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Kritik:
The Last Stand


von Christian Mester

LAST STAND
(2012)
Regie: Kim Jee-woon
Cast: Arnold Schwarzenegger, Forest Withaker, Eduardo Noriega, Jaimie Alexander

Story:
Als Drogenbaron Cortez (Eduardo Noriega) ausbricht, sichert das FBI jede erdenkliche Grenze - was sie dabei nicht ahnen, ist dass er durch eine kleine Provinzstadt zu fliehen versucht, die eigentlich keinen Übergang nach Mexiko haben sollte. Gute Karten, wäre da nicht der ehemalige LA-Cop Sheriff Owens (Arnold Schwarzenegger), der nichts unversucht lässt, Cortez aufzuhalten...

Kritik:
Zehn Jahre saß er hinter einem Schreibtisch, putzte Klinken und versuchte Kalifornien ein wenig sonniger zu gestalten. Zehn markante lange Jahre, weil uns damit der größte aller Actionstars fehlte. Nun waren Collateral Damage, The 6th Day und auch End of Days schon fraglos nicht mehr von dem Kaliber das ihn einst in den Olymp gebracht hatte, doch für jeden Fan alter Actionschule boten auch diese Filme fraglos noch immer solide Unterhaltung - er war jederzeit gern gesehen, egal ob als Eraser, Mr. Freeze oder Terroristen aufstöbernder Feuerwehrmann Gordy.

Jetzt ist Arnold also wieder offiziell zurück, eine Dekade nach Terminator 3, um in einem neuen Actionfilm wieder die Hauptrolle zu geben. Kann er das überhaupt noch? Viele meinten, er hätte sich in seinem Büro wund gesessen, hätte Wampe angesetzt und stehe jetzt nur vor der Kamera, weil er nach seiner Scheidung neues Geld bräuchte - von wegen. Es ist vielleicht noch nicht ganz an der Zeit zu sagen dass Predator/Terminator/Phantom Commando Arnold wieder back ist, doch mag man seine alten Filme, muss man auch diesen feiern.

Eine schwierige Ausgangslage ist sicher, dass man sich völlig falsche Erwartungen setzen mag. Wer nur oberflächlich Fan ist, der erwartet womöglich gleich einen Brecher vom Schlage eines Predator, mit denkwürdigen Onelinern. Wer hingegen jünger ist und Arnie vor den Expendables nie im Kino gesehen hat und ihn nur vom Hörensagen als die sagenhafte Actionikone kennt, als den Conan und Terminator, erwartet womöglich ein Genrefest mit spektakulären Stunts und Nonstop-Ballerei: etwas wie Expendables 2 halt, zumindest was wie Taken. Und wer nebenbei Kim Jee-woon kennt, wird eine einfallsreiche Story und Anspruch, alternativ skurrilen Humor verlangen.

Arnold ist erstmals wieder in einer Actionhauptrolle zu sehen, ja, doch hier extra nicht als die
Figur, die Telefonzellen ausreißt, im Alleingang zwölftausend Goons niedermäht und Zigarre schmauchend Coolness qualmt. Er ist ein sechzigjähriger Dorf-Sheriff, der den ganzen lieben Tag nichts anderes macht, als Kühe von der Landstraße zu verscheuchen, verlorene Katzen zu suchen und augenrollend Hemmungen hat Bußgelder für Falschparker zu verhängen. Sein Squad sind zwei junge Deputies, ein Herumtreiber, Johnny Knoxville und Luis Guzman. Verglichen mit Dutch's Team von unglaublichen Motherfuckern in Predator ein Fliegenschiss, der an der Sonnenbrille jedes coolen Helden verschmieren würde... würde Last Stand versuchen, damit zu konkurrieren.

