BG Kritik:

The Rover


von Michael Eßmann

The Rover (AUS, 2014)
Regisseur: David Michôd
Cast: Guy Pearce, Robert Pattinson, Scoot McNairy

Story:
10 Jahre nach einem nicht näher definierten Kollaps wird Guy Pearce im australischen Ödland sein Auto gestohlen. Der will das aber absolut nicht hinnehmen, und nimmt die Verfolgung auf, bereit für sein Fahrzeug über Berge von Leichen zu gehen.

Der Eröffnungsfilm des Fantasy Filmfest 2014, und um es vorweg zu nehmen, es ist ein kleiner Brocken von Film geworden. Hierfür sei einmal mehr ein von Herzen kommendes Dankeschön den Veranstaltern des Filmfestes gewidmet, welche regelmäßig solchen eher kleinen, unorthodoxen filmischen Werken einen Platz bieten, im deutschen Kino zu wirken. Denn abseits dieses Festivals schafft „The Rover“ nicht den Sprung in die heimischen Lichtspielhäuser, sondern erscheint (dafür wenigstens zeitnah) am 31. Oktober 2014 fürs Heimkino.

Pattinson versucht, seinem Twilight-Image zu entkommen


Die menschliche Zivilisation steht am Abgrund, der Grund bleibt ungewiss, und mehr als eine kurze Einblendung, wonach vor 10 Jahren ein Kollaps stattfand, geben Regisseur David Michôd („Königreich des Verbrechens“) und sein Co-Drehbuchautor Joel Edgerton (ja, der Schauspieler aus u.a. dem großartigen „Warrior“) dem Zuschauer nicht mit auf den Weg. Stattdessen taucht man direkt ein in eine heiße, staubige, raue, brutale und über alle Maßen ungemütliche Welt, in der das Überleben des angebrochen Tages ungewiss, und die Menschlichkeit längst auf der Strecke geblieben ist. Jeder ist sich selbst der Nächste, und wer nicht höllisch aufpasst, bekommt auf eine Frage einer Kugel als Antwort zwischen die Augen. Ein Menschenleben ist absolut nichts wert, in dieser Tatsache sind sich hier nahezu alle Beteiligten einig. Man hat nur wenig, meist nur was man am Leibe trägt, Benzin und Nahrungsmittel sind Mangelware, und die präsentierte Welt könnte wohl auch problemlos als Vorläufer der Welt aus den „Mad Max“-Filmen durchgehen, da auch diese Welt nur Blut und Feuer und Nihilismus in Reinkultur ist.

Inmitten dieser ungemütlichen Zukunft sitzt Eric (Guy Pearce), welcher eigentlich nur kurz die staubige Straße verließ um Rast zu machen und etwas Wasser in die ausgedörrte Kehle zu kippen, als ihm unversehens sein Wagen von drei bewaffneten Gestalten (u.a. Scoot McNairy) entwendet wird. Ganz offenbar auf der Flucht, den eigenen Wagen in den Graben gefahren und im wahrsten Sinne in den Sand gesetzt, machen sich die Herren auf, in Erics Wagen ihren Trip fortzusetzen. Der denkt allerdings keine Sekunde daran, sich diese Dreistigkeit bieten zu lassen, setzt den zurückgelassenen Fluchtwagen wieder auf die Straße, und nimmt die Verfolgung auf. Alsbald darauf trifft Eric auf den geistig zurückgebliebenen Rey (Robert Pattinson), welcher sich blutend und auf der Straße liegen gelassen, als Mitglied der Bande entpuppt, welche sich zuvor Erics Wagen widerrechtlich aneignete. Eric sackt den Jungen Mann ein, ohne eigentlich genau zu wissen wofür, hoffend, dass dieser ihn zu seinem Wagen bringen kann. Der Beginn eines Roadtrips durch ein post-apokalyptisches Wüstenland, und der Anfang vom Ende für viele, welche den Weg von Eric und Rey kreuzen.

