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Kritik:
Transformers 3


von Christian Westhus

TRANSFORMERS 3: DARK OF THE MOON (2011)
Regie: Michael Bay
Cast: Shia LaBeouf, Rosie Huntington-Whiteley, Josh Duhamel

Story:
Autobots gegen Decepticons bumm, bäm, krach, zerberst! Genauer? Der Frieden auf der Erde ist nur von kurzer Dauer, die Decpticons sind noch nicht besiegt. Als Optimus Prime und Co. erfahren, dass sie nicht in alles eingeweiht wurden, was die Menschheit über sie, die Feinde und Cybertron wussten, ist Gefahr im Anmarsch. Auf dem Mond ist ein Cybertron-Raumschiff vor einigen Jahren abgestürzt und birgt eine geheime Technologie, die das Ende der gesamten Menschheit bewirken könnte. Die Decepticons um Megatron, Starscream, Soundwave und Konsorten wollen die mächtige Technologie für sich, während die Autobots dies verhindern müssen und während Sam Witwicky mit Jobsuche und Beziehung jongliert.

Kritik:
Der Name Michael Bay reicht, um bei Fans für Verzückung, bei der Kritik für Schamesröte und/oder Lachanfälle zu sorgen. In der dritten Runde des gigantomanischen Alien-Roboter-Spielzeug-Brimboriums ist ein Kinoerfolg quasi vorprogrammiert. Warum sich also noch Mühe geben bzw. plötzlich damit anfangen? Umso erstaunlicher, dass im Vergleich zum katastrophalen Vorgänger eine ganze Menge richtig… na ja, zumindest besser gemacht wurde, was nicht heißt, es gäbe nichts zu meckern. In einem dritten Teil noch immer über Sinn und Unsinn der wandlungsfähigen Robos zu lamentieren ist albern, aber das Script, dieses Mal ausschließlich von Ehren Kruger verfasst, der in Teil 2 schon mitmischte, ist immer noch ein Witz. Und ein schlechter. Das schert den geneigten Fan natürlich nicht die Bohne, wenn Zerbröselungsmeister Michael Bay mal wieder exorbitant wahnwitzige Effekt- und Zerstörungsszenen serviert und einfach mal dafür sorgt, dass selbst 160 Minuten ratzfatz verstreichen. Nur ein runder Film will so nicht entstehen, einer der mehr ist, als ein lauter, dröhnender und substanzloser Fast-Food Snack fürs Entertainment-Publikum. Folgerichtig gibt es hier erstmals 3D als Kirschtopping und ansonsten alle gewohnten Zutaten, aber eben auch – so unglaublich es erscheinen mag – Verbesserungen. 

Wobei „Revenge of the Fallen“ auch der ideale Vorgänger ist, denn noch leerer, noch infantiler und noch einfallsloser zusammengebastelt erscheint schwer vorstellbar. Und machen wir uns nichts vor, auch „Dark of the Moon“ ist auf Drehbuchbasis schludrig zusammengekleisterter Action-Nonsense in episodischen Häppchen. Die völlig überladene Behelfsstory für ein Vehikel, von dem doch eigentlich nur simpelste schwarz/weiß Stereotypen verlangt werden, schleppt einen enormen Ballast aus personellem Überangebot und einer viel zu verzwurbelten und letztendlich völlig überflüssigen Grundhandlung mit sich. Da erhält zum Beispiel der ewig coole John Malkovich einen glorios peinlichen Gastauftritt, wenn unser menschlicher Held Sam Witwicky auf Jobsuche ist. Für die große Verschwörung um den Mond, den altehrwürdigen Sentinel Prime oder die anrückenden Decepticons, hat dieser Handlungsstrang keine Relevanz. Die paar nennenswerten Infohäppchen hätte man auch mit Leichtigkeit andernorts unterbringen können und charakterlich tangiert das unseren Sam auch nicht. Stattdessen macht der Film hier einen seiner erfreulich wenigen Sturzflüge ans Niveau des zweiten Teils, wenn ein hibbeliger Asiat im Klo aufdringlich wird und wenn Malkovich Design-Paranoia schiebt.

