BG Kritik:

Transformers - The Last Knight


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Transformers: The Last Knight (US 2017)
Regisseur: Michael Bay
Cast: Mark Wahlberg, Anthony Hopkins, Bumblebee, Megatron, Optimus Prime

Story: Transformers. Nazis. Tafelrunde. Sexy Professorin. Mark Wahlberg. Drohende Vernichtung der Erde. Heranfliegender anderer Planet. Böser Optimus. Transformers-Ghidorah. Transformers-Baby-Tyrannosaurier. Anthony Hopkins. Bautz.

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2018 folgt ein Bumblebee Spin-off, das in den 80ern spielt


Kritik beinhaltet Spoiler
Wie sieht wohl ein Michael Bay Ritterfilm aus? Hauptsache mit epischen Panorama-Explosionen versehen sollte man meinen, und tja, exakt damit fängt sein zum dritten Mal angeblich letzter Transformers an. Moment, Transformers… bei Rittern? Es wird besser, viel besser: Es stellt sich heraus, dass König Artus, Lanzelot und Hofzauberer Merlin damals mit Transformern und Transformer-Drachen zusammengearbeitet haben, um die anrückenden Sachsen aufzuhalten. Das ist noch verrückter als Guy Ritchies diesjähriger Artus Film, in dem gigantische Riesenelefanten durchs Bild liefen.

Tatsächlich ist das Drehbuch des Films eine historische Meisterleistung. Was Art Marcum, Matt Holloway und Ken Nolan fabriziert haben, gehört mit einem Oscar ausgezeichnet. Mit einem Gratulations-Sonder-Oscar für den epischsten erdachten Schwachsinn. Nun schrieben sich Bob Orci und Alex Kurtzman bereits mit Transformers 2 in die Geschichtsannalen des pursten Nonsens, doch das neue Transformers-Trio hat ihre Vorreiter jetzt noch mal um Längen geschlagen. Zum einen liegt es selbstverständlich daran, dass The Last Knight eine der bescheuertsten Filmhandlungen der letzten 40 Jahre hat. Die Konzepte sind idiotisch, die Pläne der Helden und Gegner ergeben keinen Sinn – schon gar nicht im Rückblick auf die anderen Filme (die Erde – die gesamte Erde ist ein riesiger Transformer!), Kontinuität wird ohnehin mit Füßen getreten, der Spannungsverlauf dreht sich lachend im Kreis und gegen Ende erscheint alles Passierte wie ein gewaltiger Witz.

Ja, Newsflash, das war vorher auch nicht sonderlich anders, aber dennoch ist es schier unglaublich, was hier zusammengestellt wurde. Im Grunde sind es diverse Fragmente, die vermutlich von den dreien separat geschrieben und dann von Bay zusammengeleimt wurden. In einer fast postapokalyptischen Gegend kämpft eine Vierzehnjährige gegen ED209 Maschinen aus den Robocop Filmen. Derweil darf sich eine junge Professorin, die Megan Fox erstaunlich ähnlich sieht und ganz normal arbeiten geht, peinlich über ihre Eltern ärgern, die ihr unbedingt einen Mann an die Seite wünschen. Mark Wahlbergs Figur aus dem letzten Teil ist jetzt nicht mehr länger mit seiner Tochter unterwegs. Megatron will Merlins Zauberstab, mit dem sich ein Raumschiff aktivieren lässt, das die Erde vernichten kann (weil diese insgeheim ein weiterer Transformer ist, der aber zu keinem der Teams gehört). Es gibt einen Baby-Tyrannosauriertransformer, der Feuer spuckt. Anthony Hopkins spielt einen wohlhabenden Nachkommen der Tafelrunde, die neue Mitglieder benötigt. Der alte Agent Simmons will nun auch dazu gehören. Weil das nicht genügt, taucht auch noch Soldat Lennox aus den ersten drei Filmen auf, der einige Decepticon-Schwerverbrecher frei lässt und einen eigenen Plan verfolgt. Und dann ist da noch Chef Optimus Prime, der im All auf seine Schöpferin trifft, die auf fliegenden Überresten des Transformers-Planeten auf dem Weg zur Erde ist und Optimus böse macht, damit er ihr hilft.

