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Kritik:
The Punisher Trilogie


von Christian Mester

The Punisher
(1989)
Regisseur: Mark Goldblatt
Cast: Dolph Lundgren, Louis Gossett jr.

Story Teil 1:
Frank Castle (Dolph Lundgren) war einst Polizist, doch nachdem die Mafia seine Familie ins Jenseits beförderte, kennt die schweigsame Lederkluft nur noch einen Gedanken: blutige Vergeltung...

The Punisher (2004)
Regisseur: Jonathan Hensleigh
Cast: John Travolta, Thomas Jane, Will Patton

Story Teil 2:
Nach einem letzten Auftrag will Undercover-Cop Frank Castle der Verbrechensbekämpfung abschwören, doch als der Sohn eines Gangsterbosses sein Leben verliert, nimmt dessen Vater Howard Saint (John Travolta) blutige Rache an seiner Familie...

Punisher: War Zone (2008)
Regisseur: Lexi Alexander
Cast: Ray Stevenson, Dominic West

Story Teil 3:
Frank Castle ist der Punisher, ein gnadenloser Verbrechensbekämpfer, der nachts mit Blei und Raketen gegen kriminelles Volk vorgeht. Als eines Tages eines seiner Opfer einen seiner Anschläge überlebt, will sich dieser (Dominic West) an ihm rächen...

Kritik The Punisher (1989)
Nur wenige wissen, dass die Marvel Comic-Verfilmung "The Punisher" aus dem Jahr 2004 bereits der zweite Versuch war, die umstrittene Geschichte des gesetzlosen Frank Castle auf die große Leinwand zu bringen. Während sich die teure Neuauflage mit Thomas Jane und John Travolta in Sachen Gewaltdarstellung eher bedeckt hielt, sah das beim Original noch anders aus.

1989 brachte man die Story bereits mit Dolph Lundgren in die Kinos, der zu jener Zeit dank auffälliger Rollen in „Rocky IV: Der Kampf des Jahrhunderts“ und „Masters of the Universe“ hoch im Kurs stand. „The Punisher“ sollte als solcher ein Mischmasch zweier großer Hits werden, die 1988 noch taufrisch in Erinnerung waren: man nehme die schonungslose Gewalt und Finsternis aus „The Terminator“ und kombiniere sie mit der damals äußerst beliebten Selbstjustiz aus „Death Wish: Ein Mann sieht Rot“. Eine geniale Idee, denn so konnte man den mittlerweile weit über 60 Jahre alten Bronson ablösen und zugleich geschickt den hoch gelobten „Terminator“ ohne teure Sci-Fi Elemente nachahmen.

Selbst die ersten Schritte rochen nach ideenloser Kopie: ein ehemaliger Profi-Sportler als gefährliche, wortkarge Gestalt der Nacht? Das war Schwarzenegger auch, nur kam seine legendäre Robomär an den Kassen weit besser an als der schwedische Bestrafer. An fehlender Action soll es nicht liegen, denn davon hat „The Punisher“ reichlich. Castle jagt von Ort zu Ort und verbringt mehr Zeit mit Waffen als mit Gesprächspartnern. Er erschießt Berge von Gegnern und pausiert dabei höchstens, um nachzuladen. Es gibt zwar eine lose Geschichte über entführte Kinder eines Drogenbarons, doch die fällt so platt aus, dass man sie sich auch hätte sparen können. Dolph Lundgren bleibt dabei ein echtes Vakuum an Filmfigur, da er konsequent denselben Gesichtsausdruck trägt und einige seiner kurzweilig melodramatischen Momente so aus dem Ruder laufen, dass man froh darüber ist, dass sie davon nicht noch mehr probiert haben. Funktionierte Lundgren als stiller Muskelberg geballter Intensität im legendären Boxduell gegen Stallone, weiß Regisseur Goldblatt (der sich danach eines Besseren besann und nie wieder Filme drehte) nichts mit dem Mann anzufangen.