Auch drollig eine Episode in Russland, die in diesem kunterbunten Allerlei aus Kalter Krieg und Wettlauf zum Mond Nostalgie natürlich herzerfrischen gut ausschaut. Angedacht war es wohl, in einer Art Schnitzeljagd die verschiedenen Infos und Erkenntnisse zusammen zu setzen, um dann des Rätsels Lösung zu ertüfteln. Nette Idee, aber die offensichtliche Konstruktion durchschaut man sofort. In Russland macht die Handlung aber einen kurzen Schwenk ins Absurde, wenn es plötzlich aufs Maul gibt und ein Buröhengst sein Bewerbungsschreiben an Will Smith und Martin Lawrence rausschickt. Widerstrebend ist man fast geneigt, Genosse Bay da Selbstironie zu unterstellen, aber der Verdacht liegt nahe, dass dieser es auch einfach nur cool fand. Gleiches gilt auch für die neue Frau an Sams Seite, denn das ehemalige Lustobjekt Megan Fox wurde durch Supermodel Rosie Huntington-Whiteley ausgetauscht. Ein pompöser Besetzungscoup, denn nun braucht Bay sein Frauenbild nicht mehr zu verstecken oder beschönigen. Er inszeniert die Neue als Fleisch gewordenen Männertraum und weil ihm da wohl meist schnell einer abgeht, könnte Rosies erster Auftritt auch glatt einem neuen Victoria’s Secret Werbespot entnommen sein. Ein Overkill aus hochglänzender Edeloptik, einer aufdringlichen Fokussierung auf entscheidende Körperteile und inhaltlich gänzlich von jedwedem Sinn befreit. Sinn gibt’s bei Bay wenn überhaupt nur in „sinnlich“ und das nennt man neudeutsch auch schon mal „pornös“. Auch das könnte ironisch – und damit außerordentlich meta-witzig – gemeint sein, aber ein Bay meint so was auch gerne mal ernst. 

Man war ja mit Mikaela keineswegs verwöhnt, was mögliches Denkpotential der holden Weiblichkeit betrifft. Kein Wunder übrigens, dass sich Frances McDormand als Chefin (also Denkerin) einer Regierungsbehörde konsequent Weiblichkeit widersetzt. Als Carly ist Sams Neue schon mal ausreichend dämlich benannt und ist entsprechend ein laues Lüftchen, die immerhin so etwas wie eine emotionale Verbindung zu Sam hat. Woher diese kommt ist Nebensache, aber als rein funktionelle Verbindung ist das Modell Carly einigermaßen passend. Dank Carly machen wir schließlich mit Patrick Dempsey Bekanntschaft, der hier goldrichtig als halbböses Upperclass-Arschloch besetzt ist. Es braucht ja einen menschlichen Gegenpart in dem ganzen menschlichen Gewusel. Dabei hat Dempsey häufig genau das umzusetzen, was laut Dramaturgie jetzt geschehen müsste, dessen Umsetzung man sich jedoch irgendwie verbaut hat. Sams College-Verbindungen wurden zum Glück gänzlich gekappt, Sams Eltern sind als erwartete Peinlichkeit auf ein erträgliches Minimum reduziert und das Regierungspalaver ist auch relativ Pustekuchen. Josh Duhamel darf dafür ein paar Mal ordentlich zupacken und, ach ja, Tyrese Gibson muss ja auch noch irgendwie untergebracht werden. König unter den menschlichen Personen ist dieses Mal jedoch John Turturro, der zuvor noch Nervfaktor war, hier aber endlich von der Leine gelassen wurde. Der kaspert sich einen zurecht, dass Capt’n Jack Sparrow seinen Hut ziehen würde und unterstreicht den noch immer unheimlichen Verdacht, Michael Bay verstünde was von Selbstironie und Humor. 

