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KRITIK:

THE DESCENT II
Die Jagd geht weiter


von Christian Mester

THE DESCENT PART II (2010)
Regie: Jon Harris
Cast: Saundra McDonald, Natalie Mendoza

Story:
Nachdem Sarah (Shauna McDonald) den Höhlenkreaturen nur knapp entkommen konnte, muss sie kurz darauf wieder hinab. Ein Sheriff glaubt ihr nicht und zwingt sie, mit einer kleinen Gruppe von Helfern nach ihren verschollenen Freundinnen zu suchen…

Neil Marshall stand im Gespräch, ein Remake von
DIE KLAPPERSCHLANGE zu inszenieren

Kritik:
„The Descent – Abgrund des Gtrauens“ erschien 2005 und war damals eine außerordentlich effektive Überraschung (8/10). Der schonungslos gruselige, britische Höhlenschocker von Neil Marshall („Doomsday - Tag der Rache“) steckte den fast zehnmal so teuren, thematisch gleichen US-Streifen „The Cave“ (ebenfalls 2005) mit gnadenlos klaustrophobischer Spannung beachtlich in die Tasche. Marshall etablierte sich im Nu als interessantes Jungtalent (sein „Dog Soldiers“ war bereits gut angekommen, sein nächster, "Centurion" wird mit Spannung erwartet) und auch die komplett weibliche Besetzung war so überzeugend, dass man sich in den verzweigten Höhlensystemen liebend gern mit ihnen fürchten ließ.

„The Descent II“ sollte dann eigentlich rasch hinterher kommen, doch da Marshall mit zahlreichen anderen Ideen beschäftigt war, entschied man sich dazu, die Regie einem Neuling zu übergeben: Jon Harris. Harris gehört zu einem Team neuer britischer Filmemacher, die sich gegenseitig helfen – Harris war Cutter an Filmen wie dem guten „Eden Lake“; dessen Regisseur James Watkins schrieb an „The Descent II“ mit. J. Blakeson half ebenfalls das Script auszubessern und drehte danach „The Disappearence of Alice Creed“, der 2010 zu den interessantesten Geheimtipps des Jahres gehört.

Keine einzige Indoor Szene beider Filme wurde in echten Höhlen gedreht;
alles sind Sets

Harris versucht in seinem Sequel gar nicht erst, neue Seiten zu schreiben und kopiert den ersten Film so schamlos, dass man beinahe von einem Remake sprechen kann. Die neuen Elemente in Form neuen Bodycounts erweisen sich als nur schwacher Ersatz für die Mädels des ersten Films, was das gesamte weitere Geschehen maßgeblich beeinträchtigt.

Da es oberflächliche, unsympathische Figuren sind, die nicht auf das vertrackte Freundinnen-Geflecht des ersten Films zurückgreifen können, ist es einem mehr oder minder egal, ob sie den Crawlern zum Fraß vorgeworfen werden. Die Idiotie, nach dem Erlebten der letzten Todesjagd direkt und unbewaffnet wieder in die Höhlen herab zu steigen, will sich nicht erklären. Da es der Film verfehlt, dass man um die Hauptfiguren bibbert, liegt der Fokus auf den schaurigen, erhofft unterhaltsamen Spaß des Zehn-kleine-Negerlein Prinzips
.

Inhaltlich passiert dasselbe: man klettert durch dunkle Gänge, teilt sich auf und wird nach und nach von den kalkweißen Lochgollums gejagt. Dass das nie besonders spannend wird, liegt nicht nur an dem neuen Festbankett, sondern auch an fehlender Stärke in der Regie. Harris, der mit „Kick-Ass“ einen der bislang besten Filme des Jahres cutten durfte und eigentlich auch hauptberuflich Cutter ist, hat kein eigenes Gefühl für Spannung und lässt die neuen Höhlensysteme vor allem weniger atmosphärisch wirken. „The Descent II“ ist ein wesentlich hellerer Film als der beängstigend düstere Vorgänger. Der neue Ableger versucht sich an neuem Gemetzel, doch der Überlebenskampf ist ein tumbes Gehacke zweier gleichgültiger Parteien. Dass es im Film eine prominente Crawler-Toilettenszene gibt, in der die Figuren wortwörtlich bis zum Hals in der "Scheiße" sitzen, macht es nicht unbedingt besser, veranschaulicht das vertane Potenzial aber ironischerweise sehr genau.

Der zweite Abgrund versucht sich gegen Ende erneut an einem überraschenden Twist, doch dieser macht nicht nur wenig Sinn, er will im Rahmen der Handlung auch nicht wirken. Man merkt, dass man eine Wende nur des Prinzips wegen im Film haben wollte, doch die angestrengte Überraschung ist überraschend nichts sagend. „The Descent II“ will emotional besonders tief treffen, fällt aber zuvor selbst zu tief. Technisch halbwegs moderat und auf gutem DVD-Niveau inszeniert, lässt sich eine Empfehlung zumindest für stark gesenkte Erwartungen aussprechen. Die direkte DVD-Veröffentlichung ist vollkommen gerechtfertigt gewesen.

Fazit:
Diese Jagd geht nur halbherzig weiter. Teil 2 der unheimlichen Höhlenkletterei wiederholt das Konzept des Vorgängers ohne eigene Ideen, verläuft sich in Talentlöchern und stürzt niemals wieder gesehen in ungeahnte Tiefen. Regisseur Harris zeigt, dass er kein besonders guter Regisseur - und Neil Marshall beim ersten ein wesentlich besserer war. Wer interessiert war, senkt seine Erwartungen oder wartet besser gleich auf den kommenden Höhlentaucherfilm „Sanctum“. Mit zugedrückten Augen

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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