BG Kritik:

The Shallows


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

The Shallows (US 2016)
Regisseur: Jaume Collet-Serra
Cast: Blake Lively

Story: Ein abgelegener und somit einsamer Strand, irgendwo an der mexikanischen Küste: Medizinstudentin Nancy Adams (Blake Lively aus Savages und Für immer Adaline) surft gedankenverloren in den türkisfarbenen Wellen, als ein Weißer Hai sie attackiert, und blutend auf einen Felsen vor der Küste treibt. Der Anfang eines Überlebenskampfes, nur einige hundert Meter entfernt vom rettenden Ufer.

Haialarm in Mexiko, aber ohne Ralf Moeller.

Vom Regisseur des unterschätzten Orphan


Satte 41 Jahre nachdem uns Steven Spielberg mit seinem Meisterwerk Der weiße Hai die unbeschwerte Freude am Baden im Meer verdarb, schickt sich sein Kollege Jaume Collet-Serra an, es uns endgültig mit dem kühlen Nass zu vergrätzen. Begann Collet-Serra sein Wirken im Kino noch ein wenig ungelenkt, als er Paris Hilton in seinem Debüt durchs House of Wax irren ließ, folgte bereits im Nachfolger Orphan - Das Waisenkind, ein ungemein stärkerer und auch deutlich atmosphärischer Horror-Thriller. Drei (mindestens solide, bis gute) Action-Werke mit Liam Neeson später, schickt er sich nun nach Unknown Identity, Non-Stop und Run All Night wieder an, erneut Horror zu verbreiten. Genauer gesagt Tier-Horror, im Mix mit einem Überlebens-Thriller. Der neue Der weiße Hai, oder wenigstens The Reef?

Zunächst stellt Collet-Serra seine Heldin und einzige Hauptfigur Nancy vor, und erklärt über ihr Smartphone transportiert - u.a. via durchscrollen von Bildern und einblenden von Nachrichtenverläufen - kurz deren Lebensumstände und Motivation hinter dem Trip, und erinnert mit der Art des Arrangements, an seinen eigenen Non-Stop. Schön gemacht, trifft Technik die Natur, in einer stimmigen Bildkomposition, so wie die (offenkundig sehr hungrige) Natur später auf Nancy trifft. Am Strand angekommen trifft Nancy allerdings zunächst auf zwei einheimische Surfer, und die ganze Situation erinnert an Danny Boyles Survival-Drama 127 Hours. Vielleicht hätte jener 127 Hours Nancy auch lehren sollen, nicht allein loszuziehen, oder zumindest jemandem anzukündigen, wo genau man sie finden bzw. suchen kann. Da der Strand hier aber so geheim ist, dass man nicht mal seinen Namen nennen darf und Nancy das solo Surfen auch nicht plante, sei das verziehen, da es innerhalb der Filmlogik, völlig ok erscheint. Und an die GPS-Funktion des ansonsten sehr intensiv genutzten Smartphones, hat Nancy dann wohl schlicht und einfach nicht gedacht. Also cremt sie sich ein, streift das Neopren Oberteil über den knappen Bikini und stürzt sich in die kristallklaren Wellen vor der Küste. Natürlich in Zeitlupe, und im Baywatch-Style. Unwissentlich, direkt in die Futtergünde eines großen Weißen zu reiten.

Eine junge und hübsche Frau surft, wird dabei von einem Hai attackiert und muss in der restlichen Laufzeit um ihr Überleben bangen und kämpfen. Die Handlung von The Shallows ist entsprechend dünn, aber genau das ist auch gut so. Hier mehr rein zu quetschen als notwendig, erscheint völlig überflüssig. Das hatten die sichtlichen Vorbilder 127 Hours oder Gravity auch nicht nötig, der hier ebenso wenig. The Shallows ist ein simpel aufgebauter Survival-Thriller, in dessen Zentrum eine junge Frau steht, die auf einem Felsen festsitzend, von einem Hai umkreist wird, während sie blutet, friert und vor der nahenden Flut zittert. Wer hier mehr erwartet, sollte vermutlich einem anderen Film seine Aufwartung machen und in einem großen Bogen um The Shallows herum schwimmen. Selbiges gilt, wenn man gar kein Blut sehen kann, denn The Shallows ist hier und da durchaus blutig, wobei die FSK-Freigabe ab 12 angepeilt wurde. Das könnte knapp werden, so im Anbetracht einiger Momente, da ab und an schon was an Details in Nahaufnahmen zu sehen sind, und auch Körperteile fehlen. Richtig fies wird es aber nur selten, auch wenn man schon mitleiden dürfte, wenn Medizinstudentin Nancy sich notdürftig zusammen flickt und mit ihrem Verstand versucht, zu überleben. Eben ganz ähnlich wie James Franco in 127 Hours oder Sandra Bullock in Gravity, nur versetzt in das Umfeld aus z.B. The Reef.

