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Kritik:
The Dark Knight


von Christian Mester

The Dark Knight
(2008)
Regisseur: Christopher Nolan
Cast: Christian Bale, Heath Ledger, Morgan Freeman

Story:
"Manche Menschen wollen die Welt einfach nur brennen sehen" sagt Alfred, und genau so jemand ist der namenlose Joker (Heath Ledger). Der geschminkte Freak, der sich schnell als genialer, furchtloser und unberechenbar gefährlicher Massenmörder entpuppt, versetzt Gotham City in nur wenigen Tagen in ein Moloch aus Angst und Terror.

Der Mann mit dem lila Anzug hält dabei sowohl Cops als auch die mächtigsten Gangsterbosse der Stadt spielend gleichermaßen zum Narren. Weil das noch nicht reicht, legt er sich dann auch noch mit Batman an, der dem Irren mit den grünen Haaren ebenfalls kaum gewachsen ist.

Mitten im Chaos versuchen Jim Gordon (Gary Oldman) und Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) für neue Ordnung zu sorgen, doch selbst mit der Hilfe des dunklen Ritters haben sie es unheimlich schwer. Noch schwierigier wird es, als der Joker sich Dent und dessen Freundin Rachel (Maggie Gyllenhaal) widmet...

Kritik:
"Bester Film aller Zeiten" ist The Dark Knight beileibe nicht, um einmal die Erwartungen etwas zu dämpfen, aber er ist mit Leichtigkeit einer der besten des Jahres, er ist revolutionär in seinem Genre und bringt dann noch eine der besten schauspielerischen Leistungen aller Zeiten mit sich.

Das mit dem besten Film aller Zeiten ist momentan etwas zuviel des Guten in der Presse, aber es ist wirklich nicht übertrieben, was dort über Heath Ledger und seiner Rolle als Joker geschrieben ist.

So wie Daniel Day-Lewis vor ein paar Monaten Daniel Plainview als eine der wegweisendsten, eindrucksvollsten und interessantesten Rollen der Filmgeschichte verwirklichte, so ist Heath's Joker schier unglaublich. Man kann es übrigens überhaupt nicht mit Nicholsons Variante vergleichen, weil es so anders ist aber in den letzten Jahren hat es definitiv kaum eine Filmfigur gegeben, die gleichzeitig so unterhaltsam war, so fesselte und so überraschend ist wie sein geschminkter Mann ohne Namen.

Ledger war gut in Filmen wie Brokeback Mountain und Monsters Ball, aber auch damit kann man es einfach nicht vergleichen. Davon abgesehen, dass Nolan, sein Bruder und David Goyer die Figur auf dem Papier perfekt neu erfunden haben und sein Design einfach grandios ist, so sind es einfach Ledger und seine Gestiken, seine Mimiken, seine kleinen Bewegungen, die ständigen kleinen Schmatzer, die hai-artigen, immer unruhigen Augen, die diese letzte seiner Rollen sofort zu dem machen was sie ist: Filmgeschichte, und zwar Oscar würdige. Kommt er in den Raum, ist die Luft magisch; sagt er was, bekommt man Gänsehaut. Alle, und er hat wirklich viele, seiner Szenen sitzen perfekt. Jeder seiner Sprüche sitzt perfekt. Nicht ein einziges Mal lässt er nach. Wird er nächstes Jahr nicht posthum für diese Darbietung nominiert, kann man die Academy wohl getrost ignorieren. Das hat auch nichts mit seinem Tod zu tun, denn so oder so hätte er diese Nominierung verdient.

Simpel gesagt, ist es eine der besten Schauspielleistungen die es je gegeben hat und das ist einfache Feststellung, keine Übertreibung, kein Geekgerede und auch kein Wunschdenken. Man vergisst innerhalb von einem Satz, dass der Junge aus Ritter aus Leidenschaft hier einen geschminkten Killer spielt, der im Handumdrehen mit einer ganzen Stadt spielt.

Die Bedeutung des Wortes Comic-Film wird man spätestens im nächsten Jahr mit Watchmen nochmal überdenken, aber The Dark Knight als Comic-Film zu bezeichnen ist eigentlich schon eine Beleidigung. Zumindest im allgemeinen Sinne, denn eigentlich werden Comic-Verfilmungen als unernste Stücke gesehen, die - egal wie gut sie auch sein mögen - letztendlich doch nur auf Kinderkram basieren. An Dark Knight ist aber nichts kindisch.

Es ist ein düsterer, ernster Crime-Thriller mit einem Hauch Fantasy.

