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KRITIK:

THE TOWN
Stadt ohne Gnade


von Christian Mester

THE TOWN (2010)
Regie: Ben Affleck
Cast: Ben Affleck, Jeremy Renner

Story:
Doug McRay (Ben Affleck) gehört zum kriminellen Untergrund eines berüchtigten Bostoner Stadtviertels. Schon seit früher Kindheit ein polizeibekannter Troublemaker. hat sich der clevere Kleingauner irgendwann zum geschickten Bankräuber entwickelt. Zusammen mit seinem besten Freund Jem (Jeremy Renner) und zwei anderen Helfern ist er äußerst erfolgreich darin, die Tresore der Stadt zu erleichtern.

Eines Tages während eines neuen Bruchs verliebt er sich jedoch in die verängstigte Bankangestellte Claire (Rebecca Hall), die er kurz darauf, ohne das sie was ahnt, privat kennen lernt. Als es gut läuft, plant er sogar mit ihr das Land zu verlassen, doch neidische Kollegen, neugierige Cops, sein Mafiaboss und seine unsichere Beziehung machen ihm schwer zu schaffen.

2004 gewann Ben Affleck
ein großes Pokerturnier

Kritik:
Vor einigen Jahren noch gehörte Ben Affleck zu den angesagtesten Jungschauspielern Hollywoods. Nach seinem Oscar-Gewinn für "Good Will Hunting" hatte der Busenfreund Matt Damons Rollen in aufwendigen Blockbustern wie "Armageddon", "Pearl Harbor", "Daredevil" und "Der Anschlag". Damit war er auf dem besten Wege, einer der größten Stars der 2000er zu werden. Als er dann jedoch aufgrund seiner Beziehung zu J-Lo nahezu täglich in den Boulevardmedien stand und zudem Flops hatte, wurde es eine Weile still um ihn.

In den letzten Jahren hatte Bennifer dann immer wieder kleinere Rollen und eine gute im kleinen "Die Hollywood Verschwörung", bis er 2007 auf einmal überraschte. Als Regisseur des Thrillers "Gone, Baby, Gone – Kein Kinderspiel" mit seinem jüngeren Bruder Casey in der Hauptrolle legte er ein hervorragendes Regie-Debüt ab, das durchweg gute Kritiken einheimsen konnte. "The Town – Stadt ohne Gnade" ist nun sein zweiter Film, bei dem er auch selbst wieder vor der Kamera steht. Ein Rückfall ins Ungewisse oder der Beweis, dass der Daredevil tatsächlich ein talentierter Filmemacher ist?

Einer der Kandidaten um die
SUPERMAN Hauptrolle: Jon Hamm

"The Town" machte im Vorfeld den Anschein eines kleinen, ruhigen Dramas, doch damit weit gefehlt. Afflecks Film über irische Gangster in Boston ist eine fließende Mischung aus Drama, Love-Story und Thriller, die als Gesamtpaket bestens funktioniert und einen sehr lockeren Ton hat.

Die Romanverfilmung des Buchs Endspiel von Chuck Hogan gibt einen sehr lebhaften Einblick in das komplizierte Leben eines Kriminellen, der ständig Gefahr läuft, erwischt, erschossen oder verlassen zu werden. Dougs Tage sind mit knallharten Überfällen gespickt, in denen er und sein Team nicht davor zurückschrecken, auch mit starker Waffengewalt gegen jeglichen Widerstand vorzugehen. Zwar erreicht nichts davon die berühmte Straßenschlacht aus "Heat" und alles bleibt recht unblutig, aber die intensiven Schusswechsel und destruktiven Verfolgungsjagden sind dennoch aufregend und temporeich inszeniert. "The Town" sieht sich zwar nicht als Popcornfilm, ist trotz seines gehoben Anspruchs aber dennoch sehr kurzweilig geraten. Zur Kurzweil des Films gehört ein sehr lockerer Ton, der vor allem vielen amüsanten und schwarzhumorigen Momenten zu verdanken ist. Eine der besten Szenen findet sich beispielsweise in einem Café, als der unberechenbare Gangster Jem urplötzlich bei einem Rendezvous der beiden Turteltäubchen auftaucht. Jem ist insgeheim heiß darauf, Claire als mögliche Zeugin zu erledigen, sie hingegen droht, ihn jeden Moment anhand einer Tätowierung zu erkennen. Dazwischen sitzt nun Doug, dem der Schweiß auf der Stirn steht und der nun alles versucht, die Sache klein zu halten.

Diese andauernde Bedrängnis zieht sich gelungen durch die gesamte Handlung und spitzt sich zum Ende hin immer weiter zu. Affleck selbst spielt seine Figur als reumütigen netten Kerl, der jedoch nie vergessen lässt, dass er ein gefährlicher Gangster mit langem Strafregister ist. Daraus entwickelt sich eine interessante Zerrissenheit, da man nicht ganz weiß, ob man nun für oder gegen ihn sein soll. Gleichzeitig wird er als recht tragische Figur gezeigt, die eigentlich nur in der falschen Gegend aufgewachsen ist und von einem gänzlich neuen Leben träumt.

Jeremy Renner ("The Hurt Locker"), demnächst als Partner von Tom Cruise in "Mission: Impossible 4" zu sehen, stellt derweil den gefährlichen Mafiahintergrund da. Als brutaler Jem wird er Doug zu Gefahr, da der gewalttätige Kriminelle seine Lebensart liebt und allen anderen nichts gönnt. Rebecca Hall indes ist gut als verstörte Bankangestellte, die nicht ahnt, dass ihr neuer romantischer Freund derselbe Mann ist, der sie kurz vorher eiskalt überfiel. Kleinere, gelungenere Auftritte von Veteranen wie Chris Cooper und Pete Postlethwaite werten den Film immer wieder zusätzlich auf. "Mad Man" Fernsehstar Jon Hamm spielt derweil einen erbarmungslosen Cop, der zusammen mit dem Man in Black aus "Lost" alles dafür tut, Doug in die Finger zu kriegen. Auch hier bleibt Affleck als Filmemacher mehrsilbig, denn auch die Cops werden als tiefschichtig präsentiert. In "The Town" gibt es kein klares Schwarz und Weiß, nur graue Übergänge, in der jede Seite des Gesetzes gute und schlechte Menschen hervorbringt.

Technisch erweist sich Affleck mal wieder als überdurchschnittlich guter Regisseur. Ob es die verschiedenen Actionszenen oder der amüsante Mischmasch aus Thrill und schwarzem Humor, die vielen Motive der Parteien oder die zeitintensiven Spannungsmomente sind, sein komplexer, ernster und gleichzeitig sehr heiterer Film ist kompetent eingefangen und umgesetzt. Einzig das sehr hastige Ende mit einer größeren Portion Kitsch wirkt ein klein wenig zu glatt.

Fazit:
"The Town: Stadt ohne Gnade" ist kein großes Highlight, aber definitiv ein sehenswerter kleiner Gangsterfilm. Affleck überzeugt mal wieder vor und hinter der Kamera und schafft es, die vielen Schwierigkeiten der aufwendigen Handlung gut zu jonglieren.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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