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Kritik:
The Rite - Das Ritual


von Christian Mester

THE RITE (2011)
Regie: Mikael Hafstrom
Darsteller: Colin O Donoghue, Anthony Hopkins

Story:
Kurz vor seiner Priesterweihe beginnt Michael (Colin O Donoghue) an seiner Bestimmung zu zweifeln. Um ihn wieder auf den rechten Weg zu bringen, schickt ihn ein Kollege (Toby Jones) nach Rom, wo er an einem Seminar für Exorzisten teilnehmen soll. Infolge dessen trifft er auf den alteingesessenen Exorzismusexperten Trevaunt (Anthony Hopkins), der Michael mehrere Austreibungen miterleben lässt, eine Reporterin (Alice Braga) und einen myteriösen Kleriker (Ciaran Hinds).

Kritik:
"The Rite": Anthony Hopkins als Exorzist, der dem Teufel die Leviten liest? Klingt spannend, jedoch ist die Vorschau des Films unglücklich, da unpassend gewählt. Der Exorzismusfilm ist weder strikter Horrorfilm ala "Der letze Exorzismus", noch wird er vom ehemaligen Dr. Lecter getragen. Die Hauptrolle spielt vielmehr der eher unbekannte Colin O Donoghue, dessen religiöser Selbstfindungstrip unter anderem eingestreute Horrorelemente aufweist, insgesamt jedoch klaren Dramencharakter besitzt.

Im Mittelpunkt steht der Glaubenskonflikt der Hauptrolle, denn O Donoghue spielt einen jungen Mann, der kurz vor der Priesterweihe steht und feststellt, dass er eigentlich gar nicht an Gott glaubt und seinen beruflichen Weg nur für seinen Vater (nur kurz, aber immer gern gesehen: Rutger Hauer) einschlug. Die Teilnahme am Priesterseminar und den Exorzismen sind folgend als Prüfung zu sehen, die Michaels möglichen Glauben doch noch wecken soll. Es bleibt immer wieder Platz für amüsante, traurige und gruselige Momente, doch was letzteres betrifft, bleibt "The Rite" die Cola Light der Exorzismusfilme.

Alle Klischees des Exorzismusgenres tauchen auf, wenn auch nur in bescheidener Form. Es wird in mehreren Sprachen geflucht, aber nie so ausschweifend wie es Reagan im ersten "Der Exorzist" tat; Gelenke werden in schier unmögliche Posen gedreht, bleiben aber glaubwürdig, menschliche Gesichtszüge verändern sich, werden aber nie zu Monsterfratzen, niemand schwebt und es gibt auch keine explosiven Übergebungen. Das Motiv an sich ist jedoch dasselbe: jemand sitzt auf einem Stuhl und brütet einen Dämon aus, während die Pfaffen Latein- und Bibelphrasen dreschend daneben stehen und Rosenkranz und Kreuze schwingen. Dass das trotz der genreuntypischen Zurückhaltung relativ interessant bleibt, ist Hafstrom und Hopkins zu verdanken. Hafstrom, der zuvor "Zimmer 1408" und "Derailed - Entgleist" inszenierte, zeigt seine Exorzismusmär in schicken Bildern und geschmeidigem Schnitt. Wird es gruselig, ist "The Rite" mit pointiert gesetzten Sounds und Kameraposen durchaus effektiv und die Vater-Sohn-Konflikte des Priesters haben Gewicht. Hopkins als Exorzismus-Großmeister (oder Schwindler?) wird seinem Legendenstatus gerecht und ist einmal mehr hervorragend, auch wenn ihm die Kürze seiner Szenen dabei etwas im Wege steht. Er übernimmt jede seiner Szenen und lässt jeden anderen stramm stehen, fasziniert mit Hingabe und Autorität. Ebenfalls gut sind Toby Jones, Alice Braga und Ciaran Hinds, die noch kürzer auftauchen, den Weg der Hauptrolle jedoch immer wieder interessanten neuen Drall verpassen.

Schade ist, dass die Performance des Frontmanns Colin O Donoghue selbst nur mäßig ist. Der fotogene Schauspieler ist nicht schlecht, kann seine innere Zerrissenheit jedoch nicht wirkungsvoll genug darstellen. Alles um ihn herum ist gut und gibt ihm genügend Vorlagen, doch O Donoghue bleibt blass und nicht in der Lage, stolze Mitte abzugeben - zu keinem Zeitpunkt ist man für ihn, stattdessen will man sogar eher sehen, dass Alice Braga ("Predators") als Reporterin Exorzismus betreibt. Zwar ist es im Film absehbar, dass er irgendwann doch noch zu Glauben finden wird, dass er einem Dämon gegenüber steht und dass er dabei auf sich allein gestellt ist, doch O Donoghue
ist nicht nur als Hauptfigur schwach, es gelingt ihm nicht, die falsche Fährte glaubhaft zu machen,  dass lediglich Schindluder mit geistig Gestörten betrieben wird. Mit der Einfachheit der Handlung und Schwäche in der Hauptrolle lehnt man also gen Hopkins und den Teufelsaustreibungen, die beide ansprechend, aber nie denkwürdig ausfallen. Dafür liegt der Fokus zu sehr auf anderen Momenten, werden die Teufelsaustreibungen nicht ausgereizt, nicht intensiv genug gezeigt. Insbesondere der Showdown bleibt zu klein, zu leise. Ohne das mitreißende Zugpferd einer fesselnden Hauptrolle bleibt "The Rite" somit ein unausgewogener Film.

Fazit:
Vieles im Ritus funktioniert: der Film sieht gut aus, hat spannende, emotionale Momente und eine bis in die Fußnägel gut besetzte Darstellerriege, doch inmitten aller schwächelt die Hauptrolle. Für ein Drama hat "The Rite" zu wenig Zugkraft, für echten Horror gibt es zu wenig Grusel - da hätte Hafstrom sich zwischen eins von beiden entscheiden sollen. Dennoch ein sehenswerter Film, erwartet man nicht gerade die zweite Ankunft Christi.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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