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KRITIK:

The Pacific


von Christian Mester

THE PACIFIC (2010)
Regie: David Nutter et al.
Cast: Joseph Mazzello, James Badge Dale

Story:
Stephen Spielbergs und Tom Hanks neue zehnteilige Mini-Serie dreht sich um die US Pazifik-kämpfe des zweiten Weltkrieges. Im Mittelpunkt stehen die echten Erlebnisse der jungen Soldaten Robert Leckie (James Badge Dale), Eugene Sledge (Joseph Mazzello) und John Basilone (Jon Seda), die ihre Kriegszeit auf unterschiedliche Weisen erlebten.

Joseph Mazzello spielte 1993 den kleinen Tim
in JURASSIC PARK

Kritik:
Wer bereits 2001 in den Genuss der ersten zehnteiligen Kriegsserie „Band of Brothers“ kommen konnte, hatte damit eins der besten Genre-Werke aller Zeiten gesehen (klare 10/10). Mit gewaltigem Aufwand inszeniert, gab „Band of Brothers“ einen hautnahen Einblick in das Geschehen der europäischen Frontkriege. Zusammen mit den jungen G.I.s der Easy Company kämpfte man sich durchs Boot Camp, durch besetzte Städte, harrte nachts in Waldverstecken aus und trotzte ständiger Gefahr. Jede Auseinandersetzung mit dem Gegner wurde zum fesselnden Gefecht, jeder gefallene Soldat zum emotionalen Verlust.

Im Gegensatz zu vielen anderen US-Produktionen setzte man dabei weder darauf, die Actionszenen als unterhaltsames Popcorn Amusement zu inszenieren, noch darauf, einseitigen Patriotismus abzufeiern und die Army in größten Tönen zu bewerben. Die Männer der Easy Company – durchweg von eher unbekannten Gesichtern gespielt – ergaben ein reichhaltiges Bild verschiedener Motivationen und Reaktionen auf das unmittelbare Kriegsgeschehen. „Band of Brothers“ visualisierte diese Schrecken schonungslos und in aller Härte. Ein abschreckendes, trauriges Portrait nicht allzu ferner Zeitgeschichte, das es gleichzeitig nie vernachlässigte, die bedingungslose Kameradschaft der mutigen Soldaten zu ehren. „The Pacific“ imitiert nahezu alle Stärken des genialen Vorgängers.

THE PACIFIC umfasst alle großen
Streitzüge des Pazifikkrieges

„The Pacific“ ist ebenfalls in zehn Episoden gefasst, inhaltlich jedoch nicht ganz so linear aufgebaut wie der Vorgänger. War man im thematischen Kollegen stets mit der gleichen Einheit unterwegs und zog langsam von England bis ins tiefste Deutschland, springt man hier immer wieder zwischen den drei wichtigsten Soldaten und ihren Standorten in den USA und den pazifischen Inseln hin und her. Basilone und Leckie dienen anfangs noch kurz zusammen, bis ersterer die Medal of Honor bekommt und als Kriegsheld verfrüht nach Hause darf. Sledge hingegen rückt erst später nach und dient dann neben dem mittlerweile gezeichneten Zyniker Leckie.

Für die jeweiligen Nebenfiguren der drei ist das ein Nachteil, da sie dadurch merklich vernachlässigt werden und man zuweilen Schwierigkeiten bekommt, soeben gefallene Soldaten zu identifizieren. Im Vergleich war das Band der Brüder der Easy Company enger, persönlicher, ein Gruppenerlebnis. Eins, in dem anfangs noch viele scheinbar charakterlose Gesichter zu einer festen Einheit zusammengeschweißt wurden. Es passt hier jedoch als Motiv, fiel der Pazifikkrieg doch insgesamt chaotischer und schwieriger aus als der in der Normandie. Jede der drei Figuren ist interessant, ihre Darsteller gut (Sledge wird übrigens von dem mittlerweile erwachsenen Jungen aus „Jurassic Park“ gespielt, „Fringe – Grenzfälle des FBI“ Fans entdecken indes Anna Torv in einer kleinen Nebenrolle) und die jeweiligen Kriegserlebnisse lassen erneut mitfiebern – wenn nicht sogar aufgrund der Umstände mehr denn je. Die G.I.s werden auf Inseln abgesetzt, auf denen es regelmäßig monsunartig regnet. Im nassen Morast der Wälder fangen sie sich Malaria ein, frieren, erleiden Hunger und Durst und können aufgrund ständiger Angst vor Angriffen nicht git schlafen. Verwesungsgeruch der vielen Leichen und psychisch angeknackste Partner, die mit plötzlichem Geschrei neue Gegner anlocken könnten, zehren ebenso am Nervenkostüm wie entgegen kommende Zivilisten, die insgeheim Dynamit tragende Selbstmordattentäter sein können.


