BG Kritik:

The Equalizer


von Michael Eßmann

The Equalizer (USA, 2014)
Regisseur: Antoine Fuqua
Cast: Denzel Washington, Chloë Grace Moretz, Marton Csokas

Story:
Eigentlich hatte er seine düstere Vergangenheit hinter sich gelassen, doch als ein junges Mädchen in Gefahr russischer Gangster gerät, greift Baumarktangestellter McCall zu seinen alten Talenten...

Basierend auf der gleichnamigen Fernsehserie.

Sollte der Equalizer gut genug laufen, gibts Sequels


Mit „Training Day“ schrieben Regisseur Antoine Fuqua und Hauptdarsteller Denzel Washington in 2001 gemeinsam Filmgeschichte, und für Washington gab es gar den Oscar als bester Hauptdarsteller. Nun, nach Jahren der Trennung und Filmen wie „Tränen der Sonne“, „Shooter“ und zuletzt „Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr“ holte sich Regisseur Fuqua seinen Star zurück. Oder eigentlich war es genau umgekehrt, denn Washington war bereits seit Jahren an Bord der 80er Jahre TV-Serienadaption, bevor nach etlichen Wechseln in der Regie (u.a. „Drive“-Regisseur Nicolas Winding Refn) eben Fuqua an Bord kam. Nach ihrem „Training Day“ machen sich Antoine Fuqua und Denzel Washington nun also zum zweiten Mal gemeinsam an die Arbeit. Aber kann man auch erneut in einem Action-Thriller überzeugen?

Bevor es mit der Action allerdings soweit ist, wird dem Zuschauer erstmal Robert McCall (Denzel Washington) näher gebracht. Antoine Fuqua startet hierbei sehr langsam, ja fast gemächlich in die Geschichte, und zeigt Robert McCall als einen durch und durch organisierten, peniblen und netter Kerl in seinen 50ern, der die auf den ersten Blick merkwürdige Angewohnheit hat, alltägliche Dinge wie die benötigte Zeit zum Rasieren oder beim Zubereiten des Frühstücks-Shakes mitzustoppen, und allem Anschein nach auf ihre Effizienz zu überprüfen. McCall erscheint gut und glücklich in seinem Job im Baummarkt, ist bei seinen Kollegen beliebt, spielt im Softball-Team mit… ist aber auch ein Mann, den ein Geheimnis umgibt. Das merken nicht nur seine Arbeitskollegen, - welche ihn immer wieder fragen und rätseln, was er früher so getan hat - sondern alsbald auch der Zuschauer und im Besonderen diverse Gangster in der Stadt. Sie alle stellen gar gemeinsame Fragen: Wer ist Robert McCall? Und was hat jener McCall früher so getrieben? Durch den langsamen, und ebenso eine Atmosphäre schaffenden Auftakt, sind die ersten gut 30 Minuten weder mit Blei noch Blut gefüllt, und gar klar dem Drama zuzuordnen. Der „Training Day“-Regisseur nimmt sich hier die notwendige Zeit die aktuelle Welt und die Figuren im Umfeld von McCall aufzuzeigen, um dann später darauf zurück greifen zu können. Langweilig ist dieser langsame Start aber erstaunlicherweise nicht, da die Figuren und das Umfeld funktionieren, zumeist auch genug Tiefen haben, und gut in Szene gesetzt wurden. Allen voran natürlich Denzel Washington, dessen McCall nach getaner Arbeit allabendlich im selben 24/7 Diner sitzt, um bei einem Tee ein gutes Buch zu lesen. Hier freundet er sich langsam mit der minderjährigen Prostituierten Teri an – gespielt von Chloë Moretz deren Rolle aber eher klein ausfällt, und dann lange fern bleibt. Als diese von ihrem Zuhälter bis auf die Intensivstation geprügelt wird, beschließt Robert den Schläger aufzusuchen, und die Sache gütlich zu klären. Der Versuch Teri freizukaufen schlägt fehl, also zückt er erneut seine Stoppuhr und greift auf alte, in ihm schlummernde Fähigkeiten zurück, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Ein Raum voller Leichen ist die Folge.

