BG Kritik:

The November Man


von Michael Eßmann

The November Man (US, 2014)
Regisseur: Roger Donaldson
Cast: Pierce Brosnan, Luke Bracey, Olga Kurylenko

Story:
Ex-Bond Pierce Brosnan kehrt als ehemaliger CIA-Agent, Codename "November Man", zurück ins Spionagegeschäft um einen letzten Auftrag zu erfüllen, bei dem aber nichts so ist, wie es zunächst scheint.

Geschüttelt, nicht gerührt: Brosnan beweist eindrucksvoll, dass er noch lange nicht ausgedient hat.

The November Man basiert auf einer Romanreihe


Fünf Jahre nach seinem letzten Einsatz wird der ehemalige CIA-Agent Peter Devereaux (Pierce Brosnan) vorübergehend reaktiviert, um eine alte Freundin, und nun russische Überläuferin mitsamt brisanter Unterlagen aus dem Land zu schaffen. Doch der Job ist größer als erwartet, und plötzlich sieht sich Devereaux u.a. mit anderen CIA-Agenten und russischen Killern konfrontiert. Darunter auch der von ihm bestens ausgebildete CIA-Agent Mason (Luke Bracey). Devereaux forscht nach, und kommt einer Verschwörung von deutlich größerem Ausmaß auf die Spur, in welche u.a. ein russischer Präsidentschaftskandidat, ranghohe CIA-Mitarbeiter und die Sozialarbeiterin Alice (Olga Kurylenko) involviert zu sein scheinen.

Basierend auf Bill Grangers siebten Roman der Devereaux-Reihe, „There Are No Spies“, kommt es mit „The November Man“ zur Wiedervereinigung von Regieveteran Roger Donaldson (u.a. „Der Einsatz“, „Bank Job“, „Thirteen Days“), mit seinem „Dante's Peak“ Hauptdarsteller Pierce Brosnan. Ex-James Bond Brosnan nochmal als Geheim-Agent? Aber nicht als 007? Das ist ja so, als ob Sylvester Stallone nach 6-mal Rocky Balboa, nochmal die Boxhandschuhe schnürt… Moment, das gab es ja auch schon. Hieß „Zwei vom alten Schlag“, und war ein selbstironischer Spaß, mit netten Verweisen auf die filmische Vergangenheit von Stallone (und natürlich auch Robert De Niro). „The November Man“ geht nun nicht diesen locker leichten, und selbstironischen Weg. Stattdessen zeigt uns Brosnan was für ein Bond auch in ihm gesteckt hätte, aber welchen er nie richtig rauslassen durfte. Wer also einen witzigen Rentner-Actioner ala „R.E.D. – Älter, Härter, Besser“ erwartet, wird hier jedenfalls nicht fündig werden. Denn hier ist nur wenig Platz für Späße, und schon gar nicht für ultra cooles in Zeitlupe aus dem fahrenden Wagen aussteigen und dergleichen. Dafür sind die knapp unter 2 Stunden Laufzeit bereits außerordentlich gut mit Schusswechseln, Explosionen, Mann gegen Mann-Action und einer Story um persönliche Konflikte, Kriegsverbrechen, Kindesmissbrauch und einer internationalen Verschwörung befüllt. Die Action hier ist knackig, reichlich vorhanden, schnell, dabei aber übersichtlich und nie besonders übertrieben, oder auf unbedingt mega-cool sein inszeniert. Eher geerdet, aber dies natürlich auf Film-Niveau. Dementsprechend besteht das Spionageequipment auch nur aus Schusswaffen, Überwachungsdrohen und Handys mit Kamerafunktion. Keine Weltraumlaser oder explodierende Gadgets. Dafür mit sich real anfühlender Härte und Pierce Brosnan mit einer Schuss-Präzision und in kämpferischer Hochform, in welcher er es mutmaßlich gar mit dem Daniel Craig-Bond oder Bryan Mills aufzunehmen könnte. Sehr „Bourne“-mäßig oder auf einen „96 Hours“ schielend, und dabei wunderbar geradlinig.

