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KRITIK:

THE ROAD


von Christian Mester

THE ROAD (2010)
Regie: John Hillcoat
Cast: Viggo Mortensen

Story:
Nach einer ungezeigten Katastrophe liegt die Welt im Sterben. Der Himmel ist ergraut, alle Tiere und Pflanzen sind tot. Alles ist verwüstet und verlassen. Inmitten der verrottenden Zivilisation suchen ein Vater (Viggo Mortensen) und sein Sohn (Jodie Kefi) nach letzten Nahrungsresten. Bei ihrem Überlebenskampf gegen Wind, Wetter und Hunger sind sie stets in Angst, denn die wenigen anderen Überlebenden essen notbedingt Ihresgleichen...

Um sich auf ihre Rollen vorzubereiten, aßen Mortensen und Smit-McPhee
gemeinsam Grillen.

Kritik:
Elf Monate liegen bei Hillcoats aufwendiger Romanverfilmung zwischen US- und Deutschlandstart. Das sind zwar noch zwei weniger als bei "Moon" (Ungeduldige haben längst zur US-DVD gegriffen, die es sogar schon zum Schnäppchenpreis gibt). Dabei ist der Film sogar noch älter. Bereits 2008 abgedreht, sollte er schon im Winter vor zwei Jahren anlaufen, doch nach mehreren Verschiebungen verspätete sich der Film immer weiter. Hat sich die lange Wartezeit gelohnt oder hat er wie manch andere Verspätung zu Recht Staub angesetzt?

"The Road" ist die Umsetzung des gelobten Bestsellers von Cormac McCarthy, der bereits die Vorlage des Oscar prämierten Werks "No Country for Old Men" geschrieben hat. Ausgangspunkt dieser Geschichte ist jedoch ein wesentlich fiktiverer. War der ungewöhnliche Rache-Thriller der Coen Brüder eine recht gewöhnliche Geschichte der Gegenwart, ist seine Straße ein außerordentlich nihilistischer Blick auf eine mögliche Zukunft in der alles förmlich in seinen letzten Atemzügen liegt. Es ist in etwa dieselbe Ausgangslage wie in "The Book of Eli", doch noch extremer, karger, hoffnungsloser und inhaltlich gänzlich ohne Action und in ganz anderer Stimmung. Der namenlose Vater und sein Sohn bekommen es unterwegs zwar mit gefährlichen Banditen und Kannibalen zu tun, doch mit ihren gerade einmal zwei Patronen, ihren ausgehungerten Leibern und ganz ohne handlichem Katana haben sie wenig Chancen auf Sieg. Die Patronen sehen sie eher als Potential für schnellen Eigentod, bevor man anderen in die Hände fällt und Undenkbarem ausgesetzt wird. Demzufolge kontrastiert ihr Trip im Extrem zum popcornlastigen Action-Film mit Denzel Washington.

Geht Eli geradewegs auf jeden zu und zückt im Konfliktfalle sein Schwert, flüchten und verstecken sich die beiden Straßengänger bei jeder möglichen Bedrohung. Diese Angst ist der Kern des finsteren Dramen-Thrillers, der einen grausigen Kampf ums Überleben und den schmalen Grat zwischen Mensch und Bestie zeigt. Da wäre Viggo Mortensen, der in der herzzerreißenden Kluft des hoffnungslosen Vaters die wohl beste Performance seiner Karriere hinlegt. Glaubhaft kämpft er in der Einöde ums Überleben seines Kindes, treibt sich in der mutlosen, schier toten Welt voran und leidet bibbernd, dass es einfach Mitgefühl erweckt. Ebenfalls gut ist der (damals) gerade einmal 12jährige Kodi Smit-McPhee, der eine selten gesehene Kinderrolle spielt. Er ist kein nervender Ballast, kein neunmalkluger Taugenichts ala Jaden Smith in "Der Tag, an dem die Erde stillstand 2008", sondern ein ebenso realistisch agierender Jungdarsteller, dessen fehlende Reife und drohende Ausweglosigkeit der Rolle sitzen und die zu erwartenden Konsequenzen zum Kloß im Halse machen. Kaum wieder zu erkennen sind Robert Duvall und Guy Pearce als Reisende, die ebenso wie jede andere spärliche Kleinrolle gut besetzt sind. Serienfans erkennen TV-Terminator Garrett Dillahunt aus "Terminator: Die Sarah Connor Chroniken" und wenn man schon mal dabei ist, Michael K. Williams aus "The Wire".

