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KRITIK:
THE MESSENGER
Die letzte Nachricht
von
Christian Westhus
THE MESSENGER (2010)
Regie: Oren Moverman
Cast: Woody Harrelson, Ben Foster
Story:
Staff Sergeant Will Montgomery (Ben Foster)
kehrt aus dem Irak zurück. Für die verbleibende
Dienstzeit wird er daheim in den
Benachrichtigungsdienst geschickt, wo er unter der
Leitung des rabiat wirkenden Captain Tony Stone
(Woody Harrelson) Todesnachrichten überbringen muss.
Die beiden unterschiedlichen Soldaten suchen die
Angehörigen gestorbener Soldaten auf, um sie vom
Unglücksfall in Kenntnis zu setzen...
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THE MESSENGER war 2010 für
zwei Oscars nominiert |
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Kritik:
Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.“ Die USA
haben, ob man es will oder nicht, einen besonderen
Bezug zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Die
eigene Geschichte ist davon dominiert, wie kaum eine
andere eines Industriestaats. Das Dienen in der
Armee gehört zur patriotischen Pflicht und Veteranen
sind fast automatisch Helden und genießen (häufig)
einen gesonderten Stand in der Gesellschaft.
Selbstredend liegt den USA Krieg nicht im Blut, auch
ist sich ja (natürlich) nicht(!) das gesamte Land
beim Pro-Kriegs-Statement einig. Oren Movermans Film
kommt mit seinem Irak-Bezug genau zur richtigen
Zeit, ist thematisch, als filmischer
Gesellschaftsspiegel jedoch auch irgendwie zeitlos.
Damit geht „The Messenger“ Hand in Hand mit Kathryn
Bigelows Oscar-Abräumer „The Hurt Locker“ (>Kritik), dessen
Inlands-Partnerfilm er sein könnte. Während sich „The
Hurt Locker“ um das Treiben der amerikanischen
Soldaten am Kriegsschauplatz drehte, wirft „The
Messenger“ einen lange verweigerten und ignorierten
Blick auf die Heimat. Die Auswirkungen der
Kriegsaktionen der USA auf die Gesellschaft der USA.
Staff Sergeant Will Montgomery kehrt versehrt aus
dem Irak zurück und wird für die restlichen Wochen
seiner Dienstzeit in den Benachrichtigungsdienst
verlegt. Es geht um die Familien und Freunde der
Soldaten in der Heimat, wie sie, fern der Front, mit
der Ungewissheit leben müssen und mit der ständigen
Angst, dass eines Tages auffällig uniformierte
andere Soldaten mit betretenem Blick vor ihrer Tür
stehen. Gleichermaßen geht es um
Heimkehrerpsychologie. Wie der Krieg einen jungen
Mann verändert (auch das hat dieser Film mit „The
Hurt Locker“ gemein) und wie ein solcher Soldat mit
der Trauer konfrontiert wird, indem er Eltern,
Ehefrauen und Freunden die Todesnachricht
überbringen muss.
Captain Tony Stone, in der Gestalt von Woody
Harrelson, führt den Neuling in die Eigen- und
Besonderheiten der neuen Arbeit ein. Streng nach
Vorschrift, die Sätze klar durchs Protokoll
geregelt. Körperkontakt und eigene Trauer sind
dringend zu vermeiden. Und während Montgomery noch
mit den kleinen Verletzungstücken bzw. noch vielmehr
mit seinem Dasein als zweifelhafter und
verzweifelter Held kämpft, wird er ins kalte Wasser
geworfen. Die Konfrontation mit den Angehörigen ist
die Konfrontation mit den Auswirkungen des Krieges.
Ein reales Was-wäre-wenn Szenario für den Fall X.
Was wäre, wenn er selbst nicht mehr als eine akkurat
gefaltete Flagge für seine Familie bliebe? Wer würde
um Staff Sergeant Montgomery trauern? Will schottet
sich emotional ab, wohnt in einer kargen, permanent
verdunkelten Wohnung und braust mit Rock-Musik
härterer Gangart durch die Straßen, während er einer
alten Liebe nachtrauert, die gerade gen Traualtar
schreitet. Ben Barnes spielt den leidenden Soldaten
mit permanentem Trauerblick, mit durchweg spürbarer
Wut im Bauch. Das ist nicht immer subtil, aber
effektiv. Und je länger der Film läuft, desto mehr
hat Barnes zu tun..
