BG Kritik:

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Fantastic Beasts and where to find them (US 2016)
Regisseur: David Yates
Cast: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Colin Farrell, Alison Sudol, Ezra Miller

Story: Der britische Zauberer Newt Scamander (Eddie Redmayne) reist im Jahre 1926 mit seinem Koffer voller magischer Kreaturen nach New York ein, wo ihm alsbald einige seiner phantastischen Tierwesen abhanden kommen. Es gilt die Wesen wieder in den magischen Koffer zurück zu schaffen, während sich im Hintergrund eine große Gefahr bereit macht, die magische Welt in einen Krieg gegen die Menschen zu stürzen.

Gut etwas über fünf Jahre nachdem mit Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 die Kinoversion der Saga um den britischen Zauberlehrling mit der berühmten Narbe auf der Stirn beendet wurde, geht es zurück in die von Autorin J.K. Rowling geschaffene Welt. Nur früher und in Amerika. Nach einem Drehbuch von J.K. Rowling, diesmal ohne den "Umweg" über ein Buch zu gehen und von Rowling persönlich und direkt für das Kino als Drehbuch geschrieben. Der Titel von Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind wurde dabei von dem auf dem Lehrplan von Hogwarts stehenden, gleichnamigen (auch real existierenden und von J.K. Rowling als Newt Scamander geschriebenen) Sachbuch übernommen, welches der neue, von Oscar-Gewinner Eddie Redmayne (Die Entdeckung der Unendlichkeit) gespielte Protagonist eben nach diesem Abenteuer in New York verfasste. Regie bei Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind führte abermals David Yates, welcher auch die letzten vier Harry-Potter-Filme inszenierte und erst in diesem Sommer den mäßig guten Legend of Tarzan ins Kino schwingen ließ. Expelliarmus, Lumos Maxima und Serpensortia, der Auftakt zu einer auf (aktuell mindestens) fünf Teile angelegten Spin-off/Prequel-Reihe im Universum von Harry Potter, Lord Voldemort und Albus Dumbledore.

Vom Regisseur von Potters 5, 6, 7 und 8...


Beginnend mit den seit Harry Potter und der Stein der Weisen bekannten Klängen des musikalischen Hauptthemas von John Williams, lässt der von James Newton Howard (u.a. bekannt für Peter Jacksons King Kong oder die Hunger Games-Reihe) musikalisch untermalte neue Film aus dem Zauberer-Universum von Joanne K. Rowling den neuen und alten Zuschauer direkt und unvermittelt hinein fallen in die Welt der Magie und phantastischen Tierwesen. Während der Schwarzmagier Gellert Grindelwald die Schlagzeilen der Zeitungen der Zauberer-Welt mit seinen magischen Terror-Anschlägen in Europa beherrscht, reist der frisch von Hogwarts verwiesene Zauberer Newt Scamander nun via Liberty Island nach New York ein. Dort angekommen muss Scamander alsbald nicht nur seine Tierwesen zurück in den Koffer verfrachten, nein, Scamander sieht sich auch noch mit einer aufzukeimen und drohenden neuen Hexenjagd konfrontiert - Joanne K. Rowling überträgt hierbei die Stimmung des Amerika nach dem 11. September auf die 20er Jahre und tauscht islamistischen Terror mit magischem Terror aus. Hierbei kommt der Humor allerdings absolut nicht zu kurz. Oft situationsbedingt und durch die magischen Wesen aus dem Koffer verursacht. Offenkundig so angelegt, fungiert und funktioniert Eddie Redmaynes Newt Scamander hierbei nicht als klassischer Sympathieträger und gehört eher zu der Art Hauptfigur, für die man sich erst langsam und schwer erwärmen muss - und der schlicht sympathischer wirken könnte, im Speziellen beim Umgang mit anderen Menschen.

So blüht der Magizoologe und künftige Sachbuchautor immer dann auf, wenn er mit den Tierwesen interagiert. An Newts Seite gesellen sich dann alsbald und eher zufällig der freundliche No-Maj (amerikanisch für Muggel, also einen Nichtzauberer) Jacob Kowalski (Dan Fogler), sowie Aurorin Porpentina Goldstein (Katherine Waterston) und ihre Schwester Queenie (Alison Sudol). Auch wenn phasenweise mehr als Comic-Relief angelegt, ist das Quartett darstellerisch überaus gelungen und punktet mit natürlich wirkender, fast magischer Chemie. Mehr oder weniger gemeinsam gilt es für die Vier die magischen Wesen wieder in den Koffer zu stecken. Hier punktet der Film, denn er ist immer dann am besten, wenn es tatsächlich um die phantastischen Tierwesen geht und diese auf der Leinwand losgelassen werden. So stiehlt beispielsweise der Niffler seinen menschlichen Verfolgern nicht nur bei jedem seiner Auftritte die Show, nein, die diebische kleine optische Kreuzung aus Maulwurf und Schnabeltier stiehlt in seinen Szenen auch diverse funkelnde Wertgegenstände wie Münzen und Schmuck, da er offenkundig geradezu magisch davon angezogen wird. Und das in sehr kreativer und putziger Art und Weise.

