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Kritik:
The Ward


von Tobias Hohmann - Chefredakteur von bereitsgetestet.de

THE WARD (2011)
Regie: John Carpenter
Mit: Amber Heard, Jared Harris

Story:

Die 70er: die junge Kristen (Amber Heard) wird in eine Irrenanstalt eingewiesen, nachdem sie ein Haus in Brand gesteckt hat und nicht mehr weiß, was los war. Inmitten der Anstalt lernt sie eine Gruppe labiler Mädchen kennen, die ihr alsbald davon erzählen, dass noch jemand anderes mit im Gebäude sei. Während sie nun immer wieder aufs Neue versucht, mit geschickten Manövern aus der Institution des stillen Dr Stringers (Jared Harris) zu fliehen, merkt sie alsbald, dass die Mädchen Recht zu haben scheinen.

Eine düstere Gestalt schleicht durch die Gänge und droht, den Tod zu bringen...

Kritik:
Zehn Jahre ist es nun schon her: Nach dem ziemlich desolaten „Ghosts of Mars“ zog sich Genre-Ikone John Carpenter völlig aus dem Filmgeschäft zurück. Laut eigener Aussage hatte er einen Burn-Out und wollte nichts mehr mit dem Business zu tun haben, strich aber gerne die Tantiemen für Remakes oder Sequels seiner Klassiker ein. Erst durch seine Beteiligung an der TV-Reihe „Masters of Horror“ schien er wieder etwas Blut geleckt zu haben, doch keines der angekündigten Projekte, u.a. „Riot“ mit Nicolas Cage, wurde wirklich umgesetzt. Die Carpenter-Fans hatten sich schon damit abgefunden, dass der alte Mann nicht mehr auf die große Bühne zurückkehren würde, wurden jedoch eines besseren belehrt, als der vorliegende „The Ward“ sehr schnell Gestalt annahm. Erste US-Kritiken fielen eher enttäuschend aus, allgemeine Ratlosigkeit über die Frage, warum Carpenter ausgerechnet für diesen Film seine freiwillige Abstinenz aufgab, machte sich breit. In den Staaten erhielt „The Ward“ nur einen limitierten Kino-Release, bei uns erscheint er erst Ende September. Comeback geglückt?

Wer Carpennters Karriere kennt, dürfte nicht überrascht sein, dass er ausgerechnet „The Ward“ für sein Comeback auswählte: Handelt es sich doch um einen kleinen Film mit wenig Locations und einem überschaubaren Cast. Auch die Ausgangssituation eines Rache übenden Geistes ist nun alles andere als originell oder frisch. Es ähnelt der Situation Anfang der 90er Jahre, als er mit der Episode „Gas Station“ aus dem ursprünglichen „Body Bags“ Pilotfilm den Millionenschweren Flop von „Jagd auf einen Unsichtbaren“ verarbeitete. Hier wie da arbeitete er mit kleinen Budgets, kleinem Cast und Motiven, in denen er sich sicher fühlte, deren Umsetzung für einen Regisseur seiner Klasse allenfalls eine Routineübung darstellten. Auch heuer wollte er offenssichtlich auf Nummer sicher gehen. Daher spielt die grundsätzliche Erwartungshaltung bei der Beurteilung von „The Ward“ eine elementare Rolle – erwartet man einen neuen Meilenstein oder einen „echten“ Carpenter vom alten Schrot und Korn, wird man enttäuscht sein. Kann man sich jedoch von dieser Einstellung etwas lösen, bekommt man genau das, was der Regisseur bei der Premiere via Einspieler versprach: An Old School Horror Movie from an Old School Director. 