Was dem Film auch fehlt, ist Spaß, denn im Gegensatz zu ähnlich debilen Genrekram wie „Phantom Commando“ oder „Die City-Cobra“ - auf ihre Art herrliche Meisterwerke - hat Castles Geschichte keinerlei Sinn für Humor. Damit könnte man wohl leben, hätte der Film dafür Atmosphäre, eine interessante Story, gute Figuren oder aufregende Action. Er hat aber nichts davon, da er sich nur auf die Action beschränkt und diese zwar blutig, aber allenfalls mittelmäßig inszeniert ist. Dass es auch anders ging, bewies Lundgren kurz danach mit "I Come in Peace" und "Showdown in Little Tokyo", die sich entweder nicht allzu ernst nahmen oder im Gegenzug so überzogen ausfielen, dass man das Geschehen mit einem Schmunzeln hinnehmen konnte.

In den Comics geht es zwar auch sehr zur Sache, allerdings ist die Action dort spektakulär, ist die Figur des Punishers intelligent, ist die Message äußerst sozialkritisch. Nichts davon findet sich im Film, der letzten Endes akzeptables Futter für Fans angestaubter B-Movies ist, sich selbst da aber in die zweite Reihe einsortiert.

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

Kritik The Punisher (2004)
Wenn Gute Böses tun und Böse Angst vor Bösem kriegen, kann das ein interessanter Ausgangspunkt für einen Film sein. Die Comic-Figur des Punishers ist zwar als hirnloser Ballermann bekannt, doch jeder, der einmal durch ein paar der prämierten Hefte blättert, merkt, dass hinter dem Schädelshirt doch mehr Potential steckt, als es uns das Klischee weismachen will.

War der 89er Punisher reinster Patronenexzess ohne Sinn und Verstand, so versuchte man es 2004 anders. Statt Profi-Sportler suchte man sich mit Thomas Jane und John Travolta namhafte Leute für die Hauptrollen, da man dieses Mal echte Charaktere präsentieren wollte. Das tat man, und sowohl Jane als auch Travolta spielen in der Neu-Interpretation typische Filmfiguren mit variablem Gesichtsausdruck. Der neue Punisher wird verletzlich, darf weinen, trägt nicht nur „Terminator“-Cosplay und nagelt nicht ausnahmslos alles nur mit Schusswaffen weg, er darf sogar seinen Kopf einsetzen. Ein netter Ansatz, den Jonathan Hensleigh aber leider völlig versiebt.

Nach einem zweifellos guten Einstieg (Roy Scheider spielt Janes Vater) kommt die eigentliche Vergeltung zäh und zu spät, zuviel Zeit wird mit irrelevantem Randmaterial vergeudet. Es werden ulkige Nebenfiguren eingeführt, die mit Slapstick an der Ernsthaftigkeit der Geschichte kratzen, eine öffentliche Bekanntmachung mit Schädelshirt grenzt ans Lächerliche und die Tatsache, dass der Punisher seine Opfer dieses Mal nicht direkt bestraft, sondern mit trickreichen Intrigen gegeneinander aufbringt, lässt gepflegt mit dem Kopf schütteln. Statt etwas aus der zweifelhaften Moral und den Zerrissenheiten der Figuren zu machen, setzt Hensleigh nachfolgend auf eine verkomplizierte, zu lange Rachevorbereitung. Der Einsatz von Gummi-Hydranten und vermeintlich genialen, jedoch albern umgesetzten Verstrickungen lässt den Punisher eher umständlich, als spektakulär und vorbildlich erscheinen.

Ebenfalls außen vorgelassen wird die gesamte Frage der Moral, mit der man auf ein großes Stück möglicher Qualität verzichtet.

Schauspieltitan Travolta, der Bösewichtrollen wie diese eigentlich mit Heißhunger und zu großem Effekt spielt kommt als Saint derweil zu nichts, und der finale Racheakt gegen ihn endet in einer stupiden Idiotie, wie man sie höchstens von einem „Ghost Rider“ erwarten würde. Jane ist gut, der Film ist schick und hat vereinzelt starke Momente – ein destruktiver, blutiger Küchenkampf gegen Wrestler Kevin Nash ist ein echtes Highlight – weswegen es umso trauriger ist, dass Hensleigh aus dem Stoff nicht das macht, was es hätte sein können. Unter dem Strich ein solider Hollywood-Actioner, der jedoch viele schwache Momente hat, Stärken nicht ausspielt und nicht aus sich herauskommt.

