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Kritik:
The Spirit


von Christian Mester

The Spirit
(2007)
Regisseur: Frank Miller
Cast: Gabriel Macht, Scarlett Johansson, Samuel L Jackson

Story:
Denny Colt (Gabriel Macht) war einst Polizist in Central City, doch seit
einem Überfall - den er eigentlich nicht hätte überleben dürfen - geistert er als Superheld The Spirit durch die Nacht. Als Erzfeind Octopus (Samuel L Jackson) eines Tages etwas mit seiner Jugendliebe Sand Serif zu tun kriegt, kommt Spirit hinter das Geheimnis seiner scheinbaren Unverwundbarkeit...

Kritik:
Vom Macher von Sin City und 300? Davon sollte man sich nicht blenden lassen, denn zum einen passt das nicht so wirklich, zum anderen ist The Spirit weitab davon entfernt, sich mit einem der beiden Titel messen zu können.

Frank Miller steht auf jedem Filmplakat und wird auch in jedem Trailer genannt, doch auch wenn Miller tatsächlich 300 und Sin City geschrieben - und letzteres auch teils mitgedreht hat, so ist das hier keine Verfilmung seines eigenen Stoffes. The Spirit ist ein Comic aus den 40ern, der von einem gewissen Will Eisner erfunden wurde und zu den Lieblingshelden des zurzeit gehypten Autors gehört. Was der Film mit Sin City gemeinsam haben mag ist der gleiche optische Stil, da aber hören die Vergleiche auch schon schnell wieder auf.

Sicher, der Look des Films ist interessant. Genau wie bei Sin City besteht alles aus cartoonhaften Bildern, die hauptsächlich von Schwarz-, Weiß- und Rottönen dominiert werden. Das passt zur abstrusen Story, die sich so weitaus besser verkraften lässt, aber man merkt leider auch dass hier mit weitaus weniger Liebe als noch bei Sin City gearbeitet wurde. Teilweise sind die Greenscreens sogar so offensichtlich, dass es wie bei Sky Captain and the World of Tomorrow aussieht.

Miller glänzt in seiner neuen Rolle als Regisseur zudem nicht wirklich, denn trotz der knapp 100 Minuten ist der Film größtenteils langatmig, wirr und ohne wirkliche Struktur. Die Bilder mögen technisch gut aussehen, aber deren Zusammenstellung ist eine Katastrophe. Miller's größtes Problem findet sich aber in seiner ganz eigenen Ecke, der Schreiberei. Sein Drehbuch zum Film ist mit Abstand eines der schlechtesten Drehbücher der letzten Jahre. Ganz gleich, wie sehr es an der Vorlage orientiert sein mag, seine Umsetzung der Story, seine Dialoge und Figuren sind so grausig, dass man kaum glauben kann, dass der Mann sein Geld mit dem Stift verdient.

Ton gibt es keinen geradlinigen. Die Dialoge schwanken unentwegt zwischen halb-ernst und albern-dämlich, mit unzähligen Onelinern, die unbedingt nach Coolness schreien ("Sei still und blute weiter"), aber allesamt derb auf die Nase fallen. Hier wollte Miller unbedingt Bruce Willis' Art aus Sin City imitieren, doch das ist leider vollkommen unmöglich, da diese Geschichte keinen Deut ernstzunehmen ist. Beispielsweise verfällt dem Spirit jede Frau so extrem wie das dynamische Duo Poison Ivy in Batman & Robin... den wirklichen Vogel schießt jedoch Samuel L Jackson's Charakter Octopus ab.

Jackson hat in seiner weit umfassenden Karriere schon alles gespielt, aber Octopus ist eine Rolle, gegen die selbst M Bison aus Van Damme's Street Fighter vernünftig und glaubwürdig wirkt. Nicht nur, dass er im Film als Pimp mit Piratenhut und als Samurai mit Elvis-Koteletten auftritt, er ist sogar in Nazi-Uniform vor einem Hitler-Portrait zu sehen. Das könnte auf irgendeine skurrile Art und Weise lustig sein, doch Jackson wird dabei in lange, völlig sinnentleerte Monologe gesteckt, die sich zu ernst nehmen und jeden bizarren Moment zu einem großen Fragezeichen machen. Lachte er innerlich darüber? Es ist schwer zu sagen; sein Agent jedoch - der für Jackson scheinbar selbst Hauptrollen in Hochzeitsvideos annimmt - dürfte es letztendlich nicht haben.

Teilweise erinnert die Figur sogar an die Addams Family, denn in seinem Labor erschafft Octopus (im Dr. Outfit) Klone eines Helfers, die alle aussehen wie Onkel Fester; einer davon endet als Kopf auf einem hüpfenden Fuß. Da in etwa kann man sich langsam ausmalen, wie der Humor im Film ausfällt. Mit dabei ist auch aber Scarlett Johansson, die ohnehin meistens mehr Dekollete als Rolle ausfüllt, aber selbst dazu nicht kommt. Eher hochgeschlossen steht sie zumeist am Rande und gibt trocken Kommentare ab, die clever und bissig wirken sollen, es aber nie sind. Den Part des Dekolletes übernimmt stattdessen Kinder des Zorns Teil 5 / Ghost Rider / 2 Fast 2 Furious -Star Eva Mendes, die sich in lebendig gewordenen Maxim-Shoots räkelt und in einem Flashback monumental von einer jungen Schauspielerin schauspielerisch in den Schatten gestellt wird.

Action? Es gibt zwei größere Action-Szenen zwischen dem Spirit und dem Octopus, aber da beide Charaktere unzerstörbar sind und letzterer später gegen unecht aussehende PS1-Kampfhubschrauber kämpft, kann man keine wirkliche Faszination aufbauen... da muss man schon Fan von den Vehikelsequenzen aus Ultraviolet sein. Zu guter Letzt sei gesagt, dass Gabriel Macht eigentlich gut zur Rolle passt und sich bemüht, er im Angesichts des gewaltigen Schwachsinns um ihn herum aber wie seine Rolle erst hosenlos in der Öffentlichkeit herumhängt, später dann im Sumpf versinkt.

Fazit:
Sieht man über die teils schlechten Animationen hinweg, so ist Resident Evil: Degeneration eine durchaus nette Ergänzung zu den Spielen, die man sich als Fan der Serie ruhig ansehen sollte, und eine inhaltliche Wohltat für all die, die wegen den Realfilmen schon graue Haare bekommen haben. Als Film jedoch ist er leider nur Mittelmaß; altbackene Technik, platte Figuren und eine wenig fesselnde Story lassen ihn nicht aus seinem Genre herausstechen.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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