Nach Abschluss der Dreharbeiten im März 2008 nahm sich Method Actor
Viggo Mortensen Bis Mai 2010 Auszeit

In mehreren kleinen Flashbacks kommt noch Charlize Theron zum Zuge, die die Hoffnungslosigkeit als depressive Betroffene nicht ertragen kann. Was Hillcoat und McCarthy gezielt vermeiden, ist es, eine fachliche Erklärung für das Geschehen zu bieten. Es gibt Andeutungen und manchmal kann man es sich anhand der Szenerie erdenken, doch beiden geht es nicht um das "Warum" oder "Wieso", nur um das "Wie überleben unter den Bedingungen"? Die Rückblicke sind dabei wichtig, die Ausgangslage der beiden Nomaden zu beleuchten.

Setting und Regie gehen eins in eins zusammen. Regisseur John Hillcoat fiel bereits positiv mit seinem düsteren Western "The Proposition" mit Guy Pearce auf, zur "Straße" ist da auch der noch ein gewaltiger Sprung. Die gerade einmal 20 Millionen Dollar leichte Produktion erschauert mit erschreckend realistischer Zukunftsperspektive, die den merklich teureren "Resident Evil 3: Extinction" (doppelt so teuer) und "The Book of Eli" (viermal so teuer) zeigt, was wie man es machen sollte. Egal ob es verlassene Strände, Vorstadtausläufer oder auch einfach nur tote Highways sind, "The Road" ist visuell, atmosphärisch einer der packendsten Filme der letzten Jahre und ein Meisterwerk hinsichtlich seiner Ausstattung. Zahllose Bilder brennen sich in den Kopf, lassen erstaunen. Schon nach wenigen Minuten hat man sich in der beklemmende Ödnis der Welt eingefunden, die bis zum Abspann ein trostloser, unerbittlicher Platz bleibt. Kein Dryland, kein Shang-Ri-La, kein strahlendes Happy-End. Hillcoat ebnet sich der Stille der Situation an, weiß aber, die Kamera in den Spannungsmomenten zu elektrisieren. Gebannt harrt man mit den Versteckten aus, den Atem anhaltend, ob die Kannibalen sie wohl finden mögen .

Wie jede gute Sci-Fi Geschichte, und eine solche ist "The Road", lässt der Film nachdenken. Man selbst überlegt sich, ob eine solche Perspektive realistisch ist und noch eher, wie man sich an Stelle der Gezeigten verhalten würde. Dass alles im Film authentisch und anfassbar aussieht, unterstützt die Vorstellungen ungemein. Ebenso darf man sich fragen, ob es besser ist, in einer weltweiten Katastrophe zu sterben, sie zu überleben oder sogar darin geboren zu werden. Findet der Sohn im Film zum ersten Mal eine Cola Dose und fragt, was das ist, wirkt das. Dennoch ist "The Road" kein Film, der sich in purem Nihilismus suhlt. Es zeigt eine solche Welt und den fürchterlich grausigen Überlebenskampf in dieser, doch der Film ist kein plakativ farbloser Block voller Leid und Schmerzen ala "Die Passion Christi", "Menschenfeind" oder Uwe Bolls "Siegburg". Was immer bleibt, ist das Herz und die Hoffnung der beiden, die wie sie selbst sagen, das "Feuer" ihres Weges sind. Leider gibt es eine einzelne auffällige Szene im Film, die negativ hervorsticht. Inmitten eines anscheinend recht sicheren Unterschlupfs kommt unbegründete Angst auf, die in erneuter Flucht und damit erneuten Aussetzens schwerer Gefahren resultiert. Abgesehen von dieser schwerlich nachvollziehbaren Entscheidung (die wirkt, als habe man zu schnell ein zu glattes Ende gefunden und dann noch vor, weitere Asse auszuspielen, sprich, den beiden noch mal mehr abzuverlangen) agieren die beiden Reisenden ansonsten zum Glück nachvollziehbar. Die Handlung selbst ist relativ linear und wenig vorhersehbar, spannend inszeniert und trotz weniger Dialoge nie langatmig. Untermalt wird die ziellose Reise zweier zukünftig Toter ähnlich karg wie seine Umgebung, aber überaus gelungen.

Fazit:
"The Road" ist eine düstere Zukunftsvision, die in beeindruckend beklemmenden Bildern festgehalten ist und in der richtigen Situation zu Tränen rühren kann. Wieso der Film im Frühjahr bei den Oscars kein einziges Mal nominiert war, will und kann nicht verstanden werden.

9 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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