So gelungen wie Alfonso Cuaróns Überlebenskampf im All oder Boyles Drama zwischen den Felsen ist Collet-Serras Alptraum eines jeden Wassersportlers dann zwar leider nicht, aber er hat seine Qualitäten zu bieten. So ist er u.a. schön spannend und perfekt kurzweilig, in 86 knackige Minuten verpackt. Zudem zeigt er die Natur in all ihren Formen und Farben. Denn der Spanier fährt hierbei wunderschöne Landschafts- und Unterwasseraufnahmen wie in Die Tiefe oder Into the Blue auf, gekoppelt mit mindestens so vielen Aufnahmen vom Hinterteil von Blake Lively, wie sie jener Into the Blue von Jessica Albas Rückseite hatte. Ja, gefühlt verbringen Livelys Hinterbacken hier deutlich mehr Zeit im Bild, wie der Hai. Annähernd wie bei einem Michael Bay (Transformers) wird in Zeitlupe an den Kurven der Darstellerin entlang gefahren, sowie kurz am Po verweilt und in den Ausschnitt geblickt. Dezent und subtil sieht anders aus. Insgesamt nutzt Collet-Serrat hier sehr viele Zeitlupen, satte Farben, und präsentiert seinen Thriller wie einen Gruß von der Raffaello- oder Bacardi-Insel und in perfekter Hochglanz- und Werbefilm-Ästhetik. Das funktioniert gut im Kontrast mit dem Schrecken der Tiefe, und erscheint absolut sinnvoll und wirkungsvoll gewählt. Vor allem wenn hier und da bereits ein Schatten durch die kristallklaren Wellen zu erkennen ist. Ähnlich wie Spielberg vermeidet es auch Jaume Collet-Serra, uns den Hai zu früh und komplett zu präsentieren. Er ist eher ein Gefühl, ein lauerndes Unheil unter der Wasseroberfläche, um dann blitzschnell zuzuschlagen. Die Attacke selber ist dann sehr dynamisch bebildert, und man findet sich mittendrin im Angriff, allerdings ohne das Biest zu sehen, macht auch nur einen Bruchteil der Handlung aus und lässt einiges an Nachschnappen folgen. Der Rest besteht größtenteils aus einer schluchzenden und weinenden, und mittels Improvisationstalent ums Überleben kämpfenden Nancy. Blake Livelys Figur (damit ist nicht gemeint, wie sie den Bikini ausfüllt) hat dabei auch genug zu bieten, um Nancy als Person mit menschlichen Ecken, Kanten und Problemen ausmachen zu können. Fertig, mehr braucht man nicht, zumal Lively wirklich gelungen und glaubwürdig spielt, und den Film sehr ordentlich zu tragen vermag. Sie heult, blutet, leidet und kämpft real wirkend um ihr Leben.

Ob es bei Erfolg weitere Teile geben wird?