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Der Film ist Oren Movermans
Debüt als Filmemacher |
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Die Angehörigen reagieren mit Wut
und Trauer, mit ungläubiger Verzweiflung und
Beschimpfungen. Das reißt durchaus mit und geht zu
Herzen, doch unser Blick bleibt immer bei den
uniformierten Todesengeln, mit ihren Rangabzeichen
und Auszeichnungen. Dadurch vermeidet der Film auch
ein zu sentimentaler, zu rührseliger Film zu werden,
der sich nur eine späte – und passende – Ausnahme
gönnt. Und dann stehen Montgomery und Stone
plötzlich vor einer Witwe mit Kind, die
verhältnismäßig gefasst reagiert und sogar noch
einen Gedanken daran verschwendet, wie es denn den
Überbringern dieser schrecklichen Nachricht dabei
geht. Es ist natürlich so klar wie es nur geht, dass
sich Ben Barnes und Samantha Mortons Charakter näher
kommen. Ein gutes Drehbuch lässt sich diesen Aspekt
der neuen Liebe für die Witwe nicht entgehen und
weil Oren Moverman ein gutes Gespür für realistische
Psychologie und vielschichtige Figuren hat, nimmt
dieser Handlungsstrang nicht zu viel und nicht zu
wenig Raum ein. Gerade durch Mortons wunderbar
zartes Spiel und durch die Hintergründe ihrer Rolle
gelingt dieser Aspekt.
Moverman schrieb zunächst nur das Skript, fand dann
aber keinen passenden Regisseur und übernahm
schließlich selbst für sein Regie-Debüt. In
größtenteils ungeschönten, rauen Bildern führt er
ein wenig dokumentarisch durch die Handlung,
arrangiert einige Szenen aber auch durchaus gekonnt.
Da ist es auch verzeihlich, dass sein Drehbuch die
klassische dramaturgische Spannungskurve eher
missachtet, stattdessen auf ein psychologisch
faszinierendes Auf und Ab setzt. Der Oscar
nominierte Woody Harrelson veredelt zudem die enorm
wichtige Nebenrolle. Captain Stone wahrt zunächst
kühl und streng die Fassung, bewahrt das Bild des
regelgetreuen, dienenden Soldaten, der mit Dienst
nach Vorschrift am besten fährt. In der Freizeit
zeigt sich ein anderer Captain Stone, der Kriege
nach Quantität von Frauen, Alkohol und
Schusswechseln bewertet. Eine faszinierende Figur,
die mit sarkastischem, meist bitterem Witz manch
emotionale Tiefe erhebt.
Bis zum gelungenen Schluss bleiben die Parallelen
zum – leicht besseren – „The Hurt Locker“ erhalten.
Einmal drin, ist der Krieg nicht mehr aus den Köpfen
der Menschen zu vertreiben und so ist er auch aus
der amerikanischen Gesellschaft nicht ohne weiteres
zu vertreiben. Halt bieten andere Menschen, denen
man sich anvertrauen kann, für die es sich zu
entscheiden lohnt, ob man aus welcher politischen
Überzeugung auch immer in den Krieg zieht, oder ob
man daheim bleibt. Über den Krieg sagt „The
Messenger“ nicht viel Neues aus. Muss er auch nicht.
Und wenn das nicht reicht, ist es ein Film der
zeigt, dass man die Zeit, die man hat, besser nicht
alleine verbringen sollte. Auch diese Weisheit ist
so alt wie platt, doch die Präsentation ist es
nicht. Oren Moverman ist ein faszinierender, gut
durchdachter und auch wichtiger Film gelungen. Der
gar nichts Neues erzählen braucht, wenn er uns nur
Dinge besonders ins Bewusstsein rufen kann..
Fazit:
Der kleine Bruder von „The Hurt Locker“ ist ein toll
gespieltes Kriegs- und Charakterdrama aus einer
ungewohnten Perspektive. Selten unangenehm
rührselig, bietet das gelungene Drehbuch gute
Figuren und tolle Szenen. Der zumeist ruhige,
realistische Inszenierungsstil passt dazu.
7,5 / 10
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