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Kritik:
To the Wonder


von Gastkritikerin Olivia Olson

TO THE WONDER
(2013)
Regie: Terrence Malick
Cast: Olga Kurylenko, Ben Affleck, Rachel McAdams, Javier Bardem

Story:
Nach einem Besuch des Mont Saint-Michel, dem so genannten „Wunder“, nimmt Neil (Affleck) Französin Marina (Kurylenko) und deren Tochter mit nach Texas. Doch bald offenbaren sich Probleme, unter anderem mit Marinas Visum. Sie sucht Hilfe bei einem Priester (Bardem) und Neil bandelt mit einer alten High School Flamme (McAdams) an.

Kritik:
Bisher kannte ich von Terrence Malick zugegeben nur The Tree of Life, aber ich werde mir seine fünf restlichen Filme bei Gelegenheit auch ansehen, denke ich. To The Wonder jedenfalls ist ein Film, genau wie The Tree of Life, der einen mitnimmt, ohne dass man es merkt. 

Ein bisschen verstört ist man zu Anfang, da sich das Auge mitsamt Gehirn nur langsam an den collagenartigen Erzählstil gewöhnt. (Gewöhnt es sich überhaupt, ist die Frage ...) Die Musik und die epischen Bilder, die sich zusammen leidenschaftlich über die Leinwand wälzen, packen einen jedoch früher oder später und versetzen den Zuschauer in einen andauernden Zustand der Erregung. Manchmal hat man das Gefühl, man könne nicht mal blinzeln, aus Angst, ein Stück der Collage zu verpassen. So wie im wahren Leben. Wenn manchmal alles zu schnell vorbei geht. Denn was an To The Wonder und an Malicks Erzählstil so begeistert, ist die Nähe am Leben. „Der Film fühlt sich für mich mehr wie die Erinnerung an ein Leben an, als die chronologische erzählte Geschichte eines Lebens, so wie es normalerweise ist“, sagt Ben Affleck, der sich als Hauptdarsteller in diesem sensiblen Film ein bisschen fehlbesetzt anfühlt. „Diese nonlineare Collage aus impressionistischen Momenten des Lebens einer Figur, spiegelt in meinen Augen die Art, wie man sich an sein Leben erinnert, wider.“ Da möchte man Ben Affleck ausnahmsweise zu hundert Prozent zustimmen. Malick zeigt, wie wir die Dinge tatsächlich wahrnehmen und wie wir sie später in Erinnerung behalten werden. Wenn ich meinem Liebsten beim Spaziergang Ich liebe dich sage, behalte ich dann bloß meine Worte und seinen Blick in Erinnerung? Oder doch eher die weiche Haut seiner Wange, die ich mit meiner eigenen berühre und das kratzende Geräusch seines Bartes an meinem Hals, das mit dem Rauschen der Gerste verschmilzt, als er mich küsst, der Geruch des nahenden Sommers in meiner Nase, wenn seine Hand in mein Haar eintaucht...

Wo war ich? Ah ja, der wunderbare Stil des Erzählens von Mr. Malick. Dieses Erzählen beeindruckte zutiefst bei The Tree of Life und ließ den Zuschauer nachdenklich zurück. To The Wonder aber ist nicht annähernd so packend wie sein Vorgänger. Was daran liegt, dass der Film seinem Thema nicht gerecht wird. Es ist eine Hommage an ein Gefühl, nach dem wir alle streben. Es geht hier um Liebe, to the wonder. Berauschend, unfassbar, abstrakt und tänzelnd (siehe Olga Kurylenko), so wird die Liebe gezeigt. Auch Pfarrer Javier Bardem (Achtung, leichtes Dornenvögelfeeling!) kriegt die Liebe nicht zu fassen, sucht Gott wie ein jeder von uns. Gut. Aber Ben Affleck als stummer Klotz, der nicht sagt, was Sache ist, eine Olga Kurylenko, die so viel von sich gibt aber nichts von Affleck bekommt, eine Rachel McAdams, als vermutlich Afflecks wahre Liebe, die er mit seinem dämlichen Verhalten zu nichte gemacht haben scheint und der am Glauben zweifelnde Priester – das reicht nicht, ist zu wenig, ist für das wirklich große Wort Liebe einfach nicht ausreichend. Klar, welcher Film zu diesem Thema wird den tausend Facetten der Liebe schon gerecht? Trotzdem: Zu flach, zu banal, nicht nachvollziehbar genug fühlt sich hier die Liebe an. Und das liegt nicht zuletzt an den fehlenden Dialogen, denn man kriegt die Charaktere gar nicht richtig zu fassen. (Wie die Liebe!) Die monologisierten Gefühle der Figuren in verschiedenen Sprachen sind wunderschön, aber nicht genug. Die Art des Erzählens war für The Tree of Life perfekt, hier aber hinterlässt sie ein Gefühl der Hilflosigkeit. Um die Liebe zwischen zwei Menschen darzustellen, bedarf es eben doch mehr Worte, mehr Konkretisierung. Und Liebe ist nicht gleich Liebe und schon gar nicht lässt sich die Liebe zu Gott in einem Nebenstrang thematisieren. Das fade Gefühl, das dieser Film schenkt, haben die meisten von uns bereits im wahren Leben, oft jeden Tag. Sind deshalb gute Liebeskomödien nicht so erfolgreich? Weil sie bekannte Empfindungen gekonnt auf den Punkt bringen. Das einfache boy meets girl ist eben manchmal doch authentischer als eine Elegie aus Nichtssagerei. 

Aber diesem Nichts kann man etwas abgewinnen. Denn Malicks Film zeigt, dass wir alle hadern, zweifeln, ahnen und geben. Liebe lässt sich eben nicht in Worte fassen. Wäre der Film nicht so, wie er ist, hätte er nicht dieselbe Aussage: die Liebe ist ein Wunder und Wunder kann man nicht begreifen. 

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