hauptseite  |  kritiken |  news |  trailer showroom |  jetzt im kino  |  community  |  impressum



 

 

Kritik:
Trance - Gefährliche Erinnerung


von Michael Herbst

TRANCE
(2013)
Regisseur: Danny Boyle
Cast: James McAvoy, Rosario Dawson, Vincent Cassell

Story:
Bei einem Überfall auf eine Kunstauktion lässt ein beteiligter Auktionator (McAvoy) ein teures Gemälde verschwinden. Als der Kopf der Verbrecherbande die Beute will, kann sich der Auktionator angeblich nicht mehr an das Versteck erinnern. Nachdem sie vergebens die Scheiße aus ihm herausgeprügelt haben, engagieren sie eine Psychologin (Dawson), seinen Kopf zu knacken...

Kritik:
Danny Boyle ist ein Regie-Fachmann, der sich auf Vielseitigkeit spezialisiert hat. 127 Hours,
28 Days Later, The Beach, Slumdog Millionär, Trainspotting. Der Mann ist sensationell darin, verschiedenste Stoffe unterschiedlich umzusetzen, und das bei stets hoher Erzählerqualität. Mit dem Krimi Remake Trance will er uns jetzt hypnotisieren und in neumodischer Hitchock-Art den Boden unter den Füßen wegreißen.

Leider ist Trance schon von Beginn an so geil darauf, mit immer neuen Twists zu schocken, dass man sie schnell satt wird. Mit jeder Demaskierung einer Figur als etwas eigentlich anderes schwinden die gar nicht erst aufgebauten Sympathien. Hält man James McAvoys Simon zu Beginn noch für einen armen Kerl, zeigt ihn Boyle mal als Opfer, mal als Täter, mal als schwach, mal als gefährlich, und widerfährt ebenso mit Vincent Cassells Schläger und Rosario Dawsons Therapeutin. Heimliche Bindungen und vergangene Gemeinsamkeiten decken sich auf, die alles verkomplizieren und Bündnisse in Frage stellen. Wenn Boyle dann noch anfängt, Halluzinationen hinzuzufügen und gezeigte Erinnerungen zu manipulieren, wird es bald zuviel und was fesselnde Unberechenbarkeit sein will, wird vom Zuschauer aus unweigerlich emotionale Distanz.

Machten die ersten Bilder einen sehr lebhaften Eindruck, ist der Film an sich bis auf das Finale eher ein kleines Dialogdrama geworden. Kämpfe gibt es keine, Sets nur wenige, die meisten Szenen sind Konversationen in den gleichen Räumen, in denen die Gangster oder die Femme Fatale Simon auszuquetschen versuchen. Rosario Dawson zeigt zwar wie Gott sie schuf, aber abgesehen davon gibt es nur sehr wenig Warmes. Der Film bleibt kalt und lässt keine Emotionen zu, und so wartet man, bis sich diese uncharismatischen Figuren gegenseitig das Messer in den Rücken jagen. Ein Tarantino hat dieses Script ganz sicher nicht geschrieben..

Ernüchternd ist das für alle drei Schauspieler. McAvoy und Dawson drehen sich im Kreis, Cassell kommt nicht zur Geltung und gibt den eindimensionalen Gewaltmensch. Visuell überzeugt Boyle wenigstens. Zwar nicht so eingefangen wie Slumdog Millionär oder so eingefärbt wie 127 Hours, ist Trance ein chic inszenierter Thriller geworden. Boyle stellt einiges mit den wenigen verfügbaren Örtlichkeiten an und spielt mit der Kamera, doch die Liebe fürs Optische hätte besser Handlung gegolten.

Fazit:
Trance will mit 120 doppelten Böden überraschen und als moderner Hitchcock-Tribut herhalten, aber eine zu verworrene Geschichte, mangelnde Spannung und schlechte Charaktere lassen ihn zu einem nur mittelmäßigen Thriller, und zu einer Enttäuschung im Hause Boyle werden.

4,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

 

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich