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Kritik:
Transformers 4
Ära des Untergangs


von Christian Mester

TRANSFORMERS 4: AGE OF EXTINCTION (2014)
Regie: Michael Bay
Cast: Mark Wahlberg,
Nicola Peltz, Jack Raynor

Story:
Mechaniker Cade entdeckt einen alten Truck, der sich überraschend als Optimus Prime, der Anführer der Autobots offenbart. Die guten Transformers leben seit einer Hetzjagd der CIA im Verborgenen, da man ihnen seit dem Chicago-Vorfall nicht mehr länger traut. Mit Prime kommen jedoch Probleme auf, und so sind Cade und seine Familie bald in einen großen Kampf verstrickt, bei dem Robo-Dinosaurier und Transformers-Kopfgeldjäger gegenseitig unfreiwillige Ölwechsel vornehmen wollen...

Vorbei die Ära LaBeouf. Mark Wahlberg ist nun der neue Transformers-Busenmechaniker, und der ist mal alles andere als ein Teenager. Zwar hat er mit seiner Tochter und ihrem Freund ständig Teenager um sich, doch der ganze Film wirkt ein klein wenig anders, schultert ihn ein Erwachsener. Wahlberg selbst ist mal so, mal so, je nach Rolle. Setzt man ihn gut ein, wie Bay selbst in Pain & Gain, kann er meist überzeugen. Ist er in Age of Extinction gut? Schwer zu sagen. Er ist in seiner Figur immerhin eines nicht: nervig. Er ist sogar ein sehr gewöhnlicher Daddy-Charakter, der sich hier zum Schutz seiner Tochter in die meisten Getümmel stürzt.

Das macht ihn erträglich, offen gesagt aber auch ein klein wenig langweilig. Er bleibt den ganzen Film über sehr neutral, hat wenig verbale Auseinandersetzungen mit seiner Tochter oder ihrem Freund abseits von seinem Missfallen ihrer Liebschaft, und hat auch sonst wenige auszeichnende Eigenschaften. Er ist Mechaniker, hat eine absurd große Farm trotz kleinen Gehalts, und Patriot scheint er zu sein. Die Tochter, Nicola Peltz aus The Last Airbender und Bates Motel, kommt ganz nach der Vaterrolle. Sie ist ähnlich leer als Charakter, wird aber trotz ihres Geschlechts nicht ganz so sehr zum Objekt der Begierde gemacht wie zuvor noch Fox und Huntington-Whiteley. Vielleicht liegt es an ihrem Alter, vielleicht liegt es an ihrer Art, aber man kann festlegen, dass Transformers 4 der Teil mit dem geringsten Anteil an Sexismus ist. Das ist doch schon mal was, oder?

Als menschliche Bösewichte treten hier Kelsey Grammer und Stanley Tucci auf, die nicht ganz so unmöglich erscheinen wie Dempseys aus dem dritten Film. Beide geben okaye 0815 Verschwörer ab, die selbstverständlich nur Böses im Schilde führen, und beide haben sichtlich mehr Spaß in ihren Rollen als viele andere menschlichen Kollegen in den vorherigen Teilen.

4 stammt wie auch schon 3 von Autor Ehren Kruger, doch es scheint zwischen den beiden Teilen einiges passiert zu sein. Das Script des neuen Films erscheint sehr viel entschlackter. Weg ist der pubertäre Humor, weg ist der überladene Heckmeck der Handlung. Die Narrative ist sehr viel schlanker gehalten und im Grunde folgen wir hauptsächlich der Farmerfamilie, wie sie Prime folgt und ihm immer mal wieder hilft. Ein weiterer positiver Aspekt ist Transformersbösewicht Lockdown, der immer wieder starke Auftritte hat und mit einer Art Zoo-Raumschiff unterwegs ist, das erstmalig im Franchise interessante Fragen aufwirft.

An Mystery oder den Geheimnissen des Weltalls ist natürlich auch dieser Film nicht interessiert. Es ist eine schlichte Actionstory, mit erneut hochkarätig gemachten Actionszenen, die es richtig rappeln lassen, die aber wiederum nicht vergessen lassen können, was sonst noch mitgeschleppt wird. Erneut ist der Film fast 3 Stunden lang. Unfassbare Quatschentscheidung. Transformers 4 mag etwas gelenkiger und flotter sein als die übrigen, kommt aber mit den womöglich langweiligsten Protagonisten der Reihe daher. Die Action mag immerzu Highlight für Blockbusterbestimmungen sein, doch die Handlung vermag es nie, eine solche lange Laufzeit zu rechtfertigen. Transformers 4 ist nicht episch, was er sein will, sondern anstrengend und der langen Zeit eigentlich nicht wert. Nicht, wenn man es in Gegensatz der Technik stellt. Was die in den letzten vier Filmen auf die Beine gestellt hat, ist meisterhaft, doch die Abteilungen Drehbuch und Schnitt schnarchen zweifelsohne weg. Das gehört schlanker gekürzt, schnittiger geschrieben, interessanter besetzt.

Nach über zehn Stunden Transformers fällt gegen Showdown auch so langsam auf, dass sich gerade diese in ihrer gesamten Art wiederholen. Dafür, dass die Handlungen so vollgestopft sind mit Wendungen, die allesamt kalt lassen, laufen gerade die abschließenden Kapitel nach langweiliger Erwartung ab. Lobend sei jedoch erwähnt, dass Transformers-Dinosaurier (Grimlock!) und Transformers-Schwerter eine wohltuende Ergänzung sind. Dass der neue Film zum Teil in China gedreht wurde, zum Dank für chinesische Investoren und dem Kinoerfolg in China, kommt kaum zum Tragen. Einige der Nebendarsteller sind chinesisch und einige Spielorte sind es auch, doch es ist so austauschbar arrangiert, dass es auch in Buxtehude hätte spielen können. Hinzu kommt, dass es allmählich schwierig wird, Spannungsmomente aufzubauen. Sam, Optimus und Megatron waren alle drei schon mal tot und wurden wieder auferweckt, und nachdem schon im dritten versucht wurde, einen anderen Planeten herbeizuteleportieren, fällt es schwer, das noch länger zu toppen. Vielleicht hätte Transformers 4 dafür eher auf etwas weniger Destruktion setzen sollen, aber das traut sich Bay scheinbar nicht.

Fazit:
Transformers 4 ist 3 in vielem ähnlich, und doch ganz anders. Er macht sogar einiges besser, was 3 noch mit sich herumschleppte, bringt dafür aber ganz neue Probleme auf. Mark Wahlberg im Film zu sehen lässt frusten, dass nicht auch Teddy Ted oder Will Ferrell dabei waren. Oder zumindest die Gummi-Topfpflanze aus The Happening - das hätte dem ganzen vielleicht mehr Leben eingeflößt. Ein müdes Klatschen: Im Großen und Ganzen ist Transformers 4 vermutlich das Bestmögliche, was man aus völlig seelenlosem Film-als-Produkt Spektakel herausholen kann.

5,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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