Washington gewann den Oscar für seine Training Day Zusammenarbeit mit Fuqua


Was Robert McCall für eine Vergangenheit hat, dürfte wirklich jedem Action-Film Zuschauer (spätestens) von jener ersten Präsentation seiner Fähigkeiten an ersichtlich sein. Denn auch wenn lange nicht im Detail benannt, sollte klar sein, woher der Wind weht. Fuqua und Drehbuchautor Richard Wenk („The Mechanic“, „The Expendables 2“) machen sich aber offenkundig einen Spaß daraus die Vergangenheit nebulös zu halten, was auch gut zur Aura des Helden beiträgt. Da der Zuhälter samt Anhang allerdings für die Russen-Mafia tätig war, - und die Bratwa keinen Spaß versteht, wenn der Geldfluss gestoppt wird, und ihre Leute in blutigen Massakern sterben - beginnt die Schlacht für McCall gerade erst. Ein klarer Schwachpunkt liegt leider in jenem nun auftretenden russischen Antagonisten. Denn Marton Csokas macht als hauptberuflicher Problemlöser der Russischen Mafia zwar keinen schlechten Job, bleibt aber trotz eingeschobener Hintergrundgeschichte deutlich zu blass, um denkwürdig oder auch nur ebenbürtig zu sein. Hier hätte es eines Kalibers wie Viggo Mortensen in „Tödliche Versprechen - Eastern Promises“ bedurft, um einem Washington die Stirn zu bieten, welcher seinen Robert McCall einfach zu gut und auch glaubhaft spielt. Denn Washington vermag es einmal mehr, dem eigentlich wandelnden Klischee McCall Leben und Authentizität einzuhauchen. Und das scheinbar spielend leicht, man mag es kaum wagen, an ihm und seinen Taten zu zweifeln. Auch wenn diese natürlich ab und an weder gänzlich moralisch noch im Ansatz vor dem Gesetz zu vertreten sind. Dass es insgesamt so gut funktioniert, ist vor allem der hervorragenden Regie und einem abermals großartig aufgelegtem Denzel Washington zu verdanken, in dessen Augen man das Eis beinahe sehen kann, so cool und abgebrüht ist sein Robert McCall immer dann wenn es drauf ankommt. Er ist aber auch ein guter Kerl mit schattiger Vergangenheit, - unter welcher er offensichtlich leidet und welche ihn nicht schlafen und zur Ruhe kommen lässt - der nun eingreift, als niemand anderes dazu willens oder fähig ist.

Warum McCall ausgerechnet jetzt wieder zuschlägt, mag vordergründig lediglich zweckdienlich sein, erscheint aus seinem Blickwinkel betrachtet auch sinnig, denn das Drehbuch spielt hier auf angenehme Weise mit Parallelen zu den Büchern, welche McCall allabendlich las, während er sich mit der jungen Prostituierten Teri unterhielt. Er ist der alte Mann und er ist der Ritter ohne Furcht und Tadel, in einer Welt, in der es keine Ritter mehr gibt. Bestätigend greift „The Equalizer“ dann inhaltlich auch ein eingangs eingeblendetes Zitat von Mark Twain wieder auf, welcher da sprach: „Die zwei bedeutendsten Tage in deinem Leben sind der Tag an dem du geboren wurdest, und der Tag an dem du herausfindest, warum.“ Denn kurzum ist es genau das, was Washingtons Figur in der Film-Handlung erfährt: seine Bestimmung. Diese akzeptierend, findet er seinen Platz in der Welt, und wird als 1 Mann „A-Team“ so zum Rächer der Unschuldigen und zum „Punisher“ für all jene, welche keine Besserung geloben. Denn die Chance darauf bietet ihnen McCall und nur wer dies ausschlägt, bekommt es völlig mit ihm zu tun. Das muss man nicht zwangsläufig gutheißen, aber als Aufhänger für den Film funktioniert dies gut, und für McCall scheint es auch absolut plausibel, dass die doch noch sehr oberflächliche und gerade erst aufkeimende Freundschaft zur Teri, als der sprichwörtliche Tropfen wirkt, welcher hier etwas in Gang setzt.