Emotionale Relevanz haben aber nur Sam und Carly. Bei den Transformers sieht es derweil nicht anders aus, denn die quantitativen Superlative sorgen auch für ein charakterliches Vakuum. Außer Optimus und Sentinel Prime hat nur Megatron zwei, drei kurze Momente. Selbst Bumblebee ist auf seine Funktion als Sams Freund reduziert, während das Überangebot an Decepticon-Schurken keinen Raum für Starscream oder Shockwave lässt. Ersterer redet – wie so viele Figuren, ob Mensch oder Maschine – reichlich dummes Zeug, und Letzterer räumt mit seinem mehrköpfigen Bohrwurm ordentlich auf. Das Massensterben von Mensch und Maschine ist uns somit herzlich egal, aber immerhin weiß Bum-Bum-Bay in dem Metier was er tut. Die allertollsten Effekte nutzen noch immer eher wenig, wenn man gefühlsmäßig nicht involviert ist, aber das Spektakel an sich ist hier endlich mal ein Genuss. Nach relativ ausgedehnter Exposition fackeln Bay und sein Team in den finalen 40 Minuten ein obszön überkandideltes Feuerwerk der Effektkunst ab. Und endlich mal kann man das Effektgepose auch als solches bewundern, denn das verhasste 3D zwingt Bay zu ungewohnter Ruhe und Übersicht. Die Arroganz wird plötzlich zur Tugend, wenn in schicken, schnittlosen Kamerafahrten endlich mal in Zeitlupe erkannt, gefeiert und genossen werden kann, was da in minutiöser Kleinstarbeit am Rechner entstanden ist. Besonders beeindruckend, wie die praktischen und digitalen Effekte mit der realen Stadtumgebung verbunden werden. Das zeigt selbst Roland Emmerichs SFX-Monster „2012“ was eine Harke ist, wenn die als episch gedachten und mit pathetischer Musik unterlegten Szenen für Optimus nun tatsächlich mal episch wirken. 

Da ist noch immer nicht alles Gold was glänzt, aber die Fluganzug-Szenen machen Laune, das Vorgehen der Menschen ist überraschend nachvollziehbar und mehr oder weniger sinnig, und ansonsten gibt es einfach bombastisch was aufs Fressbrett. Der gesamte Plan der Decepticons ist relativ pillepalle, wenn es einfach nur halbwegs schmerzfrei rummst. Blöd nur, dass manche alten Laster einfach nicht abgeschüttelt werden können. Jeder Transformer, der kleiner als ein Meter ist, hat irgendwie einen Dachschaden und nervt. Was sich im Invasionskrieg so alles Transformer schimpft und eher aussieht, als wäre es im Design-Auskauf von „Skyline“ abgegriffen, verwundert. Obwohl es beachtlich ist, dass Bay die amerikanischen Helden der Mondlandung zu Beteiligten einer fiesen Verschwörung macht, verneigt sich später sogar Optimus himself vor Buzz Aldrin und der gesamte amerikanische Militärpark präsentiert sich motiviert, gut trainiert und bis in die Haarspitzen patriotisch. In einer herrlich sinnbefreiten Szene tauchen sogar Navy Seals auf, was in diesem Kladderadatsch aus Militärbeweihräucherung und dickstem Pathos (besonders von Optimus) aber kaum mehr auffällt. Den Höhepunkt des Idiotischen gibt schließlich jedoch die selten dämliche „Wie kommen wir aus der Nummer jetzt wieder raus?“ Aktion gegen Ende, wenn die Frau in Weiß auf King Megakong, ähm, -tron trifft. Ein schlecht durchdachtes, unlogisches Ärgernis, welches den Spaß an der feisten Materialschlacht tatsächlich etwas trübt. Aber auch das war in Teil 2 schlimmer. Von daher hat dieser Film immer die passende Ausrede auf seiner Seite.

Fazit:
Besser als Teil 2. Oder genauer: Weniger dumm und albern als „Revenge“, bombastischer und (auf positive Weise) protziger als Teil 1. Das Drehbuch ist noch immer aufgeblasener Schrott ohne Fokus, die Figuren sind noch immer charakterlich unterentwickelte Mechanismen und Substanz gibt es schon mal gar nicht, aber nicht zuletzt dank 3D und einem pfundigen Finale kommt man aus dem neuesten Transformers Schabernack unbeschadet und womöglich sogar nett unterhalten raus. (Zum Vergleich: "Transformers" ~ 6/10; "Transformers: Die Rache" ~ 3/10)

5 / 10

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