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Kritik:
THOR


von Christian Westhus

THOR (2011)
Regie: Kenneth Branagh
Darsteller: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Tom Hiddleston

Story:
Als Teil der 2012 erscheinenden „Avengers“: Donnergott Thor wähnt sich schon als König von Asgard, dem kosmischen Reich der mächtigen Hüter, die auf der Erde als nordische Götter verehrt wurden. Wegen seiner Arroganz und Unbeherrschtheit verbannt König Odin seinen Sohn Thor jedoch auf die Erde. Dort ist er machtlos, während sein Bruder Loki in Asgard Intrigen spinnt und bald sein Auge auf den verhassten Bruder und die Erde geworfen hat.

Dank an Paramount Pictures Germany

Kritik:

Marvel macht noch immer ernst und zimmert fröhlich weiter am Multimillionen Dollar teuren feuchten Geek-Traum namens „Avengers“. Zur Heldentruppe um Iron Man und Captain America gehört bald auch Thor - Mann mit dem Hammer – Odinson, der hier seinen eigenen Film zur Vorstellung beim Publikum spendiert bekam. Ein eigener Film soll es sein, aber natürlich durchzogen von Querverweisen, Anspielungen und bereits bekannten Figuren. Marvel hat sich viel Mühe gegeben, sprich viel Geld ausgegeben, und sich mit den verschiedenen Handlungssträngen, Post-Credit Szenen und Heldenfiguren eine einigermaßen kohärente Welt geschaffen, die zwar nicht frei von Widersprüchen oder Raum-/Zeit-Verwirrungen ist, jedoch durchaus funktioniert. Mit Thor versucht man nun den schwierigsten, weil außerweltlichen und göttlichen, Faktor in den bunten Haufen zu integrieren. Im ersten Thor-Abenteuer sind der Blechmann oder der patriotische Supersoldat jedoch noch nicht zu sehen und Thor kann ganz befreit den Hammer schwingen. Nur die auffällige Überpräsenz von Agent Coulson und SHIELD erscheint mitunter störend, vielleicht sogar verwirrend, falls man wirklich immer noch nicht mitgekriegt haben sollte, was es mit den Avengers auf sich hat.

Zwei Welten prallen hier buchstäblich aufeinander. Die ko(s)mische Welt Asgards und die USA, genauer irgendeine Wüstenregion in New Mexico, wo bald allerhand Anzug tragendes Regierungsvolk herumschleicht. Marvel probt hier schon das, was ihnen nächstes Jahr im größeren Maßstab gelingen muss. Asgard, die urige Insel im All, gibt sich würdevoll und monarchisch, dabei angereichert mit Magie und Hokuspokus. Die nicht immer logische und nicht übermäßig beeindruckende Architektur, von den Machern „uralt Modernismus“ genannt, verzückt mit so amüsanten Details wie der fluoreszierenden Regenbogenbrücke oder dem Orgelpfeifenpalast. Passend dazu wuchten die Bewohner Asgards, meist stattliche Kerls, ausufernde Helme und schnieke Rüstungen mit sich, die im ständigen Plastikverdacht stehen. Hier wohnt Thor, der überhebliche Königssohn, der in einer naiven Kurzschlussreaktion eine kriegerische Dummheit begeht und dafür geradestehen muss. Mit ihm reitet (ja, zu Pferd) ein wilder Trupp an treuen Recken, die, typisch nordmännisch, mal asiatisch, afroamerikanisch, britisch oder gar weiblich sind. Da passt unser australischer Thor Chris Hemsworth natürlich ideal rein. Regisseur Kenneth Branagh, Shakespeare-Experte und entsprechend vertraut mit groß klingenden Worten, lässt gestandene Theaterveteranen und aufgepumpte Jungstars gegeneinander antreten. Die Hallen Asgards bersten vor Pathos und überzuckertem Ernst, wenn Anthony Hopkins eher drollig den enttäuschten Machtinhaber gibt und Hemsworth ziemlich passend den aufmüpfigen Rotzlöffel-Sohn zwischen peinlichen Phrasen findet.

All das donnert in verschiedenen Intervallen (aber fast immer am mehr oder weniger gleichen Ort) auf die Erde herab, wo Natalie Portman und Stellan Skarsgard (als einziger echter Nordmann) wenig überzeugende Wissenschaftler geben, die irgendwelche Strömungen und Lichter im All untersuchen, dabei schließlich an den durchtrainierten Blondschopf Thor geraten. Die Mischung gelingt immer dann, wenn Thor die monarchisch-arrogante Etikette Asgards eins-zu-eins auf die Erde überträgt. Hemsworth hat die passende Ausstrahlung (und die Statur eh), um Thor in beiden Welten glaubwürdig zu machen. Es wären jedoch mehr humorvolle Momente, wie die des trinkenden Thors im Café, nötig gewesen, um die Balance zu wahren. Dort war es gewitzt, sogar ein wenig subtil, doch stattdessen setzt man zu häufig auf brachialen Kulturschock und lässt die unterforderte Kat Dennings in ihrer unwichtigen Rolle hilflos den hippen Comic Relief geben. Thor muss sich orientieren, vermisst seinen Buddy Hammer und bald marschiert das zerstörerische Unheil durch die irdische Kleinstadt. Die Reifeprüfung des Helden, der seine Schwächen, seine Arroganz und seinen Übermut, überwinden muss, um die zu retten, die seinen Schutz benötigen. Na ja, auch natürlich, um die zu retten, der bald das Herz des Hammerschwingers gehört. Das amouröse Techtelmechtel mit Natalie Portmans Wissenschaftlerin nimmt einen nicht unerheblichen Teil der Handlung ein. Das ist ja heutzutage so nötig und die holde Maid in Gefahr ist klassischer Antrieb für den mit sich selbst ringenden Helden. Blöd nur, dass Portmans Figur langweilig geschrieben und entwickelt ist, dass sie mit Hemsworth nur bedingt zusammenpasst und sich dadurch gezwungen sieht, alle paar Minuten überschwänglich zu grinsen.