Christopher Nolan kann stolz sein, denn alles, was er in Batman Begins so genial eingeführt hat, kommt im zweiten Teil ebenfalls und dann sogar besser vor. Die Action wurde vergrößert, ohne in Spektakel zu enden, die Kämpfe sind mehr und intensiver (und dieses Mal sieht man sie auch), die Musik (sehr bewegend und für das Genre ungewöhnlich untypisch) will gar nicht mehr loslassen und von Batman gibt es auch mehr zu sehen. Mehr Kämpfe, mehr Fahrzeugaction (die Geburt vom Batpod etwa ist einfach grandios), umwerfende Szenen (wie etwa ein gewagtes Stuntmaneuver, dass selbst Ethan Hunt blass gemacht hätte), mehr Strapazen, neue Gadgets und endlich vermehrte Detektivarbeit belohnen jeden Fan der Serie.

Die Story ist eine der dichtesten ihres Genres. Nach dem ersten Schauen ist man davon vielleicht noch etwas erledigt, aber spätestens auf dem zweiten Blick (Film wurde für die Kritik in zwei Tagen zwei Mal geschaut, im Amsterdam Bijlmer ArenA iMax Kino) zeigen sich sämtliche Abgründe, und wie gut dieses schwierige Puzzle mit allen Charakteren überhaupt erst zusammenpasst. Macht man sich einen Kopf über das Koordinieren der ganzen Aktivitäten, zeichnet sich nur umso mehr heraus, wie genial und durchdacht der Joker im Film eigentlich ist. So erscheint etwa ein kleiner Ausflug nach Hongkong erst überflüssig, oder auch der Auftritt diverser gefälschter Nachmacher von Batman wirkt erst ungelenk, doch all das fügt sich ideal in den Rest mit ein.

Dazu geizt die Story nicht an Tiefe: noch zusätzlich zu dem Jonglieren der
drei großen Hauptfiguren, der Dreiecks-Lovestory Wayne-Dawes-Dent und den ständigen Aktionsmomenten fügt Nolan unzählige kleine Nebenstories hinzu, die immer wieder ins Geschehen passen und die Tiefe noch weiter untermauern. Ob es nun eine moralische Frage über die Taten Batmans ist, ob es das Aufdecken von Batmans Identität ist, seine Sicherheitsmaßnahmen, oder ob es Batmans Bedeutung für die Stadt betrifft: es wird ein riesiges und dichtes Netz gesponnen, welches die Welt von Batman und Joker zu einem ungemein spannenden Platz macht. Dadurch wird überhaupt erst klar, was für eine Bürde Batman als Superheld trägt. Es geht nicht nur um das wilde Bekämpfen von Terroristen, es geht auch um Dankbarkeit, um Selbstaufopferung, um Ideale, Ziele, Instinkte, Chancen und Ersatz. Bale, der besonders gut darin ist, besonders ernste und disziplinierte Figuren zu spielen, hat es schwer, die brodelnde Verzweiflung in der eiskalten Disziplin Wayne's zu halten, schafft
das aber zum Glück.

Gibt es denn überhaupt etwas an dem Film auszusetzen? Sehr wohl, und das wird einigen nicht schmecken. So diszipliniert Bale auch in den Szenen als Batman ist (und wie sehr er auch in den neuen Kampfszenen überzeugt), so fehlt es der Figur Batman / Bruce Wayne selbst an Aufmerksamkeit. Zwar sieht man ihn mal trauern oder sich kurzweilig besinnen, aber abgesehen von einem starken Auftritt in einem Verhörraum bleibt Batman zu verhalten. Bekommen Joker und Dent jede Menge ruhigere Dialogszenen, bleibt Batman meist nur der wortkarge und starre stille Samurai. Er ist cool, keine Frage, aber rein schauspielerisch kann Bale damit nicht besonders viel machen. Das ist ein Problem des Drehbuchs, das ihm nicht erlaubt mal richtig zu glänzen. In Anbetracht der Ereignisse im zweiten und dritten Akt stört es dann auch ein wenig, dass man keine aufreibenden Szenen zu Gesicht bekommt, denn Gründe für starke Emotionen gibt es genug. Es ist schade, gehört Bale doch zweifellos zu den besten Schauspielern seiner Altersklasse.

Kommen wir zum größten Kritikpunkt des Films und der hat einen Namen: Harvey "Two-Face" Dent. Seine Geschichte nimmt gut ein Drittel des Films ein; er gehört mit zum Showdown und ist ein essentieller Bestandteil der Geschichte. Das Problem: dieser Teil der Geschichte will einfach nicht so gut funktionieren wie der von Batman und dem Joker. Es fängt schon mit seiner Präsenz als Anwalt an, die nicht so recht hinhaut. Er ist gut, aber keineswegs der eindrucksvolle Mann vor dem ganz Gotham den Hut ziehen könnte. In Thank you for Smoking war er als aalglatter Verteidiger messerscharf, doch in Dark Knight kann er daran nicht anschließen. Was auch nicht klappt ist seine Chemie mit Rachel Dawes (Maggie Gyllenhaal). Ist zwischen Maggie und Bale deutliche Sympathie bemerkbar, bleibt es zwischen ihr und Eckhart kalt - keinen Moment glaubt man, dass diese beiden ehrliche Gefühle füreinander haben.