Das Story-Konstrukt rund um die Action und Aura des Helden ist ok und zweckmäßig, bietet gelegentliche Schlenker, verbleibt aber ab einem gewissen Punkt sehr geradlinig bis grob vorhersehbar und ohne Innovationen. Auch spart sich Fuqua den einen oder anderen sehr Leerbuch-mäßigen Moment nicht und Szenen voller Klischees gibt es ebenso. Richtig störend wirkt dies aber nicht, vor allem, weil die Geschichte mit einem guten Vortrieb erzählt wird. Wo die Geschichte ohne nennenswerte Neuerungen daher kommt, und der Bösewicht mehr Pfeffer gebrauchen könnte, sieht das bei den Kills schon anders aus. Denn die Tötungs- und Action-Szenen sind hierbei erstaunlich innovativ, abwechslungsreich, ja sogar kreativ und vielfältig in Szene gesetzt und ausgefallen. Schusswaffen kann jeder, und so wird bei McCall alles Greifbare zur Waffe, und auch schon mal das halbe Baumarktsortiment durchgegangen, und Blut spritzt nicht nur einmal. Die FSK 16 Freigabe ist mehr als verdient, und es macht Spaß bei zuzusehen, wie Robert sich mit Taktik und Finesse durch ganze Trupps von mit Sturmgewehren bewaffneten Killern kämpft. Washingtons McCall ist hierbei zwar so tödlich wie der „Terminator“, aber ganz und gar nicht so unkaputtbar. Fuqua lässt seinen Helden also bluten und leiden, und trotz übermenschlich erscheinender kämpferischer Finesse, jederzeit sterblich wirken. Dementsprechend geplant geht McCall hier auch zu Werke, arbeitet mit allem Tricks und nutzt sowohl seine Umgebung, als auch seinen Verstand als Waffen. Dabei vollkommen abgeklärt, ohne die Spur eines Zögerns in den Augen, und methodisch zuschlagend, steckt Washington seine Feinde nieder. Denn bevor es zum Kampf kommt, analysiert der „Held“ zuerst die Szenerie. Inszenatorisch erinnert dies phasenweise an die zuvor im Kopf durchgeplante und dem Zuschauer präsentierte Kampftaktik, welche bereits der Robert Downey Jr. „Holmes“ vormachte. Sind die Kämpfe dann mal gestartet, lässt (wie so oft) ein „96 Hours“ grüßen, denn die Action und Kampfeinlagen sind von ähnlicher Härte und Inszenierung geprägt, und wer gute Mann gegen Mann (oder gar Männer) Action sucht, wird hier fündig. Wer dagegen auch die eine oder andere Verfolgungsszene per PKW und große Schießereien sucht, dürfte eher enttäuscht sein. Denn hier geht es tatsächlich vornehmlich um die Mann gegen Mann-Action, bei der alles zur tödlichen Waffe umfunktioniert und gekonnt eingesetzt wird. Hierbei herrscht ein guter, gefühlter Realismus vor, der auch bis auf eine Klischee-überladene Held vor riesiger Slow Motion-Explosion konsequent durchgezogen wird, und somit nur kurz ad acta gelegt wird. Die Szene ist toll eingefangen, stilistisch ungemein schick, passt aber so gar nicht zum Rest des Films, der danach auch wieder zurückschwenkt. Bravourös gekrönt von einem vor Coolness strotzendem und musikalisch toll unterlegtem Finale, mit Denzel allein zu Haus, hat „The Equalizer“ bei seinen 131 Minuten Laufzeit zwar ab und an ein bisschen Leerlauf, aber mit diesem nicht groß zu kämpfen. Stattdessen schlägt Denzel lieber die Bösen tot, und das sehr gekonnt.

Fazit:

Das Dream-Team hinter „Training Day“ hat hier erneut einen mehr als guten Film abgeliefert, welcher sich vor der aktuellen Genre-Konkurrenz nicht zu verstecken braucht, da er gar ziemlich weit oben mitspielt. „The Equalizer“ ist ein geradliniger, exzellenter und knackiger Rache und Action-Thriller mit phasenweise erstaunlich viel Tiefgang und einem großartigen Denzel Washington. Bonus: Bill Pullman mal wieder im Kino, auch wenn dessen Rolle sehr klein ausfällt.

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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