BG Kritik:

Transcendence


von Michael Herbst

Transcendence (US, 2014)
Regisseur: Wally Pfister
Cast: Johnny Depp, Rebecca Hall

Story:
Als Computergenie Will Caster (Johnny Depp) kurz davor steht, ein revolutionäres System zu entwickeln, wird er das Opfer eines Attentats. Eine Gruppe Rebellen will verhindern, dass Computer zu große Kontrolle erlangen. Ihre Horrorvision nimmt Formen an, als der sterbende Caster sein Bewusstsein in sein System überträgt...

Viel zu lange war Johnny Depp der eigenartig sympathische Spinner, eine Nummer, die man spätestens nach dem konfusen Lone Ranger satt gewesen sein durfte. In Transcendence lässt er jede beliebte Goldigkeit zurück und versucht sich als personifiziertes Skynet.

Pfister hat vorher alle Nolan Filme gedreht


Wally Pfister hat sich einen Namen als Kameramann machen können, der die Bilder der Christopher Nolan Filme im Kasten hatte. Mit seinem apokalyptischen Techno-Thriller will sich der Lehrling jetzt als fertig ausgebildet präsentieren und seinem Meister in die Regie folgen. Die ersten Parallelen zu Nolans Interessen sind schnell gesehen. Wie Nolans ist seine Welt eine kühle, graue, in der tragische Figuren mit manischen Besessenheiten aneinander geraten. Direkt unter der Oberfläche enden die Gemeinsamkeiten jedoch, denn Pfister füllt die Fußspuren seines Mentors nicht nur nicht, er scheint generell schlecht vorbereitet. Was eine nachdenklich stimmende Zukunftsvision und eine wichtige Rückkehr Depps hätte werden können, ist ein Fall für den Papierkorb.

Transcendence beraubt sich bereits jegliche Spannungsentwicklung mit einem ersten Blick in die Zukunft, in der Casters Konsequenzen gezeigt werden. Die Erde ist also zur Ödnis geworden, in der an John Connor erinnernde Rebellen herumlaufen. Da sich die nächsten 100 Minuten im Besonderen mit der Frage beschäftigt, ob man Casters Wahnsinn rechtzeitig aufhalten kann, gibt es rein gar nichts mehr mitzufiebern. Also darf man sich mit den Charakteren auseinandersetzen, an denen Pfister jedoch ebenso wenig Interesse hat wie Bösewicht Caster.

Transcendence floppte bereits in den USA


Rebecca Hall spielt Casters Frau, die vergangenen Zuneigungen hinterherträumt. Ihre Versuche stoßen auch bei uns auf Eis, denn Depps Egomane ist schon vor dem Übergang ins System ein Langweiler. Einer, der auch nicht das Bild eines genialen, faszinierenden Machers hat, dessen Enthusiasmus Loyalitäten schaffen könnte. Hall bleibt Wills Freund Max (Paul Bettany) überlassen, der trotz bester Freund Status keine spürbaren Freundschaften aufbauen kann. Dementsprechend sind Wills wichtigste Mitstreiter unwichtig und in ihrem falschen Glauben schwer zu folgen. Wills Gegner finden sich indes in einer Anti-Computer-Rebellengruppe, angeführt von Kate Mara aus House of Cards. Mara wird als überdrehte Hacker-Verschwörerin etabliert, die mit ihren Warnungen zwar Recht hat, aber nie ernstzunehmen ist. Selbiges lässt sich über Pfisters Film an sich sagen, denn auch er schlägt sich auf ihre Seite und will inständig vor dem möglichen Skynet-Gedanken warnen.

Die Welt mag später in der Handlung fast ausgerottet werden, doch der Aufstand des Depp Systems ist kein unterhaltsamer. Vor allem kein klarer. Depp als Antagonist zu sehen fällt schwer, wenn er Invaliden neue Gliedmaßen schenkt, Pflanzen in der Wüste wachsen lässt und generell fade Vorträge statt brisante Drohungen von sich gibt. Dass er später jedes Computersystem beherrscht und sich eine von Nanotechnologie unterstützte Armee schafft, endet in sinnlosen Actionszenen mit schlechten Effekten. Die größte Schwäche des Films ist dann aber leider die Prominenz, Johnny Depp selbst. Nach kurzem Einstieg ist er fast ausschließlich als Computerbild zu sehen, das nie bedrohlich scheint. Selten hat jemand die Welt so unmotiviert zu erobern versucht. Wollten sie eine Parabel über den Verlust von Menschlichkeit in der immer enger werdenen Kommunikation Mensch und Maschine schaffen, hätte Caster erstmals zugänglicher sein müssen. Das auffälligste Fehlen im Vergleich zu Nolans Werken? Selbst der plumpe The Dark Knight Rises strahlt eine Intelligenz aus. Intellekt ist es, der jeden der Nolan Filme auszeichnet. Das Gefühl, dass jemand kluges eine Geschichte über interessante, kluge Charaktere erzählt. Transcendence wirkt zu beschränkt in seinen Ideen, als dass die Frage, ob ein menschlicher Geist in einem Computer wirklich eine so schlechte Idee ist, in diesem Film je interessant betrachtet würde.

Fazit:

Nach seinem überflüssigen vierten Pirates, dem überladenen Lone Ranger und dem Vampirquatsch Dark Shadows ist auch Depps neuer ein Griff daneben, vielleicht sogar sein in letzter Zeit schlechtester. Transcendence mag im Gerüst interessante Sci-Fi Gedanken haben, weiß aber nicht wohin und verrennt sich in schlechten Actionszenen.

3,0 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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