BG Kritik:

The Interview


von Daniel Schmitt

The Interview (USA 2014)
Regisseur: Evan Goldberg, Seth Rogen
Cast: Seth Rogen, James Franco, Randall Park, Lizzy Caplan

Story:
Produzent Aaron Rapaport und Moderator Dave Skylark haben eine erfolgreiche Talkshow, in welcher sich Prominente reihenweise seelisch entblößen. Aaron möchte aber mehr und endlich Qualitätsjournalismus produzieren. Da kommt Dave auf eine verhängnisvolle Idee: ein Interview mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un führen.

Die höchst kritische Komödie, höchst kritisch von einem Kritiker kritisiert.

Terroristen drohten mit Vergeltung, sollte der Film gezeigt werden


Seth Rogen und James Franco haben sicher mit negativer Kritik gerechnet, aber mit solchen Reaktionen haben die Köpfe hinter Filmen wie „Ananas Express“ und „Das ist das Ende“ sicher nicht gerechnet. Nach Drohungen von vermeidlichen nordkoreanischen Hackern wollte Sony den Film erst nicht veröffentlichen. Die Hacker legten Daten des Studios offen und produzierten Schaden in dreistelliger Millionenhöhe. Das alles für einen Film, der selbst unter besten Hochrechnungen gerade mal 100 Millionen eingespielt hätte. Die Rechnung ging nicht auf, besonders wenn man bedenkt, dass man einen internationalen Zwischenfall ausgelöst und Sony sich im eigenen Land unbeliebt gemacht hat, da die Meinungsfreiheit sich Gewaltandrohungen beugte. Man nutzt den Hype zur Schadenskontrolle, denn die mittlerweile aus Marketingsicht zu betrachtende nordkoreanisch-amerikanische Koproduktion erblickt nun doch das Licht der Welt. Nach einem „landesweiten“ Internetausfall in Nordkorea hat Sony nun endlich den Film in wenigen Kinos und online veröffentlicht. Was alles an dieser haarsträubenden Geschichte schlussendlich wahr ist, wird wohl so schnell nicht ans Licht kommen. Es würde aber womöglich einen besseren Film abgeben als „The Interview“. „The Interview – The True Story“, 2015? 2016?

Die Handlung von „The Interview“ ist schnell beschrieben und lange nicht so interessant wie das wahre Leben. Es ist auch nicht die Frage, ob die Handlung des Films tatsächlich provokant ist, das ist sie nämlich. Allerdings auch nicht provokanter als „Team America“ aus dem Jahre 2004 von den „South Park“ Machern, in welchem Kim Jon-uns Vater Kim Jong-Il zusammen mit Matt Damon als Handpuppen die Welt erobern wollte. Zwei amerikanische Reporter werden von der CIA gebeten, einen der schlimmsten Diktatoren der Welt umzubringen. Ein Plan, welcher aus amerikanischer Sicht natürlich absolut keine negativen Folgen nach sich ziehen kann. Schließlich ist es ja Amerika! „The Interview“ ist eine Parodie auf dreierlei Themen: Auf die amerikanischen Medien, auf die amerikanische Außenpolitik und natürlich auf Nordkorea. Dabei folgt sie den üblichen Weg von Goldberg und Rogen zur absoluten Eskalation. Im eigentlichen kein schlechtes Konzept, aber in der Durchführung mangelhaft. Der Humor ist natürlich vorhanden, und dieser nicht zu knapp, aber nicht alle Gags zünden und mehr hat der Film nun mal nicht zu bieten. Zudem sind die schauspielerischen Leistungen eine Sache für sich. James Francos als Moderator ist viel zu überspitzt. Seine Verkörperung des überdrehten, beinahe krankhaft naiven Moderators kratzt an der Grenze des erträglichen, während Seth Rogen eigentlich nur wieder sich selbst spielt. Dieses Mal ist er halt Journalist.

Nach erster Streichung einer weiten Veröffentlichung wurde der Film auf VOD und in ausgesuchten Kinos veröffentlicht


Beide verstehen aber trotzdem zu unterhalten, bieten allerdings aber auch nicht mehr viel Neues. Randall Park als Kim Jung-un ist durchaus akzeptabel, bleibt aber unter den Erwartungen. Hier fehlt jetzt der wahre Vergleichsmoment mit der Realität, aber wäre Kim Jong-Un ein James Bond Bösewicht in einer 007 Parodie, hätte Park ihn gut verkörpert. Es ist nun mal Satire -zumindest ist dies zu hoffen - und funktioniert für diesen Film, aber man merkt als Zuschauer, dass die Macher bei der Konstruktion des Plots ziemlich im Dunkeln tappten. Ähnlich wie der Rest der Welt mit Informationen über Nordkorea an sich. Oder wie Nordkoreaner bei Nacht. Eines ist aber absolut sicher: Die Komödie ist den ganzen Trubel überhaupt nicht wert. Aber es wäre auch naiv zu glauben, dass es nur noch um den Film ging. Es ging allen Seiten irgendwann nur noch um das Prinzip, um Geld, Stolz und Schadenskontrolle.

Der mittlerweile oft geäußerte Vergleich mit Chaplins „Der große Diktator“ ist hingegen nicht gerechtfertigt. Beide Filme handeln von größenwahnsinnigen Diktaturen, über welche es zu ihren jeweiligen Zeitpunkten wenige Informationen gegeben hat aber eigentlich haben die Filme inhaltlich überhaupt nichts gemeinsam, außer dass man über beide lachen kann. „Der große Diktator“ ist ein Meisterwerk, welches ebenfalls eine umstrittene Hintergrundgeschichte aufweist, gerade diese macht den eigentlichen Film aber auch wichtig und gerade mit dem Blick auf die Zustände in Nordkorea bedeutsam und aktueller den je. Bei „The Interview“ ist es aber gerade anders herum. Hier könnte man eine gelungene Komödie über die Geschehnisse hinter den Kulissen machen. Dabei würde man aber weniger lachen als heulen. „The Interview“ selbst wäre dafür aber gänzlich austauschbar. Unsere Welt ist verrückter als jedes Hollywooddrehbuch, diesen Tumult hätten sich nicht mal Rogen und Franco ausdenken können. Welche jetzt bestimmt wieder bei ihren Kiffer-Komödien bleiben. Da verbrennen sie sich höchstens die Finger am Feuerzeug.

Fazit:

Kim Jong-uns Werbekampagne zum Trotz muss man „The Interview“ als Film nüchtern betrachten. Es ist beim besten Willen kein Meisterwerk und hängt weit hinter den gedanklichen Vorgängern von Rogen und Goldberg zurück. Trotzdem ist es kein schlechter Film. Er hat durchaus seine Momente, amüsiert und füllt den Abend. Wer die bisherigen Filme mit James Franco und Seth Rogen mochte wird seinen Spaß haben, denn schlussendlich wurde der Film aus keinem anderen Grund gemacht. Er sollte keine Diktaturen stürzen und keine diplomatischen Zwischenfälle auslösen, er soll unterhalten und genau das gelingt ihm auch.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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