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SCRIPT KRITIK:
THE THING
Die Vorgeschichte


Drehbuch: Eric Heisserer
Release: 2011


von Christian Mester

Anmerkung der Redaktion: Drehbücher zu Spielfilmen durchlaufen im Zuge der Produktion unzählige Hände, weswegen es manchmal vorkommt, dass Screenplays kommender Filme ausgewählten Kreisen zugänglich gemacht werden. Aus loyaler Fairness schneiden wir die eigentliche Handlung nur an, verzichten auf jegliche Zitate und veröffentlichen ausschließlich überdurchschnittlich ausfallende Vorab-Kritiken. Da besagte Drehbücher oftmals während der Drehs verändert werden, ist eine solche Vorschau stets mit Bedacht zu lesen. Sie soll einen ersten Voreindruck geben und Lust auf mehr machen.

Prolog:
Unter Genrefans gilt John Carpenters „The Thing“ als einer der besten Horrorfilme aller Zeiten. Kein Wunder also, dass man ein klein wenig nervös wurde, als Universal Pictures 2009 groß angekündigte, dazu eine Vorgeschichte produzieren zu wollen. Noch nervöser wurde man kurz danach, als zusätzlich heraus kam, dass die Hauptrolle des neuen Films an eine junge Frau gehen würde. Berechtigte Zweifel?

2002 erschien eine Fortsetzung des Carpenterfilms in
Game-Form, die von Carpenter selbst gelobt wurde.

Handlung:
Die junge Kate Lloyd reist eines Tages als Assistentin eines angesehenen Wissenschaftlers zu einer abgelegenen Eisstation, in dessen Nähe Forscher eine revolutionäre Entdeckung gemacht haben: im Eis wurde ein außerirdisches Schiff entdeckt, dessen vermeintlich toten Piloten sie kurzerhand auftauen. Ein gewaltiger Fehler, entpuppt sich der Gast aus dem All als tödliche Bedrohung, die das Ende der Menschheit einläuten könnte…

Script-Kritik:
Um die Skepsis direkt vorweg zu nehmen: das Ding ist gut. Das Drehbuch ist wirklich gut. Als Fortführung des Carpenter-Klassikers und auch als Film für sich.

Es ist eine ebenso aufregende, schaurige Gruselgeschichte wie die des 1982er Vorgängers. Wer sich aufgrund der Idee eines Prequels erwartet, dass es hier demnach eine lange Einführung gibt, irrt. Es geht rasch zur Sache und lässt bis zum Ende nicht mehr ab. Ist das Ding erst einmal erwacht und Teil des Teams, beginnt echter Terror. Wie schon im Erstling ist es überaus vortrefflich gelungen, die Forscher im Laufe der Handlung spannend gegeneinander aufzustacheln. Sie merken früh, dass sich das Ding geschickt als Mensch tarnen kann, womit es unentwegt Paranoia unter den verbleibenden Überlebenden schürt.

Eine wohlige Überraschung ist auch der weibliche Hauptcharakter. Kate Lloyd ist weder ein hysterisches Opfer noch eine beinhart übertriebene Amazone; sie ist eine clevere Wissenschaftlerin, die versucht, dem Ding mit klarer Vernunft beizukommen. Es ist interessant zu sehen, wie vorerst großmäulige Männer (zu Recht) zu bibbernden Waschlappen werden, während sie als nahezu wehrlose Frau alles daran gibt, die richtigen Entscheidungen zu fällen. Immer wieder ist sie von grausigen Erscheinungen verängstigt, die sie als Wissenschaftlerin gleichzeitig aber auch faszinieren. Die Amerikanisierung ist zudem nicht ganz so schlimm befürchtet: die meisten Anwesenden sind nach wie vor echte Norweger und es wird reichlich norwegisch gesprochen. Ihr zur Seite steht ein amerikanischer Hubschrauberpilot namens Carter, der mit seiner abgebrühten Art all denen gefallen dürfte, die Russells MacReady missen (dieser ist übrigens Cameo-mäßig per Foto vertreten).

Überhaupt gibt es viele Verweise auf Carpenters Meisterwerk. Man hat sich redlich bemüht, die Geschichte so zu entwickeln, dass das zerstörte Lager, das MacReady nach den Ereignissen vorfindet, am Ende auch dementsprechend aussieht. Was den Mythos betrifft, gräbt sich das neue Ding etwas tiefer in neue Erklärungen. Man sieht das noch funktionstüchtige Raumschiff des Wesens von innen und außen, man sieht das Wesen einmal in seiner Ursprungsform und es wird ein neuer Test offenbart, der zwar nicht ganz so spektakulär ausfällt wie der allseits berüchtigte Bluttest, dennoch nicht schlecht gewählt ist. Natürlich ist auch das Ende auf Carpenters altes Intro zugeschnitten.

Das Ding selbst, das Tentakel strotzende Absorbiertier mit dem großen Klumpozytenhunger, kommt reichlich vor und geht einmal mehr äußerst blutig und grotesk zur Sache. Der Bodycount ist hoch, viele arme Teufel werden auf verstörende Weise angegriffen und das schier formlose Untier wächst erneut zu wahren Albtraumgestalten (beispielsweise wachsen einem abgetrennten Arm Spinnenbeine und ein Maul) heran. Von Verharmlosung oder PG-13 kann daher gar keine Rede sein – das Ding ist und bleibt ein Grauen, so wie es sich gehört, verpackt in einer spannenden, atmosphärischen Geschichte.

Mester meint:
Eric Heisserers „The Thing“ ist ein würdiger Nachfolger von John Carpenters Fassung. Natürlich lässt sich sagen, dass es sich teilweise wie eine bloße Imitation des Vorgängers anfühlt, allerdings darf man richtig gute Filme immer als Inspiration nehmen. Heisserers Version wirkt grob gesehen recht ähnlich, unterscheidet sich aber hinreichend im Detail und bringt jede Menge neues dazu. Eine frostig gute Überraschung, die die Monate bis zum Release zählen lässt!
 


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