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Kritik:
The Fighter


von Christian Mester

THE FIGHTER (2011)
Regie: David O Russell
Darsteller: Mark Wahlberg, Christian Bale

Story:
In ihrem kleinen Stadtteil kennt und liebt sie jeder: die Brüder Micky Ward (Mark Wahlberg) und Dicky Eklund (Christian Bale). Dicky hat eine Boxkarriere hinter sich, in der er es vollbrachte, den berühmten Boxer Sugar Ray Leonard zu Fall zu bringen. Eine Karriere, die noch immer gefeiert wird, obwohl Dicky längst zum mittellosen Drogenabhängigen verkommen ist und nie wieder Aussicht auf einen professionellen Kampf hat. 

Ein Schatten, aus dem sein jüngerer Bruder Micky nicht heraustreten kann, da er ebenfalls Profiboxer werden will. Aufgrund inkompetenten Managements durch seine Familie erhält er immer wieder unfaire Kämpfe, in denen er zum wehrlosen Punching Ball und Sprungbrett anderer Talente wird. Kurz bevor er droht zu alt zu werden, bringt ihn seine Freundin (Amy Adams) schließlich dazu, sich seinem stärksten Gegner zu stellen – seiner eigenen Familie.

Kritik:
An die Produktion des Boxfilms "The Fighter" wird sich Mark Wahlberg wohl für den Rest seines Lebens erinnern. Nicht nur, dass der Film anschließend reihenweise mit Lob und Nominierungen überschüttet wurde und dazu noch erfolgreich lief, gestalteten sich die Vorbereitungen auf den Film als verzwickter Albtraum. Der Film sollte eigentlich schon 2005 gedreht werden, verschob sich jedoch immer wieder aufgrund ständig fehlender Filmemacher und Co-Stars, weswegen Wahlberg gezwungen war, jahrelang die Statur eines Profiboxers zu behalten. 

Andere Mühen musste Co-Star Christian Bale aufbringen, der sich nach seiner Rolle als muskulöser Batman in "The Dark Knight" auf die fragile Figur eines Drogenabhängigen herunterhungern musste. Eine Folter, die er zuvor bereits für den Kriegsfilm "Rescue Dawn", und sogar noch extremer für das kleine Drama "Der Maschinist" durchlaufen hatte. Dazu kam, dass ausgerechnet David O. Russell hinter der Kamera stand, einer der schwierigsten Regisseure, der für seine Wutausbrüche und exzentrischen Forderungen berüchtigt ist. Wahlberg hatte sich mit ihm bereits durch "Three Kings" gequält, bei dem Russell sich mit George Clooney schlug, sowie durch "I Heart Huckabees", in dem Russell Dustin Hoffman bis aufs Blut beleidigte.

"Rocky" 1 – 6, "Million Dollar Baby", "The Boxer" oder auch "Wie ein wilder Stier" – es steht außer Frage, dass Boxdramen oftmals gute Filme abgeben und dementsprechend große Beliebtheit erzielen; das, obwohl sie fast immer dasselbe Muster durchlaufen. Ein junges Talent setzt sich gegen alle Widrigkeiten durch, trainiert diszipliniert in motivierenden Trainings-Montagen und stellt sich anschließend einem spektakulären Endkampf, den er zumindest als Sieger der Herzen abschließt. "The Fighter" bedient sich dieser Vorlage und bringt selbst keine großen Innovationen auf. Das muss er jedoch auch nicht, da er das Thema wie jedes gute Boxdrama ausreichend variiert und es auf hervorragende Weise umsetzt. Wie in jedem Genre-Kollegen gibt es auch hier Trainingseinheiten und Kämpfe, die Regisseur David O. Russell effektiv inszeniert. Wenn Ward frühmorgens im grauen Jogginganzug verschwitzt und schwer atmend durch die Stadt läuft, muss man unweigerlich an Rocky Balboa aus Philadelphia denken. Hier stellt sich erneut der altbekannte Begeisterungseffekt ein, da man dadurch selbst am liebsten aufspringen und gleich mittrainieren würde – auch wenn die begleitende Musik gut, aber nicht ganz so kultverdächtig wie in den klassischen Stallones ausfällt. Die Kämpfe sind indes auf real getrimmt – hier gibt es keine minutenlangen Jabs ins Gesicht, die man mit einem Schulterzucken wegsteckt. Obgleich Russell nur kurze Zeit mit den Kämpfen verbringt, fallen sie stets packend aus.. 

Der Schwerpunkt des Films liegt letztendlich nicht auf dem Boxen an sich, sondern auf Boxer Micky und seinem Draht zu seinem Team. Hier punktet "The Fighter" auf der ganzen Linie, denn die vertrackte Familiengeschichte der Wards offenbart sich als exzellentes Charakterdrama mit erstklassigen Darstellern. Den größten Eindruck hinterlässt fraglos Batman-Darsteller Christian Bale, der einen völlig heruntergekommenen Crack-Junkie spielen muss, diesen jedoch so sympatisch macht, dass man direkt nachvollziehen kann, wieso alle in der Illusion leben, er sei noch ganz oben und seine Zukunft vielversprechend. Dazu kommt die Mutter der Familie, Melissa Leo, die als herrische Tyrannin ungewollt engstirnig als größtes Hindernis ihrer Söhne agiert. Ihnen gegenüber steht nun Micky, den Wahlberg als zurückhaltenden, schon fast schüchternen Mann spielt, der sich nur geringfügig gegen seine geballte Familie durchsetzen kann. Bis auf ihn sind alle Darsteller exzellent und bekommen alle emotionale Momente, doch Wahlberg selbst bleibt zu passiv, zu verhalten. Man sieht ihm zwar an, dass er zweifellos als Profiboxer durchgehen würde, doch darstellerisch kann er mit seinen Co-Stars nicht mithalten. 

Die Geschichte der Familie entwickelt sich auf interessante und nicht immer absehbare Weise, da ein späterer Konflikt mit Gefängnisaufenthalt und Trainerwechsel nicht die Wege einschlägt, die man von gewöhnlichen Dramen vermuten würde. Russell schafft es dabei, viele eingebrachte Themen nicht zu schlechten Klischees verkommen zu lassen. So gibt es keinen mahnenden Zeigefinger über Dickys Drogenmissbrauch, keine aufgesetzte Romanze zwischen Micky und seiner Freundin und auch keine kitschige Auseinandersetzung mit der Familie. Stattdessen löst Russell all dies glaubhafter und emotionaler, indem er nicht selbst darauf hinweist, sondern dies durch seine Schauspieler transportiert. Anstatt Dickys Drogenmissbrauch in Bildern zu lösen lässt er Bale in seiner großartigen Rolle selbst auf seine Mängel stoßen, wodurch es wesentlich wirkungsvoller ausfällt und auch bewegender in Szene gesetzt wird. Ähnliches lässt sich abschließend über den gesamten Film sagen, der eigentlich reines Klischee-Programm bieten müsste, dafür aber von meisterlichen Talenten gekonnt umgesetzt ist.

Fazit:
"The Fighter" ist eine hervorragende Mischung aus bewegendem Familiendrama und spannendem Boxfilm, die zwar keine wirklichen Neuerungen mit sich bringt, dafür aber sensationell gut gespielt und inszeniert ist. Sofern man die große Referenz der "Rockys" mag, sollte man "The Fighter" gesehen haben.

8 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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