5 / 10

Kritik Punisher: War Zone (2008)
Aller guten Dinge sind drei?

Nachdem man sich im Anschluß des 2004er Punishers mit Thomas Jane nach langer Diskussion nicht auf ein Drehbuch für einen zweiten Teil einigen konnte, sah sich Marvel gezwungen die Reihe auf andere Weise fortzusetzen. Lexi Alexander wurde engagiert, die sich mit „Green Street Hooligans“ bereits einen Namen gemacht hatte und vorschlug, den nächsten Film noch näher an die Comics zu bringen. Nach einiger Überlegung entschied man sich, „Punisher: War Zone“ zu einem Requel zu machen (Sequel = Fortsetzung, Remake = Neuauflage, Requel = Fortsetzung, die inhaltlich nach dem ersten Teil spielt, rückblickend davon aber abweicht und nach Art eines Remake stilistisch neue Wege geht, wie bei "Der unglaubliche Hulk" geschehen).

In vielerlei Hinsicht wirkt „Punisher: War Zone“ jetzt wie ein Hybrid der ersten zwei Filme, da er sich oftmals genau zwischen den Unterschieden der beiden wieder findet. Der neue Punisher Stevenson ist gesprächiger und charismatischer als Lundgrens Lederträger, lässt sich aber nicht so sehr zu Emotionen hinreißen wie die Jane-Fassung. Fans freuen sich über wesentlich mehr Action als im letzten Teil, die spektakulärer und blutiger ausfällt, auch wenn es nie in stumpfen Exzess ausartet. Verglichen mit der Moorhuhnjagd im Original ist sie zudem abwechslungreicher, da Alexander, die selbst Karate-Meisterin ist, ein Auge für gutes Momentum hat und die Kämpfe ansprechend umsetzt. Dieser Punisher versucht auch gar nicht erst, alberne Intrigen ala „Gefährliche Liebschaften“ zu spinnen und lässt den unsinnigen Gummihydranten demnach zuhause. Wie schon zuvor gibt es auch hier wieder Randgestalten (u.a. Julie Benz, „Rambo 4“), die aber zum Glück keinen gezwungenen Humor mitbringen und nur marginal wichtig sind. Bei all der äußerst blutigen Action fällt der Film allerdings überraschenderweise undüster aus - der ganze Film ist in einem grellen, kontrastreichen Comic-Look gehalten, der, von allerlei kleinen Situationsmomenten unterstützt, gute Laune macht und das Popcorn schmecken lässt.

Was den Neuen maßgeblich von seinen anderen beiden Fassungen unterscheidet, sind die Gegenspieler. Gab es im ersten nur leere Zielscheiben und im zweiten John Travolta, der rein gar nichts mit seiner Rolle machen konnte, gibt es im Neuen gleich zwei hervorragende Bösewichte. Zum einen darf „The Wire“-Star Dominic West als amüsanter Mobkönig Jigsaw unterhaltsamen Irrsinn von sich geben, zum anderen kommt noch Doug Hutchinson dazu, den alte „Akte X“-Veteranen noch als den unheimlichen Victor Tooms kennen. Hutchinson spielt einen noch verrückteren Wahnsinnigen, der zusammen mit seinem Bruder ein herrlich amüsantes Irrenpaar abgibt.

Fast alles hat sich demnach zum Besseren gewendet, jedoch ist auch dieser Punisher keine gewaltige Granate. Er hat eine gewisse Kurzlebigkeit, die an Filme wie „Shoot Em Up“ erinnern und Denkwürdiges missen lässt. Der Punisher selbst ist in Ordnung, würde für eine markante Filmfigur aber mehr Charakter brauchen, so bleibt es eine unterhaltsame, aber schnell vergessene Action-Nummer.

6 / 10 

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