEAD

Level um Level legen sich die beiden mit verschiedenen Untoten, pardon, Crazies und verschiedenen Einheiten des Militärs an. Einzig ein Bossgegner fehlt im reichlich explosiven Finale, das "The Crazies" ebenso actionreich und oberflächlich beendet, wie beginnt. Bei all dem Tempo bleiben neben der Spannung auch Charakterisierungen und Emotionen unangetastet, sodass es einem schlichtweg nahezu egal ist, wer wann wie mit Heuforken erforkt wird. Dass das trotzdem sehenswert ist, liegt hauptsächlich an Mitchell und Olyphant, die sich als ungewöhnliches Paar durch die Bredouille ballern und beide gut harmonieren.

Lob gebührt Eisner für den Look des Films. Obwohl er nur 12 Millionen Dollar gekostet hat, sieht er weit teurer aus und dürfte 2010 locker den Award des schicksten Genrefilms bekommen. Viele tolle Kameraufnahmen und Szenenzusammenstellungen hinterlassen einen guten Eindruck
.

Schräg oder fast schon ironisch ist die Tatsache, dass der Film - wie auch das hervorragende Remake von Romeros "Dawn of the Dead" - mit einem zynisch heiteren Song Johnny Cashs anfängt. Hommage oder kläglicher Versuch, ähnlich gut anzukommen? "The Crazies" ist ähnlich flott, aber weit zahmer in Sachen Blut und schafft es auch nicht, ähnliche Bedrohung und Klaustrophobie aufzubauen. Szenen wiederholen sich auch; so gibt es mehrfach Momente, in denen Crazies Leute attackieren und erst im allerletzten Moment erschossen werden. Insgesamt bleibt der Beigeschmack, dass es ein Horrorfilm für all diejenigen ist, die Horrorfilme normalerweise nicht gern sehen. Die Vorhersehbarkeit und fehlende Stimmung entschärft den Grusel, der handzahme Blutgehalt den Schauderfaktor. Klingt recht vernichtend, doch so schlecht ist er nicht. Genrefans sollten ihre Erwartungen senken, da er nicht direkt auf sie abzielt - gewöhnliche Besucher dürften aber gut unterhalten sein. Tolle Optik, kompetente Regie, gute Hauptdarsteller und jede Menge Tempo lassen "The Crazies" leicht wegsnacken.

Fazit:
Kaum einer weiß, dass "The Crazies" das Remake eines 37 Jahre alten Films ist, muss man aber auch nicht. Das Original ist gerade mal okay und die Neuauflage ein definitiv besserer Film. Ein sehenswerter, wenn auch oberflächlicher Horrorhappen, der als Kurzweil netter Zeitvertreib ist. Reiht sich nicht unbedingt mit den besten Remakes ein, ist aber kompetent genug, in den oberen Rängen mitzuspielen.

Romero Fans der ersten Stunde, die das Original eventuell noch im Kino gesehen haben, wird es an Low Budget Charme fehlen, typische Genrefans werden sich eine leicht düstere, leicht blutigere, spannendere, denkwürdigere Fassung wünschen, letzten Endes aber auch zufrieden sein. Man wird vielleicht nicht jubelnd aus dem Kino laufen und sich die Blu-Ray vorbestellen, aber bereuen dürfte den Besuch niemand.

/ Derzeit läuft übrigens auch ein original Romero in den Kinos: "Survival of the Dead", Teil 6 der langjährigen Dead-Reihe. Kostete weit weniger, soll dafür aber weit blutiger sein und den leicht trashigen Independent Low-Budget Charme der übrigen Filme erhalten. Wer mit der Idee eines flachen, handzahmen Hochglanz-Remakes nichts anfangen kann, kann sich das stattdessen vornehmen.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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