Es geht ja eh um Größeres. Im All herrscht Krieg mit den finsteren Frost Giganten, Odin wird ganz schwermütig und Loki zieht diabolisch die Strippen. So wie Hemsworth annähernd die Idealverkörperung des ungehobelten Helden ist, überzeugt Tom Hiddleston als getriebener Schurke ebenfalls auf ganzer Linie. Aus ihm spricht geschickt eine hündische Unterwürfigkeit, hinter der es unheilvoll brodelt. Viel mehr hat er dann aber auch nicht zu tun. Die großen Themen, die wohl auch Branagh am Stoff reizten, die Erbfolge, der Konkurrenzkampf der Söhne, die Sehnsucht nach Annerkennung durch den Vater, werden spätestens im Finale glatt verschluckt. Sie sind nur noch schummrig entworfene Motive und Motivationen, um den bildgewaltigen Rambazamba des Finales zu begründen. Die zuvor spärlich gesäten Actionszenen entfalten sich im doppelten Finale schließlich größer. Branagh inszeniert mit Wucht und Schmackes, schneidet aber auch ganz modern hektisch und bisweilen unübersichtlich durch das standardmäßig ordentlich getrickste Tohuwabohu aus Frost Giganten, Blitzstrahlen und dem tödlichen Destroyer. Das macht sich besonders beim 3D-Genuss bemerkbar, der hier nur wenig leistet und in den hektischen Szenen eher störend auffällt. Im letzten Akt geht es wenigstens einmal ordentlich rund und mit wehendem Cape dem Ende entgegen. Bis auf die frostige Episode zu Beginn und der eher kurzen Destroyer-Attacke hält sich das Spektakel in Grenzen. Branagh vermeidet den Overkill, lässt trotz schmissiger Schlussviertelstunde aber auch ein Gegengewicht zum eher redseligen Hauptteil vermissen.

Letztendlich spult der Film auch dieses Mal wieder nur die immergleichen Marvel-Mechanismen ab, wie schon in den Partnerfilmen mit Iron Man und dem Hulk. Das hat ja schon mal funktioniert, denkt man sich, und so bleibt „Thor“ auch ein richtiger Qualitätsabsturz erspart, ohne je wirklich überraschend oder originell zu sein. Marvel geht lieber den sicheren Weg. Die Ver- und Entwicklungen der zwei Welten kann man bisweilen mitsprechen und so langweilig wie in „The Incredible Hulk“ wird es nur darum nicht, weil sich der Film mit seinem mythisch-übersinnlichen Zusatz ein paar neckische Neuheiten herausnimmt. Leider ist Thor mit Hammer dann auch so mächtig, dass es schon eine vergleichbare Waffe braucht, um irgendwie Spannung aufkommen zu lassen. Kein Wunder also, dass er dem geliebten Hammer lange hinterher trauert, bis er seiner würdig ist. Dass Hawkeye Jeremy Renner für einen unwichtigen und wenig sinnigen Cameo vorbeischaut, um Thors Scheitern am Hammer zu beobachten, ist wohl nur für Fans wirklich relevant. Ungefähr so relevant, wie der obligatorische Avengers-Schnipsel nach den Abschlusstiteln. Thor selbst steigt zum Helden auf, erlangt Würde und Weisheit, aber natürlich nicht ohne Verluste. Ein eigentlich ideales Intro also, welches kurzweilig unterhaltsam daher kommt, ohne wirklich zu begeistern.


Fazit:
So wie man es aus den bisherigen Marvel-Produktionen kennt, ist auch die Erstsichtung des göttlichen Thors eine groß angelegte, aus bekannten Versatzstücken gebastelte Helden-Entstehung. Mal witzig, mal spannend, häufig auch zünftig actionreich, ohne je die bekannten Marvel-Grenzen zu übertreten und Neues zu wagen. Immerhin gelingt die Integration des Außerweltlichen einigermaßen. Wer Der unglaubliche Hulk und Iron Man mochte, wird diesen etwas abgehobeneren Helden wohl zumindest wohl zumindest nicht schlecht finden.

6 / 10

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