Technisch ist der Film von vorn bis hinten erstklassig inszeniert, in vielen tollen Panoramabildern und mit aufregender Action-FX. Es hakt allerdings bei Two-Face, der nach seinem Unfall im letzten Drittel des Films in einem Krankenhaus erwacht und schließlich mit neuem Antlitz offenbahrt wird. Konzeptionell ist seine Verletzung sehr gelungen, die bis auf den Schädelknochen geht und ihn so grausam entstellt, dass man den Anblick theoretisch kaum ertragen könnte. Das Problem ist aber, dass die digitale Umsetzung von seinem Gesicht (solch tiefen Haut- und Muskelverlust hätte man mit Make-Up nicht machen können) nicht echt genug aussieht. Sie sieht aus wie eine leicht verbesserte Fassung von dem Hautverlust in Hollow Man oder der Mumie in deren ersten Film, aber wie man es auch dreht, man wird nicht genügend getäuscht. Es sieht einfach nicht hundertprozentig echt aus und das stört ganz ungemein.

Dazu kommt, dass Eckhart und Nolan es nicht schaffen, die gespaltene Persönlichkeit von Dent eindeutig rüberzubringen. Es gibt zwar kleinere Momente in denen Dent mal lauter wird, aber für keinen Moment glaubt man, dass in diesem Mann zwei Seelen oder zwei Gewissen hausen. Sein Anwenden unerlaubter Methoden zum Klären von Fällen ist auch nicht so interessant wie man es sich wünschen würde. Als Two-Face ist er dann auch nur noch grob, wirkt aber so leider nicht bedrohlich. Eckhart kann in diesen Momenten nicht überzeugen und fällt weit hinter dem Joker zurück, den man sich schnell wieder herbei wünscht.

Besser wäre hier gewesen, die Verletzung weniger schlimm zu gestalten, so dass man sie mit Make-Up hinbekommen hätte und sie realistisch ausgesehen hätte; sowie schlicht andere Besetzung der Rolle.

Ein weiterer Schwachpunkt ist Scarecrows Szene. In einer kurzen Kampfszene besiegt Batman ihn und seine Schurken, wobei Scarecrow allenfalls 2 Minuten zu sehen ist und nur lieblos Sätze spendiert bekommt. Konnte Cillian Murphy in Batman Begins viel aus dem verrückten Angstprofessor Crane herausholen, ist sein Auftritt hier eher sehr enttäuschend. Cameos von bekannten Figuren sind immer nett, aber dann müssen sie berechtigt gut sein oder als nette Winks an die Fans funktionieren: dieser Auftritt hätte ruhig im Schnittraum bleiben können.

Loben kann man allerdings Morgan Freeman, Gary Oldman und Michael Caine, die sich nahtlos miteinreihen und jeweils ein paar neue gute Szenen bekommen. Insbesondere Freeman ist nicht schlecht, der Batman in einem entscheidenen Moment darauf hinweist, dass er um die Bösen zu bekämpfen nicht selbst zu einem solchen werden darf. Gyllenhaal (wer sie nicht kennt, Secretay schauen) bekommt leider nicht viel zu tun, spielt aber gut gegen Bale und verleiht der Figur Wärme und Herzhaftigkeit, was Katie Holmes im ersten ja nicht wirklich gemacht hat. Man wünschte, Gyllenhaal hätte Rachel auch schon im ersten gespielt.

Was Nolan mit The Dark Knight abliefert, wird Maßstäbe setzen. Nie zuvor hat man reines Comic-Material derart ernst und ernstzunehmend und anspruchsvoll umgesetzt, sodass man in Zukunft nicht mehr belächelnd über alle Filme des Genres sprechen kann - zumindest nicht über diesen, denn es ist ein astreiner Crime-Thriller vom Feinsten.

Während es im Film selbst keine Andeutungen hinsichtlich eines Gegners für einen dritten Teil gibt, so ist der Endmoment doch sehr zweiseitig. Zum einen
ist es ein interessanter Ausgangspunkt für eine neue Geschichte, könnte andererseits aber auch in schöner Schlussstrich sein.

BG Kritiken zu Batman Filmen:
Batman (1989)
Batmans Rückkehr (1992)
Batman Forever (1995)
Batman and Robin (1997)
Batman Begins (2005)
The Dark Knight (2008)
The Dark Knight Rises (2012)
Batman v Superman - Dawn of Justice (2016)

Fazit:

The Dark Knight ist eine hervorragende Weiterentwicklung des neuen Batmans, mit einem herausragenden Joker und einer astreinen Regie von Christopher Nolan.

10 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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