Ein Teil 2 wurde bereits angekündigt


Etwas, was man nun nicht gerade von der Geschichte sagen kann, denn die ist durchaus verzwickt, schlägt einige Haken, und lange ist man ebenso ahnungslos wie Peter Devereaux, was denn hinter all dem steckt und wer wen ausgespielt hat und eifrig Fäden zieht. Wem kann man trauen? Und wer jagt jetzt eigentlich alles wen? Und warum überhaupt? Einmal durchschaut, reicht die Geschichte immerhin noch um funktionell zu sein, und hält bis kurz vorm Finale auch noch den einen oder anderen Twist bereit. Nicht jeder davon funktioniert, ist unerwartet oder frei von Klischees. In der Gesamtheit hält die Geschichte aber nahezu die volle Spielzeit durch, und lässt erstaunlicherweise kaum Leerlauf oder gar Langeweile zu. Der Russe ist der Böse und der CIA ist nicht zu trauen. Punkt. Die verwendeten Ideen mögen klischeehaft und falsch sein, aber im Anbetracht von aktuellen Abhörskandalen und versuchter Annexion, vielleicht auch nicht. Zudem funktioniert es hier, auch wenn man das 80er Jahre und Kalter Kriegs-Szenario der Vorlage als überholt ansehen mag. Zu 100 Prozent (eigentlich nicht mal zu 50 Prozent) logisch ist die Story deshalb aber noch lange nicht, was aber aufgrund der rasanten Inszenierung und gelungenen Darsteller nicht so besonders negativ ins Gewicht fällt. Hier wurde für die Fans und Zielgruppe eines klassischen Action-Thrillers mit viel Blei und Blut tatsächlich sehr viel richtig gemacht, denn sowohl Brosnan als auch sein ehemaliger Schüler und nun Gegenspieler Luke Bracey funktionieren innerhalb der Geschichte. Letzterer könnte zwar anfangs eine Spur kerniger sein, entwickelt sich aber, und gewinnt an Kontur. Dass es auch in der Mentor-Schüler-Beziehung Klischees gibt, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Brosnan gibt seinen Ex-Agenten als noch immer voll im Saft stehenden, sehr zynischen Typen, welcher kaum einer Menschenseele traut und allem Anschein nach ein voll funktioneller Alkoholiker ist. Dieser und weitere Punkte, - wie Menschenhandel und ein Point of View gefilmter, sexueller Missbrauch von Kindern - sind es, durch welche „The November Man“ neben der klasse Action, auch ein wenig an Dramatik und Tiefe gewinnt. Dazu noch "Ein Quantum Trost"-Bondgirl Olga Kurylenko, welche schauspielerisch eine ordentliche Leistung abliefert und zudem Sexy as Hell über die Leinwand flanieren darf. Der Score verbleibt unauffällig, hat gefühlte kurze Bond-Anleihen, und ist lediglich funktionell. Summa summarum ist Roger Donaldsons „The November Man“ ein klasse Action-Thriller geworden, welcher die teilweise verheerenden US-Kritiken absolut nicht verdient hat, und der bei jedem Fan von harter und kompromissloser Action wohl ziemlich weit nach oben auf die Action-Liste 2014 gehört.

Fazit:

Brosnan zeigt den Herren aus „The Expendables“ und „R.E.D. – Älter, Härter, Besser“ wie Action im Alter auszusehen hat, und muss sich dabei auch nicht vor seinem Rentner-Kollegen Liam Neeson verstecken. Hart, treffsicher und voll auf die Zwölf. Gerne mehr davon.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
> Lies alle Meinungen zum Film! (226)

Gleich weiterlesen:


    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikthenovemberman.php on line 100

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikthenovemberman.php on line 100

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikthenovemberman.php on line 100

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikthenovemberman.php on line 100

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikthenovemberman.php on line 100

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikthenovemberman.php on line 100

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikthenovemberman.php on line 100

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikthenovemberman.php on line 100

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikthenovemberman.php on line 100

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikthenovemberman.php on line 100

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikthenovemberman.php on line 100

  • Sin City 2   Michael Essmann

  • Alien Isolation   Christian Mester

  • Wild   Christian Mester

  • Fifty Shades of Grey   Christian Mester
bereitsgesehen.de - Lass uns über Filme sprechen! - Home - Kritiken - Community - Specials - Impressum
Copyright 2017 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich