BG Kritik:

The Last Witch Hunter


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

The Last Witch Hunter (US 2015)
Regisseur: Breck Eisner
Cast: Vin Diesel, Rose Leslie, Elijah Wood

Story: Als der Ritter Kaulder im Mittelalter die Königin der Hexen zur Strecke bringt, ahnt er nicht, dass sein Kampf noch fortdauern wird. Bevor sie in eine Starre fällt, verflucht die Hexe ihn zur Unsterblichkeit. Kaulder überlebt somit seine Familie und wird zum bitteren ewigen Jäger, der im Namen eines Ordens kriminelle Hexer und Hexen jagt. In der Gegenwart fällt sein sechsunddreißigster Diener in ein magisches Koma, also schnappt er sich seinen siebenunddreißigisten und geht der Sache nach.

Es wird vinster.

Diesel macht noch Fast 8-10, Triple X Teil 3 und zwei Riddicks


Der unaufhaltsame Erfolg der Filme der Torretto Dynastie führte dazu, dass sich Sequelmaster Vin Diesel mal wieder ein Herzensprojekt brauen durfte. Für sein Traumprojekt Hannibal Barca, über den Strategen, der Rom mit Elefanten angriff, reichte es noch immer nicht, aber es war Platz für ein Remake von Blade. Das ist es offiziell nicht, aber das Imitat könnte kaum offensichtlicher sein. Wie Blade ist Kaulder ein glatzköpfiger Waffenexperte in schwarzen Klamotten und mit schwarzem Musclecar und weisem Helfer, der in einer Welt mit übernatürlicher Untergrundkultur lebt und alle die erledigt, die sich an Menschen vergehen. Statt Vampire sind es hier Hexen und Magier, und wie in Blade 2 freundet sich der Held unfreiwilligerweise mit einer jungen Frau der feindlichen Spezies an.

Mag nicht originell sein, aber doch lieber irgendein Blade Rip-off als keinen weiteren Blade Film, oder? Ob Snipes nochmal als Blade in Erscheinung treten darf, ist aktuell fraglich, und Marvel Studios hat schon angekündigt, so schnell keinen R-Rated Superheldenfilm zu produzieren. Denkbar wäre höchstens eine Nebenrolle in der Daredevil Serie, doch ob Snipes dazu bereit wäre? Er kann jedenfalls beruhigt sein, dass ihm Diesel nicht den Rang abläuft. The Last Witch Hunter ist nicht so schlecht wie Blade Trinity mit seinem lila Rüschen-Dracula, den Vampirdildos und den hippen jungen Sidekicks, dafür ist er leider auf andere Art noch schlechter.

Diesel selbst ist ein sehr beschränkter Schauspieler, hat aber ohne Zweifel Charisma und Ausstrahlung, die, richtig eingesetzt, gut unterhält. Scrollt man durch seine Filmografie, war er unbeachtet des Films noch nie wirklich schlecht. Jetzt aber, denn Kaulder ist eine der langweiligsten Heldenfiguren der letzten Jahre. Er besitzt weder die Coolness, noch die samuraiartigen Posen Blades. Dass er zig hunderte Jahre alt ist, drückt sich in keinerlei Weisheit aus. Bis auf wenige Szenen von Wehmut, in denen er seine vor fast 1000 Jahren verstorbene Familie vermisst, bleibt Kaulder ein unnahbarer Charakter, der meistens gelangweilt oder müde dreinschaut. Sein Flashbackauftreten als wikingerhafter Ritter mit epischem Bart ist kurz interessant, doch in der Gegenwart schaut er aus wie Vin Diesel. Dominic Torretto hat wenigstens sein weißes Unterhemd und Xander Cage seine Tattoos . Dass Diesel im Marketing des Films immer wieder betonte, dass Kaulder von ihm als D&D Figur für Brettspielabende entworfen und lange Jahre gespielt und weiterentwickelt wurde, hätte er da besser für sich behalten. Weder das Drehbuch, noch Diesels Schauspiel zeigen Kaulder als interessanten Charakter. Er erfüllt das grundlegende Prinzip einer Heldenfigur, doch vergaß man, es mit Charakter zu schmücken.

Sein bester Film ist aber womöglich Der Gigant aus dem All


Vorbild Blade hatte selbst im schändlichen dritten Teil noch ansehnlich inszenierte Action. Nachzügler Kaulder darf sich mit Hexen, Magiern und Kreaturen rumschlagen, die allesamt in gewöhnlichen, mies geschnittenen Duellen vom Last Witch Hunter niedergemäht werden. Technisch sind die Effekte auf hohem Niveau, doch die Inszenierung kann da nicht mithalten. Der Verantwortliche, Breck Eisner, fiel schon vor 10 Jahren mit seinem Möchtegern-Indiana Jones Sahara nicht weiter auf, und bis zu seinem nächsten Film in 10 Jahren wird wohl wieder keine schwarze Krähe nach ihm krähen. Die beachtlich maskierte Oberhexe bringt in ihren Szenen und magischen Angriffen Jalapenogeschmack mit rein. Der passt nur leider nicht zur restlichen Inszenierung, die dröge vor sich hertümpelt, und nicht zu Diesel, dem man zutraut, jeden Moment das Gähnen anzufangen. Da wirkte er selbst im Babynator involvierter.





Eisner deutet eine im Untergrund lebende Geheimzivilisation von magisch Begabten an. Eine interessante Mythologie dahinter, oder faszinierende Orte wie sie Del Toro entwerfen kann, geschweige denn echte Persönlichkeiten wie die Blade Figuren von Ron Perlman, Stephen Dorff oder Parker Posey sucht man vergebens. Rose Leslie aus Game of Thrones wird vermutlich ihre letzte Hauptrolle bekommen haben, da sie spielt, als hätte man sie spontan aus einer Boutique heraus gecastet. Elijah Woods Rolle hingegen hätte fast was sein können. Als relativ neuer Ordensteilnehmer lernt er Kaulder und die Welt der Magie kennen. So hätte man durch seine Augen in diese Welt eingeführt werden können. Was als wirksame Touristenfigur hätte funktionieren können, vielleicht sogar Humor hätte einfließen lassen können, wird schnell beiseite geschoben. Erst spät nimmt Woods Figur wieder Platz ein, den man jedoch komplett hätte schneiden können, ohne merklich was zu verlieren.

Am Ende hat The Last Witch Hunter das unüberwindbare Problem, keine eigene Magie zu haben, und in allen nachgemachten Elementen kläglich an weitaus besseren Vorbildern zu versagen. Der Vergleich mit den deutlich unerreichbaren Blade Filmen ist vielleicht sogar unpassend. Auch mit Diesels eigenen Mittelmäßigkeiten wie Extreme Rage und Babylon AD lässt sich der Witch Hunter schlecht messen. Womöglich mit den späteren Highlander Fortsetzungen. Dazu passt das Konzept unsterblicher Schwertkämpfer sogar rein zufällig, nur, dass dieser Film so viel Budget wie Highlander 2-5 zusammen brauchte, um so schlecht zu werden.

Fazit:

Von wegen neuer Blade. Diesel, der sonst immer überzeugt, zeigt seine erste schlechte Leistung als langweilige Kriegerfigur. Dass der Film nichts ist, liegt nur zur Hälfte an ihm, doch auch die restliche Hälfte ist verkocht. Eisners Hexen-Blade ist ein einfallsloser Fantasyfilm ohne denkwürdige Designs, Figuren oder Storyideen, mit lahmen Actionmomenten. Hoffentlich bleibt The Last Witch Hunter wirklich der last one.

2 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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