Aber: die Mischung funktioniert. Es sind keine beinharten Helden, doch da zaubert Jee-woon eine Underdog-Grundsympathie hervor. Hart sind sie nicht, aber sympathisch, insbesondere dann, stoßen sie auf Cortez und seine Gang, die ihnen eigentlich haushoch überlegen ist. Knoxville - hier übrigens weitaus weniger verrückt und debil, als es die Vorschau befürchten lässt - Community-Legende Guzman und die hübsche Jaimie Alexander geben amüsante Beigabe ab, dass man ihnen, wäre es ein Pilotfilm für eine TV-Serie, gern noch öfter folgen würde. Besonderes Lob gebührt Alexander, die ihre Rolle mit einer fragilen Stärke spielt, die jeden anderen Darsteller im Film in Frage stellt, insbesondere "Xerxes" Rodrigo Santoro, der hier in einer Nichtrolle selbst von Knoxville's Mütze überboten wird. Arnold selbst findet sich in der Rolle gut ein, eines Has-beens, der den Umständen entsprechend plötzlich wieder gefordert wird. Der Härte, Coolness und Erfahrung durchblitzen lässt, und ein wenig väterlich erscheint (väterlich, wohlbemerkt, nicht großväterlich; dass Arnold Mitte 60 ist, wirkt niemals so: vielmehr erscheint er als bequemer, aber gegerbter Fünfzigjähriger). Nachdem er zunächst relativ gemächlich und gemütlich bleibt, dreht er dann immer wieder auf, bis er den Wischmopp schließlich fest in die Hand nimmt, um seine Provinz wenn nötig mit dem Blut aller Gegner (spaßig schleimig: Peter Stormare als Handlanger) aufzuwischen. Nicht gleich wie Kollege Kollege Rambo mit seinem 40mm gegen ein ganzes Bataillon, aber schon respektabel unterhaltsam. Gerade die letzten zwanzig Minuten, mit einer Verfolgungsjagd durch ein Maisfeld und einem blutigen, an Westernmotive erinnernden Faustkampf auf einer Brücke lassen Schwarzenegger mit erhobenem Kopf über die Leinwand schreiten, signalisierend, dass Last Stand das freundliche letzte Klopfen ist, bevor die Tür eingetreten wird, und dass ein, sagen wir mal Jack Reacher ruhig Platz machen darf. Ein zaghaftes, aber sehenswertes Comeback also.

Inwiefern man Kim Ji-woons Regie bewerten soll, bleibt schwierig. Mit A Bittersweet Life, The Good, The Bad, The Weird, I Saw the Devil und A Tale of Two Sisters hat er vier so völlig grundverschiedene wie bemerkenswerte Filme gedreht, dass The Last Stand zunächst als deutlich west-beeinflusster und kurzweiligster von allen zurückbleibt. Man merkt auch, wo es andere Stärken geben könnte: beispielsweise bleibt Bösewicht Cortez blass, sitzt er 90% seiner Szenen nur Gas gebend im Auto, und jeder, der The SHIELD gesehen hat, seufzt Forest Whitaker nach, der undankbar einsilbig Befehle raunzend von den wohl inkompetentesten aller Cops umgeben ist. Owens' Stadt ist dann doch immens klein und wirkt, als hätte Jaimie Alexander (Sif aus "Thor") ihr altes, fake-klein wirkendes Kaff gleich mal mitgebracht, doch Ji-woon hebelt all diese Macken wieder aus, indem er Regie und Schnitt rasant hält.

Fazit:
Zunächst einmal... ganz egal, wie der Film ist, sollte jeder, der das 80er/90er Actionkombinat Schwarzenegger / Willis / Van Damme /  Stallone grundsätzlich ehrt, ins Kino und sich The Last Stand ansehen (und den kommenden Stirb Langsam, und den kommenden Shootout, und Universal Soldier 4 auf DVD). Es mag kein neuer Terminator sein, aber ein angenehm kurzweiliger Spaß auf dem soliden Level eines Eraser/End of Days/The 6th Day, der sich nur kleine Erwartungen steckt und diese mit einem charismatischen Arnold, mit sympathischen Co-Stars und vereinzelt starken Momenten zur genüge erfüllt. Vonwegen Last Stand, hoffentlich der erste neue von vielen.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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