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VORLAGENKRITIK:

DAVID FINCHER'S
THE SOCIAL NETWORK
Buchtitel:
The Accidental Billionaires -

The Founding of Facebook. A Tale of Sex, Money, Genius and Betrayal, Ben Mezrich


von Christian Mester

Vorwort:
Ein Film über die Entstehung des Web-Netzwerkes Facebook? Wie gehaltvoll könnte das schon sein? Fragt man Kultregisseur David Fincher ("Fight Club", "Sie7en"), nickt dieser mit wissenden Lächeln. "The Social Network", so der Titel von Aaron Sorkins Drehbuchadaption des Bestsellers "The Accidental Billionaires - The Founding of Facebook: A Tale of Sex, Money, Genius and Betrayal (dt. Titel':Milliardär per Zufall - Die Gründung von Facebook: eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft und Betrug") von Ben Mezrich galt in den letzten Monaten als der heißeste Stoff Hollywoods. Kein Wunder also, dass sich ein Ausnahmeregisseur wie David Fincher der Sache annahm und alles daran setzte, Sorkins Vorlage in einen hochkarätigen Film zu verwandeln. Hört man sich branchenweit um, soll auch dieser, der bislang jeglichen Trailer missen lässt, einer der besten Stoffe des Jahres werden (Release: Herbst 2010). Was genau war es jedoch, das Mezrichs Buchvorlage derart vielversprechend machte?

Inhalt:
Ben Mezrichs "The Accidental Billionaires" ist eine nachgestellte Nacherzählung der Entstehungsgeschichte des ungeheuer beliebten Online-Netzwerks Facebook, basierend auf öffentlichen Informationen und Gesprächen mit Beteiligten. Nicht beteiligt war Mark Zuckerberg selbst, der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Geschichte ist.

Es wird erzählt, wie Harvard-Student Zuckerberg eines Tages ein Studentennetzwerk erfindet um damit seine Chancen, eine Freundin zu finden maßgeblich zu erhöhen. Seine Idee fasst schnell Fuß und ist alsbald auch auf anderen Elite-Universitäten im Einsatz, bevor es größere Investoren findet und Facebook sich aufmacht, 400 Millionen Nutzer zu bekommen. Hauptsächlich geht es darum, wie Zuckerberg die Unterstützung verschiedener Helfer ausnutzt, mit ihnen die Erfolgsleiter hinaufklettert und dabei nach und nach beginnt, all seine Freunde zu verlieren, sprich, die typische Story einer verfilmten Lebensgeschichte (Außenseiter, Erfolg durch Talent/Glück, Konflikt)...

Im Film spielen folgende Personen die wichtigsten Rollen:

Mark Zuckerberg - Jesse Eisenberg ("Zombieland") spielt den Facebook Schöpfer, einen introvertierten Computernerd, der berechnend wie ein Rechner denkt und emotionslos immer nur den nächstgrößeren Erfolg im Auge hat.

Andrew Garfield - ("Das Kabinett des Dr. Parnassus") der Darsteller des neuen Spider-Man, spielt Eduardo Saverin, Zuckerbergs Harvard-Kollege, der die ersten Finanzierungen beitrug, sich Co-Gründer nennt und einige Zeit großer Teilhaber der Firma war. Es ist die zweite Hauptrolle und der tragische Held der Geschichte.

Justin Timberlake - Ex-NSYNC Sänger und Tänzer Timberlake spielt Sean Parker, einen jungen Geschäftsmann  und Playboy, der  Geld und Frauen liebt und vergebens versucht, die nächste große IT-Legende zu werden.

Joseph Mazzello - der kleine Tim aus "Jurassic Park" spielt Dustin Moskovitz, einen reinen Ja-Sager und Handlanger Zuckerbergs.

Armie Hammer - der Schauspieler, der 2009 beinahe Batman in "Justice League" gespielt hätte, spielt Cameron Winklevoss, einen Konkurrenten Zuckerbergs, der jenen auf Ideenklau verklagte

Rooney Mara - die neue Nancy aus dem "ANOES" Remake spielt Erica, eine unwichtige Freundin des Genies.

Jesse Eisenberg ist Mark Zuckerberg

Zunächst einmal sei gesagt, dass es unweigerlich schwierig wird, "The Social Network" als Film näher einzuschätzen. Das liegt daran, dass David Fincher ein ungeheuer visuell denkender Regisseur ist, der all seine Filme (u.a. "Alien 3", "Benjamin Button", "Panic Room", "Zodiac") auf spezielle Weisen einfängt. Sieht man sich die Kamerafahrten in "Panic Room", die Szeneninszenierung "Fight Clubs" oder die unheilvolle Bildsignatur "Zodiacs" an, wird klar, dass ein Fincher unabhängig von der Grundlage interessante und sehenswerte Motive erstellen kann.