Und der Hai? Wird das Tier als eine menschenfressende Bestie dargestellt? Ja, absolut. Ob das falsch ist mögen Fachleute entscheiden, aber in absoluten Zahlen gab es in den letzten fünf Jahren immerhin 490 verzeichnete Angriffe von Haien auf Menschen, von denen immerhin 45 tödlich für den Menschen endeten. Nur so zum Vergleich, allein in Deutschland sterben im Jahr durchschnittlich 14 Menschen an den Folgen einer Fischvergiftung. Der Hai hier fällt jedenfalls in die Kategorie des Menschenfressers und will offenkundig die erstgenannte Statistik für 2016 nach oben treiben, in dem er sich einen oder auch zwei Snacks mehr zwischen die Kiemen schiebt. Das mag nicht realistisch sein, aber funktionell und treibt den Angstschweiß auf die Stirn. Zudem sieht der im Computer entstandene Hai bis auf wenige Ausnahmen auch sehr gelungen aus. Erst in Richtung Ende und im Detail werden Schwächen im CGI ersichtlich. Ab kurz davor wird es aber eh schlechter, denn so gut wie der sich langsam aufbauende, atmosphärische Schrecken hier funktioniert, und so sehr man dann auch im Mittelteil noch mitfiebert, fast so extrem bricht der Film dann letzten Endes auch ein. Denn leider schlägt The Shallows dann etwas zu sehr um, und ist dann nur noch ein launiges, leicht voyeuristisches B-Movie. Das ist deshalb schade, weil die ersten zwei Drittel so viel stärker rüber kommen, und das Trash- und Action-Finale wie ein unpassendes Anhängsel rüber kommt. Ja, The Shallows ist wie vom Marketing versprochen ein „atemberaubend spannender Thriller“. Und er ist ein intensiver, instinktgesteuerter Adrenalin-Trip, bei dem man aufgeregt im Sessel hin und her rutscht. Aber er ist im Finale auch ein trashiges B-Movie, welches den Fokus zu sehr auf Action legt und dann auch bei der Computeranimation patzt. Die vorangegangenen Momente der schieren und nackten Panik der Attacken und das Gefühl des völligen ausgeliefert seins auf dem Felsen, beißen sich etwas zu sehr mit den folgenden, unlogisch erscheinenden Momenten. Offenkundig konnte man sich nicht entscheiden, ob man todernster Survival-Thriller oder doch ein trashiger B-Monster-Movie sein will. Der Mix daraus kommt dann leicht unharmonisch rüber.

Als launiges B-Movie funktioniert The Shallows - Gefahr aus der Tiefe über nahezu die volle Distanz, aber als ernsthafter Survival-Thriller bricht ihm der hohe Trash-Anteil am Ende doch so einige Gräten. The Shallows gehört dadurch auch wieder in die Kategorie der trashig angehauchten Hai-Filme, anstatt die zuerst vorgelebte, realistische Ernsthaftigkeit - die dem Überlebenskampf erst seine Dynamik verleiht - bis zum Schluss zu folgen und völlig auszuleben. Ein The Reef schaffte das besser, hatte aber dafür schwächere Darsteller und einige Macken in der Inszenierung. Der Trash-Anteil in The Shallows nimmt zwar nie derartige Untiefen eines Alexandre Ajas Piranha 3D (und schon gar nicht dessen 3DD Nachfolgers) an, aber bis zu einem ungefähr auf Renny Harlins Deep Blue Sea Level geht es aber schon am Ende hinab. So entsteht im Ganzen ein speziell im finalen Akt recht trashiger Überlebenshorror, der aber immer noch ein gutes Stück besser als Bait – Haie im Supermarkt und ganz sicher auch als Shark Night ist. Den das ganze Sub-Genre des Hai-Horrors zur Farce verkommen lassenden Kollegen vom Schlage der Sharknados, Ghost- und Sand Sharks - und er weiß wie vielen weiteren Billigproduktionen mit Haien im Titel - schwimmt The Shallows aber qualitativ um Meilen davon. Das hier ist nicht so blöd, dass es ab und an schon wieder gut ist. Nein, das ist phasenweise so gut, dass es einen sauer aufstößt, wenn es blöd wird, da gefühlt noch ein gutes Stück mehr drin war, als nur ein guter Hai-Thriller.

Fazit:

Man nehme Der weiße Hai, füge einen Schuss Open Water und eine große Portion The Reef hinzu, dann bekommt man in etwa The Shallows, und damit einen recht ordentlichen Tierhorror-Thriller, mit Blake Lively in Badewäsche. Nicht der beste Haifilm seit 41 Jahren, aber deutlich einer der besseren Vertreter und ein Schritt in die richtige Richtung. Luft nach oben bleibt aber noch deutlich.

6 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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