„The Pacific“ ist ausschließlich aus Sicht der Amerikaner inszeniert, lässt aber Platz und Ehre für die gegnerischen japanischen Streitkräfte. Sind die Gegner über lange Zeit gesichtslose, unverständliche Wahnsinnige mit Katanas (weil sie das in den Augen der Soldaten auch sein sollen), bleibt immer Platz für kleine Momente, in denen klar gemacht wird, dass die Soldaten der anderen Seite ähnlich empfinden und agieren wie sie selbst, gleiche Tragik erleben und verglichen zu Filmen wie „Windtalkers“ nicht bloß eindimensionale, ausschließlich böse Bösewichte sind. Jede der drei Figuren macht eine faszinierende Wandlung durch, die an dieser natürlich nicht näher vorweggenommen sei. Der einzige tatsächliche Schwachpunkt findet sich in der finalen Episode zu Kriegsende, die auf eher seltsam leisen, passiven Note endet. Was im direkten Vergleich fehlt, sind kleine Einspieler der Überlebenden echten Soldaten, die bei „Band of Brothers“ bei jeder Episode kurze Kommentare zum Einstieg gaben. Dass sie nicht vorkommen, nimmt der Serie jedoch nichts - so wird man im Vorfeld nicht gespoilt, welche Soldaten überlebten und welche nicht.

Wie jeder gute Kriegsfilm sorgt auch „The Pacific“ dafür, dass man davon ausgelöst unweigerlich über verschiedene Fragen nachdenkt. Würde man sich im Kriegsfalle melden? Würde man ähnlich handeln? Würde man seine moralischen Werte verlieren und ein Schatten seiner selbst werden? Hätte man den Mut, auf einem offenen Gebiet unter Feindesbeschuss verletzten Freunden zu helfen? Und hätte man Gelegenheit, diesem Albtraum zu entkommen – würde man ein schlechtes Gewissen haben, dass man selbst errettet wurde und die anderen nicht? War der Krieg nötig? Wie lebt jemand weiter, der solche Schrecken am eigenen Leib erleben musste? Die vielen unterschiedlichen Szenarien und Charakterentwicklungen der Serie bieten besten Stoff und stehen Kriegsfilmklassikern wie „Full Metal Jacket“, „Der Soldat James Ryan“ oder „Der schmale Grat“ in Nichts nach. Im Gegenteil: durch die längere Laufzeit (10*50 Minuten) bietet „The Pacific“ wesentlich mehr Zeit, seine Charaktere zu entfalten, die erschwerten Umstände anschaulicher zu präsentieren – und all das, ohne auf die technische Qualität verzichten zu müssen.

Zur Inszenierung selbst muss nicht viel gesagt werden. Wer „Band of Brothers“ bereits kennt, kennt die perfekt realistischen Nachstellungen der Kriegsschauplätze, die intensiven Kampfesszenen, den traurigen, aber auch ehrvollen Klang des Scores und die hohe Qualität der Drehbücher. Kennt man den Vorgänger nicht, sollte man das schleunigst nachholen, auch wenn es zum besseren Verständnis dieser Reihe selbstredend nicht notwendig ist. „The Pacific“ ist in keinster Form eine Fortsetzung, eher ein Parallelwerk. Beides sind exzellente, berührende Werke, die man kennen, besser noch, besitzen sollte.


Fazit:
Als Filmerlebnis mag „The Pacific“ knapp hinter dem brillanten Vorgänger zurückfallen, doch sein Treffer ist nur eine Fleischwunde. Ein aufreibendes, emotionales und äußerst realistisch nachgestelltes Kriegsgeschehen, das seine Message überliefert, ohne jemals unnötig zu Romantisieren oder scharf Predigen zu müssen. „The Pacific“ ist ein berührendes Mahnmal.

9 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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