Kritik:
Transformers 3
von
Christian Mester
TRANSFORMERS 3: DARK OF THE MOON
(2011)
Regie: Michael Bay
Cast: Shia LaBeouf, Rosie Huntington-Whiteley, Josh Duhamel
Story:
Einige Jahre sind vergangen, seit Sam und die Autobots den
bösen Decepticon The Fallen davon abhalten konnten, die
Energie unserer Sonne zu ernten und dadurch unsere Galaxis
auszulöschen. Zeit, die sie damit verbracht haben, die
restlichen versteckten Feinde aufzuspüren und gezielt zu
vernichten, während Sam seinen Schulabschluss gemacht hat.
Schwer ernüchtert vom Gedanken, nach zweimaliger Weltrettung
ein gewöhnliches Arbeiterdasein zu fristen, beginnt dessen
neues Abenteuer eines Morgens, als er auf seiner Stelle brisante
Offenbarungen von einem Informanten (Ken Jeong)
erhält.
Wie es
scheint, verheimlicht die NSA, dass man schon seit 50 Jahren von einem
abgestürzten Transformers-Raumschiff auf dem Mond
weiß. Als Autobot-Anführer Optimus Prime davon Wind
bekommt, besucht er das alten Wrack und birgt seinen alten Lehrmeister
Sentinel Prime. Ein großer Fehler, denn Sam und die
Transformers werden dadurch einmal mehr in einen neuen
Welteroberungsplan ihres Erzfeindes Megatron verwickelt, der noch immer
nicht aufgegeben hat. Er bringt jedoch eine Apokalypse ins Rollen, die
ihm bald selbst über den Kopf wächst.
Kritik:
Kritik:
Transformers
Kritik: Transformers 2: Die Rache
Wenn
sich Ferraris
und Jets in haushohe Alien-Roboter verwandeln, um sich gegenseitig die
Schrauben aus dem Leib zu kloppen, stellt Regisseur Michael Bay in der
Regel nur eine Bedingung: jeglichen Anspruch doch bitte an der
Kinokasse zurück zu lassen. Seine Verfilmungen des
HASBRO-Kultspielzeugs sind Bombast-Effektkino von der tumbsten Sorte,
in der Explosionen, wohlgeformte Hintern und dick aufgetragener
Heldenpathos bewusst über alles anderem stehen.
Für seinen dritten und vorerst letzten Teil geht er jetzt noch
einmal in die Vollen. Es ist der erste Bay in 3D, und wie der
Technikfreak verspricht, in bestem Referenz-3D, Marke James Cameron.
Die bisherige Hauptdarstellerin hat man plakativ gegen ein
Victoria’s Secret Unterwäschemodel eingetauscht, da
sich Megan Fox mit ungünstiger Kritik am Regisseur selbst
disqualifizierte, und nachdem Teil 2 schon schier monumentale Action
beinhaltete, sollte der dritte nun ein besonders grandioses
Zerstörungsfest werden. Sofern man sich also nach
fünf Stunden Transformers trotz beispiellos hirnloser Handlung
auf weitere zweieinhalb gefreut haben sollte, versprach der dritte
einen krönenden Abschluss.
Dass
Michael Bay sich seiner eigenen Meinung nach mächtig ins Zeug
gelegt hat, ist fraglos nachvollziehbar. Teil 3 bietet die bislang
meisten Actionszenen der Sci-Fi-Reihe und richtet nun
Zerstörungen im Roland-Emmerich-Format an. In einer fast
einstündigen Schlacht lässt Bay die US-Metropole
Chicago in Schutt und Asche verwandeln und bietet endlose
Spezialeffektorgien. Ein echtes Highlight dieser ist eine Kollision
während einer Autofahrt, bei der Bot Bumblebee den ihn
fahrenden Sam aus sich heraus schleudert, sich verwandelt, einen Salto
macht und den Jungen innerhalb der Rückverwandlung wieder
auffängt. Ein anderes Effekt-Jahreshighlight dürfte
ein sandwurmartiges Tunnelgerät namens Dweller sein, das sich
durch einen eingeknickten Wolkenkratzer fräst, oder eine
atemberaubende Flugszene mit Soldaten in Wingsuits, die unter Feuer
durch die Straßenschluchten der Stadt gleiten. Keine Frage
– in Sachen Materialschlachten und Stunts wird man in diesem
Jahr nichts Spektakuläreres sehen.
Auch in Sachen drei Dimensionen hat Bay nicht zu viel versprochen: im
Gegensatz zu vielen nachträglich konvertierten
Schnellschüssen wurde Transformers 3 direkt in 3D gedreht, und
das mit der aktuell bestmöglichen Technik. Somit liegt der
Film gleichauf mit den Erlebnissen der bisherigen Referenztitel Avatar:
Aufbruch nach Pandora, Tron:
Legacy und Resident
Evil: Afterlife und
ist den Aufpreis im Vergleich zu vielen enttäuschenden anderen
Titeln der letzten Zeit endlich mal wieder wert. Bay konzentriert sich
dabei auf Tiefenwirkung und macht vor allem die vielen Flugszenen zu
einem atemberaubenden Erlebnis.
