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Kritik:
The Green Hornet


von Christian Mester

THE GREEN HORNET (2010)
Regie: Michel Gondry
Cast: Seth Rogen, Jay Chou

Story:
Der junge Millionärssohn Britt Reid (Seth Rogen) lebt das rücksichtslose Leben eines Party-Playboys, bis er eines Tages vom plötzlichen Tode seines reichen Vaters (Tom Wilkinson) erfährt. Bestürzt bricht für ihn eine Welt zusammen. Alles ändert sich, als er den mysteriösen Mechaniker Kato (Jay Chou) kennen lernt. Kato ist ein gewiefter Martial-Arts-Künstler, ein erstklassiger Ingenieur und grandioser Kaffeekocher, mit dem Britt ein spontanes Hirngespinst realisiert: er will zur Green Hornet werden, einem maskierter Kämpfer für Recht und Ordnung.

Nachdem ihm Kato diverse Kampftechniken beigebracht und ein beeindruckendes Spezialfahrzeug namens Black Beauty zusammen getüftelt hat, gehen sie erfolgreich auf gemeinsame Gangster-jagd. Ein Dorn im Auge des gefährlichen Unterweltbosses Benjamin Chudnofsky (Christoph Waltz), der die lästige Hornisse so bald wie möglich zerquetscht sehen will.

Kritik:
Ein Mann verkleidet sich im Zeichen eines Tieres und hält Kriminelle mit Kung-Fu und seinem vor Waffen strotzenden Wagen in Schach? Das klingt in erster Linie nach Batman, allerdings läge man falsch darin, "The Green Hornet" als dreiste Nachmache der Fledermaus zu titulieren. In der Tat ist die Figur, die erstmals 1936 in einem Radioprogramm auftrat, sogar drei Jahre älter als der beliebte Fledermausmann und damit einer der ältesten bekannten Superhelden. Die wohl prominenteste Umsetzung der Figur gab es in den 70er Jahren, als man eine kurzlebige Serie für das US-Fernsehen entwickelte. Green Hornets Mitstreiter Kato wurde dabei von einem damals noch unbekannten Bruce Lee gespielt, der schnell zum heimlichen Star der Serie wurde und den Bekanntheitsgrad der grünen Hornisse maßgeblich vergrößerte.

Danach war es lange Jahre still um die grüne Hornisse, bis sich Comedy-Star Seth Rogen ("Beim ersten Mal", "Zack and Miri make a Porno") als Autor, Produzent und Hauptdarsteller einer Neuauflage widmete. Um die Rolle des Actionhelden glaubhaft spielen zu können, nahm er 15 kg ab und verlor damit sein bisher etabliertes Teddy-Bären-Image für romantische Komödien. Bei der Besetzung des Films entschied er sich für eine eher ungewöhnliche Kollegenauswahl. So spielt die zehn Jahre ältere Cameron Diaz seine mögliche Freundin, der im Westen unbekannte asiatische J-Pop Star Jay Chou seinen Partner und "Inglourious Basterds" Oscar Gewinner Christoph Waltz den Bösewicht. Weil das noch nicht skurril genug wäre, ließ er den Film von dem französischen Avantgarde-Künstler Michel Gondry drehen, der mit Action für gewöhnlich so gar nichts am Hut hat.

Ganz gleich, ob man die Hintergründe der grünen Hornisse nun schon kannte oder nicht, hinterließen die Trailer zum Film im Vorfeld fast alle dieselbe Wirkung. Die Action darin sah zwar recht unterhaltsam aus, allerdings wirkte das Gezeigte dejavu-haft, als hätte man alles bereits zur Genüge gesehen. Ein Mann, der eines Tages zur Maske greift und Verbrecher jagt? Ein fieser Bösewicht, den er sich zum Gegenspieler macht und eine attraktive Frau, die zur Freundin wird? "The Green Hornet" bietet diesbezüglich in der Tat nichts Neues. Hat man ein paar der Superheldenfilme der letzten Jahre gesehen, erinnert fast jede einzelne Szene des Helden-Werdegangs an eine vergleichbare aus einem bereits bekannten, und zumeist auch besseren Film.