Was man jedoch anhand Mezrichs Buchvorlage vorab bestimmen kann, ist der eigentliche Nährwert der Geschichte. Die Grundlage ist unweigerlich interessant: ein scheinbarer Niemand wird im Laufe eines Jahres zum Millionär, darüber hinaus zum Milliardär. Das ist auch schon der erste ernüchternde Punkt, da "The Social Network" diesbezüglich viele Erwartungen erfüllt. Viel Zeit wird damit verbracht, wie Zuckerberg allein oder mit Freunden vor seinem PC sitzt und nächtelang Webseiten bastelt. Der langweilige Teil heutiger Erfolgsgeschichten ist die Tatsache, dass sie mit eher unspektakulärer Computerarbeit zu tun hat. Keine größeren Reisen, keine verrückten Aktionen, keine ungewöhnlichen Vorstellungstermine. Dazu kommt, dass man selbst ohne nähere Vorkenntnis erraten kann, wie der weitere Karrierenverlauf Zuckerbergs aussieht: immer höhere Anmeldezahlen locken immer ergiebigere Investoren.

Was man versucht, und das dürfte gerade hinsichtlich der Besetzung sehr interessant werden und erklärt auch, wieso Mark Zuckerberg selbst nicht beteiligt ist - der Facebook Gründer wird als interessante, aber recht unsympathische Person gezeigt. Anfangs berüchtigter Hacker-Bad Boy des Campus, ist Zuckerberg ein undurchschaubarer, seltsamer Vogel, der selbst in millionenschweren Geschäftsmeetings Badelatschen trägt, ungern mit Menschen redet und nie loslassen kann. Eine kühle Persönlichkeit, die Schulter zuckend über Leichen geht, so lange es der Effizienz seines Unternehmens zu Gute kommt, selbst aber wenig auf Geld und den damit resultierenden Ruhm gibt. Eine echte Herausforderung für Eisenberg, der zwar schon öfters schüchterne junge Leute gespielt hat, bislang aber immer charismatisch wirkte. Aber - Zuckerberg verdankt seinen Erfolg größtenteils reinem Glück, dass er die richtigen Freunde traf. Im Gegensatz zu Biopics wie "Walk the Line" oder "Ray" fehlt Zuckerberg also strahlendes Talent. Saverin hingegen ist eine durch und durch gute Seele, die es mit Geduld und ehrlicher Arbeit schaffen will, gleichzeitig aber immer Angst hat, seine Harvard-Verpflichtungen aus den Augen zu lassen. Vielversprechend ist der Beziehungsaspekt der beiden, da beide den Aufstieg ihrer Karrieren und auch ihre gegenseitigen Kontakte mit jeweils anderen Augen sehen.

Justin Timberlake ist Sean Parker

Präsent, aber letzten Endes eher weniger wichtige Aspekte sind zwei Punkte, die schon im Buchtitel vorkommen: Betrug und Sex. Ersterer líeß sich ebenfalls im Vorfeld vermuten, da Zuckerbergs portraitierte, effizienzorientierte Person unweigerlich Konflikte heraufbeschwört und es wie bei jedem aufkommenden Erfolgsprojekt Nebenbuhler und Neider gibt, wobei sich hier immer noch Freiraum für die Frage bietet, ob der Erfolgssprung Zuckerbergs moralisch in Ordnung war. Die Aktionen und Versuche der Gegenparteien sind jedoch reichlich uncinematisch.

Sex hingegen spielt eine nur untergeordnete, fast schon irrelevante Rolle. Erfolg macht die beiden mit fehlender Selbstsicherheit und Schüchternheit plötzlich attraktiv fürs schöne Geschlecht, wobei keiner von beiden eine annähernd bedeutsame Beziehung bekommt. Insgesamt ist "The Social Network" eine Vom-Tellerwäscher-zum-Mill... nein, stimmt nicht ganz. Als Harvard-Student blühte Zuckerberg ohnehin eine großartige Karriere, von daher ist es keine allzu große Wundergeschichte eines Niemands, sondern die eines Harvard-Studenten, der nicht nur erfolgreich, sondern supererfolgreich wurde.

Fazit:
Kein Frage, dass "The Social Network" optisch ein sicherlich sehr ansprechender Titel werden wird, doch im Vergleich zu anderen Projekten ist er inhaltlich doch etwas dünn befüllt. Im Vergleich zu anderen Biopics fehlen einige eklatante Aspekte: das beeindruckende Talent, die aufregenden Karrierestufen, Unterhaltsamkeit des eigentlichen Erfolgrezepts, größerer Konflikt. Es bleibt zu hoffen, dass Fincher mehr aus der Sache macht, da die Vorlage halbwegs interessant, aber alles andere als kinoreif ausfällt.


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