BG Kritik:

Klute


von Christian Westhus

Diese Kritik erschien im Rahmen der Kritikenreihe 'Treasure Monday'. Was ist 'Treasure Monday'?

Klute (USA, 1971)
Regisseur: Alan J. Pakula
Cast: Donal Sutherland, Jane Fonda, Roy Scheider

Story:
Auf der Suche nach einem vermissten Geschäftsmann gerät Privatdetektiv John Klute (Sutherland) an die junge Prostituierte Bree Daniels (Fonda), die obszöne Briefe vom Vermissten erhalten hat, sich aber nicht an diesen erinnern kann. Klute beschattet Daniels und entdeckt bald, dass ein Unbekannter Frauen tötet. Bree Daniels könnte die Nächste sein.

Für ihre Rolle in „Klute“ gewann Jane Fonda einen Oscar, doch als Beitrag im amerikanischen Paranoia Kino der 1970er Jahre findet man den Film oft nur in der zweiten Reihe.

War damals erst die zweite Filmarbeit für Komponist Michael Small.


Ein Mann verschwindet. Ein Privatdetektiv wird engagiert, um den Vermissten wiederzufinden, erfährt von Briefen und Telefonaten und findet sich bald darauf in einem kleinen Apartment wieder, von dem aus er eine vermutlich irgendwie involvierte junge Prostituierte namens Bree Daniels beschattet. Doch bald schon muss Privatdetektiv John Klute feststellen, dass Daniels selbst in Gefahr schwebt. Es ist eine faszinierende Verschiebung der Perspektive und der Aufgabenverteilung bei Ermittler Klute, die Alan J. Pakulas Thrillerdrama beherrscht. Mysteriöse Anrufe ereignen sich, Schritte sind auf dem Dach über Bree Daniels‘ Wohnung zu hören und eine Kollegin wird ermordet aufgefunden. Aus einem Vermisstenfall wird ein Mordfall, und aus Ermittler John Klute wird der Beschützer einer unangepassten Frau, die Männern an ihrer Seite für gewöhnlich nicht sonderlich lange traut.

Es ist diese zentrale Frauenrolle, die aus „Klute“ mehr macht, als einen gewöhnlichen 70er Jahre Thriller. Eine Frau, die eigentlich Schauspielerin sein will, die, solange sich der Erfolg nicht einstellt, zeitweise einen anderen Weg beschreitet, um irgendwie an Geld zu kommen. Bei ihren Kunden ist Bree Daniels für ein paar Augenblicke die „beste Schauspielerin der Welt“ und geht danach ihren Tagesgeschäften nach. Es ist eine faszinierende Figur, eine, die bald vollständig im Zentrum des Interesses steht, Klutes und unserem, obwohl sie erst nach einer Weile konkret Teil der vermeintlichen Haupthandlung wird und obwohl der Film schlicht „Klute“ heißt. Aus Brees Gesprächen mit einer Therapeutin erfahren wir viel über diese junge Frau und doch sehen wir – so die Vermutung – auch dort bis zu einem gewissen Grat eine Schauspielerin. Erst das Misstrauen, mit dem sie Klute begegnet, und die Angst vor dem Unbekannten, der ihr Leben bedroht, rufen etwas Reales in Bree Daniels hervor. Die kesse Kaltschnäuzigkeit, mit der sie beides abzuwehren versucht, trägt zunehmend sichtbar werdende Risse und verschwindet, wenn sie auf Zuhälter Roy Scheider trifft.

Ursprünglich für die weibliche Hauptrolle im Gespräch: Barbara Streisand


Pakulas Film ist etwas, das man im Englischen einen „Slowburn“ nennt. Ein sich langsam entwickelnder Film, der mit gemäßigter Aufregung seine Geschichte entfaltet, sich dabei windet und steigert, der aber nicht zwangsläufig in einer Explosion enden muss. Einem modernen Publikum wird womöglich ein besonderes Maß an Geduld abverlangt, doch gute Figuren und eine stimmige Atmosphäre erfordern häufig nun mal Zeit. Die stilsicher-effektive Kameraarbeit vom legendären Gordon Willis (Der Pate) sorgt mit einfachsten Mitteln in den Straßen New Yorks, in Bree Daniels‘ Wohnung oder in einem Club für spürbare Anspannung, für ein permanentes Gefühl sich in unmittelbarer Nähe befindlichen Gefahr. Dieses Gefühl wird auch unterstützt vom Sounddesign und von Michael Smalls Musik. Eine Klangkulisse, die ganz ohne Effekthascherei auskommt und ihre abstrakten, geklimperten Nadelstiche setzt.

Donald Sutherland war das Gesicht für zahlreiche Genre-Klassiker der 70er, wie zum Beispiel „Angriff der Körperfresser“ oder „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. So auch hier. Und doch dient Sutherlands wunderbar kühle, zurückhaltende Darbietung in erster Linie Pakulas sich stetig steigerndem Spannungsbogen. Und sie dient Jane Fonda. Nicht zuletzt ihr ist es zu verdanken, dass Bree Daniels weitaus mehr ist, als das „leichte Mädchen in Gefahr“.

Fazit:

Thrillerdrama, das sich langsam, aber bedrohlich steigert und von seinen stark gespielten Figuren lebt. Insbesondere Jane Fonda macht den Film sehenswert.

8 / 10
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