BG Kritik:

The Revenant - Der Rückkehrer


Seit 6 Jahren bei BG. Er hat Geschichte, Soziologie und Anthropologie studiert und ist ebenfalls als Autor tätig.

The Revenant (USA 2015)
Regisseur: Alejandro González Iñárritu
Cast: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Will Poulter

Story:
Die Jagd auf Felle ist im frühen 19. Jahrhundert in Amerika ein lukratives Geschäft. Als der Führer einer solchen Jagdgruppe von einem Bär angegriffen und lebensgefährlich verletzt wird, lässt ihn seine Gruppe in der Wildnis zurück. Ein Kampf gegen die Elemente beginnt.

Aus Frust keinen Oscar zu bekommen ist DiCaprio in die Wildnis geflüchtet. Iñárritu ist ihm mit einer Kamera gefolgt und hat ihn wochenlang beobachtet… Es eskalierte schnell.

The Revenant ist für insgesamt 12 Oscars nominiert...


Anfangs des 19. Jahrhunderts tobt in Amerika Krieg. Die neuen Amerikaner gegen die Ureinwohner, alle gegen die Natur. Grenzgänger und Pioniere wagen sich immer weiter in das Land und messen sich mit der Wildnis aus Hoffnung, das große Geld zu machen oder wenigstens über die Runden zu kommen. Für die Bewohner dieses Landes sind die Gefahren zahlreich. Besonders im Winter ist das Land unberechenbar und verzeiht keine Fehler. Gleichzeitig ist es der Natur egal, ob du lebst oder stirbst. Inmitten dieser majestätischen Szenerie spielen sich zahlreiche menschliche Tragödien ab, alle miteinander verbunden und fesselnd erzählt von Alejandro González Iñárritu, der uns nach „Birdman“ ein kleines Meisterwerk präsentiert.

Iñárritu hat eine spezielle Art, Geschichten zu erzählen. Lange Plansequenzen, die ohne Schnitte den Zuschauer zum Teil des Geschehenen machen, sind ein Stilmittel, welches vor allem neue Filmemacher begeistert. Jedoch nur wenige beherrschen sie. Wirklich auffällig wurde diese Technik durch den mexikanischen Filmemacher Alfonso Cuarón, welcher mit „Children of Men“ oder „Gravity“ die Vorzüge dieser Kameraarbeit bewiesen hat. Es fesselt den Zuschauer auf besondere Weise und bietet ihm keine Pause, die Eindrücke und Reize überfluten ihn geradezu. Darin steckt allerdings auch die Gefahr, denn eine zu lange Sequenz kann die Konzentration des Zuschauers auch überfordern.

Iñárritu hat diesen Methode für sich entdeckt und fest in seinen allgemeinen Stil miteinfließen lassen. Während er in „Birdman“ stellenweise noch zu lange solchen Plansequenzen gefolgt ist, und er das Stilmittel fast schon inflationär verwendet hat, versteht er es in „The Revenant“ wesentlich besser, damit umzugehen. Gut, manche Sequenz ist vielleicht doch mal ein paar wenige Sekunden zu lang oder endet in einer gewöhnungsbedürftigen Nahaufnahme, aber Iñárritu übertreibt es nicht. Er benutzt diese Methode nur, wenn es der Szene wirklich behilflich ist und den Zuschauer aus seiner Wohlfühlzone reisen kann, denn bei einer Lauflänge von 156 Minuten kann der Kinositz sehr bequem werden.

... und könnte Leonardo DiCaprio den Oscar garantieren


„The Revenant“ ist aber keineswegs zu lang. Iñárritu arbeitet mit Ruhe, Einsamkeit und Stile, versteht es aber den Film trotzdem packend und mitreißend zu erzählen. Der Film ist in jeder Minute intensiv, dabei packt DiCaprios überaus brutaler Kampf mit einem Bären genauso wie sein Marsch durch die Natur. Iñárritu benutzt viele Momentaufnahmen der Wildnis, zeigt sie in Totalen und unterlegt sie mit den Atemgeräuschen der Figur oder einem knisternden Feuer. Mehr hört man nicht. Damit erhält seine Reise eine starke mythologische Komponente. Ein Dialog mit der Natur und trotzdem ein Streitgespräch. Eine wirksamere Methode, die Einsamkeit und die Stille inmitten der Natur darzulegen, gab es selten. Es hat Ähnlichkeiten mit den Methoden, mit denen Nolan in „Interstellar“ oder Kubrick in „2001“ die Weite und Stille des Raumes darstellen wollten und es gelingt ganz hervorragend.

„The Revenant“, zu deutsch „Der Rückkehrer“, ist eine Abenteuer, eine Rachegeschichte und eine spirituelle Suche nach sich selbst. Aber eine Handlung muss nicht komplex sein, so lange sie fesselnd erzählt wird und das verdankt sie nicht nur Iñárritus Regiearbeit, sondern auch den Talenten Hardy und DiCaprio. Hardy als die Person, an welcher sich DiCaprio rächen will, spielt keinen klassischen Schurken, sondern glaubhaft einen Mann, dessen Leben in der Wildnis nicht spurlos an ihm vorüberging. Weder physisch, noch psychisch. Für seinen Wunsch, endlich aus der Kälte rauszukommen, geht er über Leichen und kreuzt dabei den Weg von DiCaprios Hugh Glass. Wenn man mal davon absieht, dass der wahre Hauptdarsteller die Wildnis ist, spielt DiCaprio eine exzellente Nebenrolle. Er hat kaum Text, aber isoliert von jeglichen Menschen muss er auch nicht viel reden. DiCaprios Herausforderung ist eine Andere. Er muss die Rolle des schwerverletzten, nicht aufgebenden Pioniers gänzlich durch seine Körpersprache, Haltung, Mimik und sogar durch seine Atmung glaubhaft darstellen und es gelingt ihm zu jeder Zeit. Man könnte argumentieren, dass seine Figur vielleicht zu viel überlebt, dass kein Mensch solche Prüfungen überstehen könnte, aber diese Frage stellt sich durchweg nicht, da alles glaubwürdig erzählt und gespielt wird.

Fazit:

„The Revenant – Der Rückkehrer“ ist ein Rohdiamant, welcher noch nicht ganz fertiggeschliffen ist. Hier und da ist noch nicht alles perfekt, aber das ist Meckern auf sehr hohem Niveau und fällt kaum auf, wenn man nicht drauf achtet. Es ist kein knallharter Actionfilm, aber auch kein ruhiger Spaziergang. Der Film hat intensive Sequenzen, aber auch beruhigende und fernwehauslösende Szenerien. Iñárritu arbeitet noch immer an seinem Stil, aber er ist dem Endprodukt sehr nahe. Die Rückkehr von einem exzellenten DiCaprio ist voll und ganz gelungen und sollte unbedingt im Kino gesehen werden.

8,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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