Fraglos: Carpenter rettet mit seinem Stil und seiner Klasse den Film. Das Drehbuch ist eine ziemlich müde Aneinanderkettung gängiger Klischees und altbekannter Motive. Frische Ideen oder gar Innovationen? Fehlanzeige. Diese Klischees schlagen sich auch in der Charakterisierung der einzelnen Figuren wieder. Diese kommen mitunter so platt und in 08/15-Manier daher, dass man sich zeitweilig eher in einer Parodie, denn in einem Horrorfilm wähnt. Amber Heard, bald an der Seite von Johnny Depp in „The Run Diary“ zu sehen, ist dabei die löbliche Ausnahme, da sie sich zumindest etwas aus der biederen Umklammerung des farblosen Skripts befreien darf und kann. Auch Jared Harris, im kommenden Sherlock-Holmes-Abenteuer als Professor Moriarty dabei, als behandelnder Arzt baut so etwas wie Präsenz auf. Ansonsten ist die Vorlage fast schon erschreckend schwach. Und so sehr Carpenter auch nachdrücklich beweist, dass er noch nicht zum alten Eisen zählt: Auch er schafft es nicht, diese Mängel vergessen zu lassen, hält das Tempo nicht hoch genug und die Zügel nicht straff genug in der Hand. So schleichen sich insbesondere in der zweiten Hälfte einige Längen ein, die die Dramaturgie durch hängen lassen – bei einer Laufzeit von knapp 90 Minuten darf einem Mann wie ihm das nicht passieren.
Auch das Design des Geistes ist alles andere als ein Geniestreich, wirkt wie ein Schnellschuss – der unnötige Einsatz von CGI ist sicherlich dabei auch alles andere als hilfreich.

Doch wenn es um das reine Handwerk eines Horrorfilms geht, führt nach wie vor kein Weg an Carpenter vorbei. Der alte Mann weiß, welche Hebel er wann drücken muss, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Er schreckt dabei auch nicht vor reinen und „billigen“ Schockeffekten, die er jedoch clever vorbereitet, zurück, setzt aber hauptsächlich auf eine atmosphärisch dichte Inszenierung. Und da macht ihm kaum einer etwas vor: Eine geniale Kameraführung, geschicktes Spiel mit Licht und Schatten, eine exzellente Soundkulisse sowie der hervorragende Soundtrack von Mark Kilian – wobei Carpenter da sicherlich seine Finger mit drin hatte - sorgen für wohlige Gänsehaut. Zeitweilig ist da ein Klassenunterschied zu der Genrekonkurrenz erkennbar, da die Regie-Legende nicht einfach nur stur und stumpf draufhält, sondern vieles nur andeutet und dadurch die Spannungsschraube gnadenlos anzieht. Dafür braucht man Gespür, Stil und eine gewisse Klasse, die eben nicht jeder hat. Carpenter hat sie und stellt diese auch zumindest temporär eindrucksvoll unter Beweis.

Und zu guter Letzt macht auch die Story noch einen finalen Schlenker und offenbart einen Twist, der Genrekenner zwar nicht wirklich überraschen dürfte, jedoch in sich schlüssig ist und das Drehbuch von Shawn und Michael Rasmussen zumindest ein wenig besser wirken lässt, als man bis dahin vermutet hätte. Doch selbst dieser Twist kann nicht über die inhaltlichen und formalen Schwächen von „The Ward“ hinweg täuschen. Ob der Film das Comeback des verdienten Filmemachers einläutet, bleibt abzuwarten. Vielleicht muss er dafür jedoch wieder selbst ein Drehbuch zu Papier bringen..

Fazit:
Wer eine Auferstehung Carpenters erwartete wird enttäuscht sein. Unter dem Strich ist „The Ward“ nicht mehr als ein über weite Strecken atmosphärisch dicht inszenierter, handwerklich erstklassig umgesetzter, jedoch sehr konventioneller Geisterfilm, der von der Klasse seines Regisseurs profitiert. Ein träges Drehbuch, welches bis auf den finalen Twist kaum Überraschungen bietet, und ein farbloses Setting, aus dem jedoch das Maximum heraus geholt wird, können jedoch auch nicht von Carpenter übertüncht werden. Ordentlich, ansehbar, unterhaltsam – aber für Carpenter selbst nicht mehr als eine kleine Fingerübung. Comeback geglückt? Ein klares und eindeutiges Jein.

6,5 / 10

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