Obwohl die Mechanismen und Strukturen dieselben sind wie immer, funktioniert "The Green Hornet" jedoch in erster Linie als leichte Buddy-Komödie. Wie in der alten Bruce Lee Serie ist es auch wieder die Figur Kato, die alle Blicke auf sich zieht und die besten Szenen bekommt. In den Kampfszenen überzeugt Jay Chou mit netten Choreographien, während er als Partner des wenig sympathischen Britt immer zur Stelle ist, um sich über die Idiotie des Helden lustig zu machen. In der Hinsicht fühlt man sich leicht an die "Rush Hour" Filme erinnert, die ähnlich aufgebaut sind, auch wenn Chou natürlich nicht die Stunts eines Jackie Chan bieten kann. Seth Rogen wird in seiner Rolle nie so albern und redselig wie Chris Tucker, bleibt mit seiner relativ ernsten Darbietung aber hinter seinen Möglichkeiten zurück. Der Versuch, Reid bis zu einer späten Läuterung gezielt unsympathisch zu machen, macht es schwierig, ihn als angenehmen Helden zu empfinden. Ob Michel Gondry noch einen weiteren Mainstream-Versuch benötigt, bevor er endlich merkt, dass es nicht sein Metier ist? Nachdem er schon glücklos versuchte, die kleine Komödie "Abgedreht" mit Jack Black zum Comedy-Erfolg zu machen, merkt man auch hier wieder, dass der Künstler eigentlich für andere Filme gemacht ist. Der Franzose, der eigentlich durch interessante optische Spielereien und komplexe Erzählweisen in Filmen wie "Eternal Sunshine of the Spotless Mind" auffiel, beschränkt sich hier auf kleinere Effekte (in Kato-Vision sieht Kato in Zeitlupe sämtliche Waffen rot markiert - und kickt Gegner so feste aus dem Bild, dass sich dieses dehnt), die nicht weiter auffallen und eine lineare, simpel gestrickte Handlung, aus der er regietechnisch nicht viel machen kann.

"The Green Hornet" wird als modernes 3-D Spektakel beworben, ist in der Hinsicht aber eine Mogelpackung. Da der Film erst nachträglich ins 3-D Format übertragen wurde, ist der Effekt generell eher schwach und nicht mit dem aus "Avatar: Aufbuch nach Pandora" und "Resident Evil 4: Afterlife" zu vergleichen. Da es zudem oftmals längere Passagen ohne merkliche 3-D Effekte gibt, sollte man sich den 3-D Aufpreis nach Möglichkeit am besten sparen (und in zwei Wochen für "Tron: Legacy" bereit halten).

Wo es summst, sticht es auch manchmal und leider trifft das in diesem Fall einmal das schöne Geschlecht. Cameron Diaz bemüht sich zwar in ihrer weiblichen Hauptrolle, ist aber letzten Endes überflüssig, da ihre Figur keinen Belang für den Film hat. Sie scheint nur hinein geschrieben, damit Britt (übrigens Kurzform für Britton, nicht für Britney) auf Biegen und Brechen eine mögliche Freundin bekommen kann und es eine weibliche Aktrice im Film gibt. Als Sekretärin im Dress erinnert sie an Gwyneth Paltrow aus den Iron Man Filmen, kommt dabei aber kaum zum Zuge und stört jede einzelne Szene. Ähnlich unnütz ist der Deutsche Christoph Waltz, der mit seiner einsilbrigen Performance als Bösewicht nicht im Traum daran denken ließe, dass er bereits einen Oscar sein Eigen nennt. Sein Chudnofsky hat nicht den Hauch der soziopathischen Gerissenheit und Instabilität seines Hans Landa aus "Inglourious Basterds" und ist ein Bösewicht aus dem 0815-Musterbuch. Er ist eigentlich nur dafür da, seine unfähigen Mitarbeiter ins Feld zu schicken und der Frau des Helden wirkungslos zu drohen, nur um relativ spannungsarm erledigt zu werden. Mit seiner Performance erinnert er an die des Deutschen Thomas Kretschmann aus dem Nicolas Cage Actionfilm "Next". Interessanterweise sollte die Rolle des Chudnofsky übrigens zunächst von Nicolas Cage selbst gespielt werden, bis Gondry ihn versetzte, da Cage unbedingt mit jamaikanischem Akzent spielen wollte. Das wäre wohl mitunter amüsanter geworden als Waltz gelangweiltes Herunterasseln typische Bösewichtsphrasen.

Fazit:
"The Green Hornet" ist eine nur mittelmäßige Zusammenstellung bekannter Superheldenklischees. Mag man die "Rush Hour" Filme, so wird man seinen Spaß an den Martial-Arts-Szenen und der Buddy-Dynamik der beiden Helden haben, doch wer sich großes Actionspektakel oder interessante neue Heldenfiguren erhofft, wird enttäuscht.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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