... der auch Phantastische Tierwesen Teil 2-5


Inszenatorisch gibt es dabei keine großen Überraschungen für Kenner der letzten Abenteuer von Harry und es verbleibt typisch Yates. Will heißen, die emotionalen Momente liegen dem Regisseur weiter nicht so besonders (man, wessen Todesszenen der Mann seit seinem Antritt bei Potter nicht alles versaut hat, was die Emotionalität angeht), dafür sieht es technisch zumeist gut bis mindestens passabel aus. Optisch düster, kommt auch der neue Film aus dem Universum im seit Alfonso Cuaróns Harry Potter und der Gefangene von Askaban vorherrschendem graueren, weniger märchenhaftem und realistischerem Look daher. Nur eben mit Frisuren, Kleidung und Automobilen der 1920er Jahre ausgestattet und diese gar wunderbar vermittelnd, lässt Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind diesbezüglich nichts vermissen. Andernorts dagegen schon. Vermag die Geschichte um den seine magischen Kreaturen wieder einfangenden Newt Scamander allein noch gut zu unterhalten, ist dies aber nur ein Handlungsstrang, neben dem sich noch viel mehr tut. So merkt man dem Film an vielen Punkten an, nur der Startpunkt zu sein, in dem man versuchte, möglichst viel und dabei gefühlt zu viel hinein zu bekommen. So sind viele Eckpunkte und Figuren hier erst mal da, teilweise hochkarätig besetzt und immer gut gespielt, wirken für sich genommen aber noch unnötig. Etwas, was sich mutmaßlich mit den weiteren Teilen klären wird. Tierwesen wirkt daher alleinstehend noch überfüllt mit Schwarzmagier Gellert Grindelwald, dem zwielichtigen Auror Percival Graves (Colin Farrell), Verlagschef Henry Shaw, Sr (Jon Voight), Credence Barebone (Ezra Miller)... und zwingt, bringt, ja um im Zauber-Jargon zu verbleibend, appariert all diese und weitere Handlungselemente an einen Ort, und zum Finale.

Zuvor wird die Apparier-Lizenz der Zauberer dabei völlig überstrapaziert, denn die Zauberer-Version des allseits beliebten teleportierens, wird hier von Yates völlig inflationär eingesetzt und mehr als nur zu häufig verwendet. Als würden Captain Kirk und Co. in Star Trek gefühlte 328 Mal in einem Abenteuer beamen. Gähn und einfallslos, zum puren Effekt im Effektgewitter verkommend. Selbiges gilt für das völlig generische Effekt-Finale, bei dem Yates auch wie so oft nicht die eigentlich nötige Emotionalität hinbekommt. Insgesamt und auch noch vor dem Finale wirkt das erste Abenteuer von Newt Scamander dabei ab und an wie ein inkohärentes Ganzes, bei dem an der einen Ecke ein geradezu überzogen alberner (und zur FSK ab 6 Jahren passendem) Slapstick-Humor vorherrscht, nur um andernorts das Zauberer-Äquivalent zur ach so humanen Hinrichtung via Giftspritze aufzufahren und eine geradezu verstörende Szene hierzu zum Besten zu geben. So hat Tierwesen mehr einige wirklich starke Einzelszenen zu bieten, als ein einheitliches, starkes Ganzes zu sein. Zudem hat sich die eine oder andere Länge in den Film geschlichen, und die 133 Minuten kommen dadurch etwas länger vor. Unterhaltsam und phantasievoll ist der neue Film dabei aber allemal, und glücklicherweise ist auch bei weitem nicht jede humorvolle Szene albern oder infantil geraten. Besonders positiv haftend verbleibt neben den Tierwesen (die in Teil 2 bis 5 aber ruhig noch phantasievoller werden dürfen) und den tollen Darstellern, der Score von James Newton Howard. Dieser hebt sich angenehm ab vom derzeit gängigem Einheitsbrei der Blockbuster-Soundtracks ohne Wiedererkennungswert. Howards Score dürfte gar der beste und herausstechendste des Universums sein, seit John Williams nicht mehr verantwortlich zeigte.

Fazit:

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind ist ein guter Auftakt einer neuen Reihe innerhalb des bekannten Zauberer-Universums von J.K. Rowling, der auch ohne Vorkenntnisse der Potter-Reihe gut funktioniert. Dabei aber etwas überladen und unausgewogen, und zumeist dann am besten, wenn tatsächlich phantastische Tierwesen den Ton angeben und die Hauptfiguren hinterherjagen.

7 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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