The Rover: wortkarges Kleinod


Guy Pearce spielt seinen Charakter als einen durch die vergangenen 10 Jahre abgehärteten und stoischen Hund, welcher um sein Ziel zu erreichen nicht davor zurück schreckt, Waffen an Köpfe zu halten und ohne Wimpernzucken den Abzug zu betätigen. Durchweg glaubwürdig, aber lange Zeit ohne Tiefen oder erkennbare Beweggründe. Denn was Eric dazu treibt, sich in dieser kaputten Welt so derartig an einen weltlichen Besitz wie einen speziellen Wagen zu klammern, bleibt lange verborgen. Und angesichts der in den gut 100 Minuten folgenden Tour des Todes angehäuften Leichen, muss schon was Großes dahinter stecken, möchte man meinen. Was denkt sich der Typ eigentlich dabei, oder ist es das Alles überhaupt wert? Denn wenn da nicht 500 Millionen Dollar in bar versteckt sind, überzieht Eric hier womöglich deutlich. Wobei Pearce dies aber wie gesagt immer glaubwürdig zu vermitteln weiß, wodurch das Rätselraten nur spannender wird. Die wahre darstellerische Offenbarung ist aber Robert Pattinson. Denn anders als bei einem Guy Pearce erwartet man von einem Pattinson eben keine schauspielerische Glanzleistung voller nuancierter Details, ganz und gar sensibel und ohne den Hauch von Overacting. Spätestens mit der Rolle des einfältigen aber undurchsichtigen Rey sollte es Pattinson gelingen, aus dem „Twilight“-Schattendasein herauszutreten. Verdient hätte er es allemal, denn dessen Performance erscheint gar preisverdächtig.

Inszenatorisch zelebriert Regisseur David Michôd mit seinem „The Rover“ eine Ode an die Langsamkeit und der wenigen Worte, und garniert die Reise von Eric und Rey nur mit kurzen, aber blutig ausfallenden Action-Momenten, und verzichtet gar auf große Showdowns. Stattdessen gibt es kurze, knackige und überraschende Kills. Dabei fühlt sich „The Rover“ aber ab und an etwas zu langsam an, da man gar nicht so viel zu erzählen hat, und negativ könnte man gar meinen, „The Rover“ führt nirgendwo hin. Dies allerdings in einem wuchtigen und atmosphärischen Maß, wovon andere post-apokalyptische (Road)-Movies nur träumen können. Traumhaft, oder vielmehr alptraumhaft kraftvoll und wirkungsvoll kommt auch der Score daher; ein dröhnend sphärischer Sturm, welcher da durch die Australische Wüste fegt. Der inhaltliche Ton des Films bleibt dabei zu 99 Prozent so trocken und rau wie jene schöne Wüstenlandschaft, nur von zwei bis drei Momenten der Situationskomik durchzogen, bewusst vor den Kopf stoßend, und dort vermutlich noch ein Weilchen haften bleibend. Auch und vor allem deshalb, weil sich der Film selbst, seine Welt und darin existierende Charaktere ebenso ernst nimmt, wie seine Zuschauer. Von diesen aber auch Sitzfleisch einfordert, da gefühlt etwas länger als real. Ausgestattet mit einem mit großer Wahrscheinlichkeit spaltendem Ende, welchem dem einen oder anderem Zuschauer sicher zu weit geht, aber welches das zuvor Gesehene noch unfassbarer macht, und die Absurdität dieser Realität noch weiter ausbaut. Hätten die Kreativen davon abgesehen, und die Beweggründe offen gelassen, so wäre es ohne Zweifel mysteriöser, aber ganz ohne Zweifel auch weniger zynisch und leicht(er) verdaulich, dadurch aber womöglich auch schneller vergessen.

Fazit:

Mit „The Rover“ serviert David Michôd ein konsequentes, knochentrockenes, wortkarges und vor allem hoffnungsloses Kleinod von post-apokalyptischen Film, welcher ein bisschen nachdenklich stimmt und nachwirkt, aber auch zeitweise zäh wirkt. Getragen von tollen Landschaftsaufnahmen, Guy Pearce und - nun mag man ihn tatsächlich so nennen - dessen Schauspielkollege Robert Pattinson.

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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