So gelungen sämtliche
Roboter-Kämpfe auch sein mögen, bleibt allerdings
nicht zu übersehen, dass man sich im Hause Paramount erneut
kein bisschen um den Rest des immerhin 160 Minuten langen Films schert.
Zum dritten Mal in Folge ist es ein seltsamer Mix aus Sci-Fi-Action,
infantiler Teenie-Komödie, übersentimentaler
Love-Story und gewollt tieftragischer Dramatik, die nur in den
geringsten Fällen zu funktionieren weiß. Der Film
springt zwischen geradezu grausamen Kills, bei denen Roboter anderen
das Rückgrat heraus reißen und sich einander eiskalt
exekutieren, zu herumkaspernden Zwerg-Transformern, die
Kühlwasser spuckend auf Hunden reiten; darüber hinaus
begafft Bays Kamera die neue Hauptaktrice so chauvinistisch wie nur
möglich, lässt Sam ihr dann aber andererseits
tiefemotional ewige Liebe schwören, als wäre es
Fackeln im Sturm. Alle Versuche, Emotionen aufzubringen, scheitern
jedoch, wodurch auch in Transformers 3 sämtliche Tragik
gleichgültig bleibt.
Die Schauspieler sind einmal
mehr verloren und lassen auch nach insgesamt 7,5 Stunden Transformers
echte Persönlichkeiten oder Entwicklungen missen. Shias Sam
ist noch immer der über-hibbelige Sprinter, der zumeist nach
seinen Bot-Freunden schreit und durch einstürzende Neubauten
hechtet, während die beiden Soldaten Epps (Tyrese Gibson) und
Lennox (Josh Duhamel) noch immer charakterlose Statisten sind, die, wie
so vieles im Film unnötig viel Screentime bekommen und die
lange Laufzeit nicht rechtfertigen. Im vergeblichen Versuch, an
Hangover zu erinnern, überlässt Bay dem
schrägen Ken Jeong eine der peinlichsten Szenen des Films, da
auch pubertärer Humor wieder bedient werden muss.
Amüsant sind hingegen die kleinen Rollen der gehobenen
Darsteller, denn sowohl John Turturro, als auch die beiden Gaststars
Frances McDormand und John Malkovich haben echten Spaß an
ihren schrägen Rollen und heben sich mit denkwürdigen
Szenen vom Rest der Crew ab. NASA-Kenner entdecken den echten
Mond-Astronauten Buzz Aldrin in einem Cameo, während man
über einen grässlich animierten John F. Kennedy nur
schaudern kann.
Außerordentlich
schlecht ist hingegen Grey’s Anatomys Dr. McDreamy, Patrick
Dempsey, als verwirrter Mogul, der aus unerfindlichen Gründen
meint, den Decepticons bei ihren Welteroberungsplänen helfen
zu müssen und einen belanglosen Antagonisten abgibt. Auch
unter den Maschinen sind die einzelnen Figuren mehr oder weniger egal:
Optimus Prime schwingt einmal mehr patriotische Reden und
führt sich ein wenig wie George W. Bush auf (gezielt jagt er
Terroristen in anderen Ländern), Bumblebee darf erneut traurig
dreinblicken und von einem besseren Film träumen, und die drei
bösen Haupt-Decepticons dreschen austauschbare hohle Phrasen
über Bestimmungen, eigentlich nur darauf wartend, die Blaster
wieder anschmeißen zu dürfen. Geradezu blamabel ist
Megatrons Auftritt, der vom ehemaligen Anführer der
Decepticons zum einsamen Landstreicher verkommen und ein Schatten
seiner selbst geworden ist.
Schlimmer noch als die banalen
Comedy-Versuche oder die wenig mitreißenden Charaktere ist
die eigentliche Handlung, denn denkt man auch nur kurz über
die Geschehnisse des Films nach, drohen wie schon zuvor schlimme
Kopfschmerzen (auch wenn es dieses Mal nicht ganz so
erschütternd dämlich wie noch beim letzten Teil
wird). Die neuen Pläne der Bösewichte ergeben wenig
bis keinen Sinn und lassen den Rest rückblickend noch
idiotischer wirken. Die Figuren erleben den jeweils nächsten
wichtigen Moment oftmals nur durch Zufall und spätestens, wenn
das Unterwäschemodel Megatron bemuttert, wird deutlich, dass
der Film abseits der Action-Epik auch von einem
Getränkeautomaten geschrieben worden sein könnte.
Fragen, wieso das US-Militär bei der großen Invasion
der Bots gegen Ende des Films nicht vorbei schaut und
maßgeblich zurückschlägt, bleiben besser
ungefragt. Aber all das ist ja auch nichts Neues, und sofern man den
Vorgäner schon nicht erträglich fand, sollte man um
den dritten einen großen Bogen machen.
Fazit:
Transformers
3 ist exakt das geworden, was man sich bereits erwarten bzw.
befürchten durfte. Ein recht genaues Imitat des zweiten Teils
mit all den Stärken und Schwächen –
prinzipiell also erneut kein guter Film, aber sofern man damit klar
kommt, dass es ohnehin mehr Freizeitparkattraktion als Spielfilm ist,
darf man getrost zuschlagen.
4,5 /
10
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