Keine Frage, aus einzelnen Aspekten hätte man eine anständige Handlung basteln können, doch weil Bay nie verzichten kann, ergibt es eine zweieinhalb Stunden lange Konfusion, die zwar von der Länge her Herr der Ringe sein will, inhaltlich dafür aber null passend ineinandergreift oder aufeinander aufbaut, geschweige denn dramatisch fesselt oder einfach nur Spaß macht. Beispiel: Das kleine Mädchen in einer kriegszerrütteten Gegend kämpfen zu sehen hielt Bay vermutlich für ein gutes Trailerbild, doch nach den ersten 20 Minuten spielt die Kleine schon keine Rolle mehr. Optimus Prime hingegen, die Transformers-Hauptfigur schlechthin, trifft in seiner bösen Form erst nach fast 2 Stunden auf seine Kollegen, nur um sofort wieder umgepolt zu werden. In einer guten Story wäre sein Auftauchen mit Dramatik verbunden oder sein Seitenwechsel als schockierende Überraschung präsentiert oder sein erneuter Seitenwechsel als packende Rettung inszeniert, aber weil Bay immer mal wieder zeigt, was er macht, oder eher, wie lange er hier nichts aktiv mit der Handlung zu tun hat, fällt einfach auf, wie wenig Platz die Story für ihre eigenen Hauptfiguren hat. Ein weiteres Beispiel ist Anthony Hopkins‘ Transformer, Cogman. Die Ideen: Wärs nicht cool, wenn ein Transformer Martial Arts könnte? Oder wenn einer ein arroganter britischer Butler wär? Oder wenn einer so emotional wär, dass er in wichtigen Momenten selbst Musik einspielt oder gar Opern singt? Cogman ist all das auf einmal, und erkämpft sich mit seinen unentwegten Kommentaren tapfer den ersten Platz der nervigsten Transformer überhaupt. Er lässt Jar-Jar Binks zurückhaltend aussehen.

... Bay verspricht indes zum dritten Mal, dass es sein letzter TF Film sei


Mark Wahlberg? Soll den Everyman geben, den ganz normalen Durchschnittstypen, der in ein weiteres Transformer-Abenteuer gerät. Im Grunde läuft er die ganze Zeit nur vor Explosionen davon und rutscht einstürzende Neubauten runter, Neunzollnägel ausweichend. Im Vergleich zu 4 wird er hier zu einer ungemein wichtigen Person auserkoren, doch so wirklich hergeben will sein Charakter das nicht. Dass Shia LaBeoufs mitreißender Enthusiasmus fehlt (es wird impliziert, dass Sam Witwicky offscreen gestorben ist) fällt spätestens dann auf, wenn auch Wahlberg seine eigene Megan Fox bekommt, mit der es allerdings null funken will. Hopkins? Hopkins gefiel Bay anscheinend so gut, dass er ihn fast 90 Minuten lang zu einer Hauptfigur macht. Also darf er das, was er am besten kann: Dinge erklären, auch wenn es in diesem Fall bedeutet, zu erklären, wie Hitler von einer Transformer-Taschenuhr getötet wurde.

Bei Teil 5 muss man nicht mehr viel zur immer gleichen Regie sagen. Wieder sind die Effekte prinzipiell erstklassig, wieder gibt’s jede Menge immense Actionszenen, wieder beweist Bay im Schlaf, dass er ein Auge für starke Bilder hat. Es ist nur leider vergebens, denn aufgrund der missratenen Handlung verkommt seine Bilderwelt zu seelenloser Blockbuster-Kakophonie. Hier zerbersten Gebäude, da schlagen sich Zigarre rauchende Transformers mit transformierenden Rittern, drüben bellen Transformerssaurier wie Hunde, wieder droht die absolute Vernichtung des Planeten. Es ist schwer zu glauben, aber die Schlacht der sich transformierenden Alienroboter wird trotz gebotener Schauwertepik allmählich erstaunlich langweilig.

Das Schlimmste zu schlechter Letzt? Wer den subinfantilen Fremdschämhumor vermisst hat, der in Ära des Untergangs erheblich reduziert worden war, also, wie Keon Jeong mit heruntergelassenen Hosen in Teil 3, Sams Mutti, die über Masturbation witzelt und Hashbrownies isst, den Beinrammler Wheelie oder Devastators gewaltige Abrisskugel-Hoden , der kann sich endlich wieder freuen. In The Last Knight fragt Mark Wahlberg z.B. einen 10jährigen, ob er „was auf die Fresse“ wolle, die Transformers lassen in einer Tour Sprüche wie „Ich hau dich von den Beinen, du kleine Bitch“, ein notgeiler Transformers schaut sich Autobilder im Netz an und kommentiert, dass er da gern mal drüber transformieren würde, und im Angesicht der drohenden Weltvernichtung drängt Butler Cogman das Heldenpaar dazu, doch noch eine letzte Nummer zu schieben.

Fazit:

Die Effekt- und Bilderarbeit rettet Bay ja immer mal wieder den Allerwertesten, aber alles muss mal enden. Transformers 5 ist mit cybertronhaftem Abstand einer der schlechtesten US-Blockbuster aller Zeiten, ohne Frage. Mit Schmackes geht es an vorherigen Riesengurken wie Green Lantern, Gods of Egypt oder, ja, Transformers 2 vorbei. Seelenloser, sinnloser, infantiler Radau, der rein gar nichts aus seinen Vorgängern gelernt hat und es mit seinen ständigen Kontinuitätsbrüchen selbst hartgesottensten Transformersfans schwer machen dürfte. Ja, nach der ersten Stunde hat man viel gelacht, weil sich hier Schwachsinn auf Schwachsinn auftürmt, doch nach zweieinhalb langen Stunden bleibt nur noch Erschöpfung übrig, denn Transformers: The Last Knight saugt nicht nur im Film Hirn- und Lebensenergie aus der Erde heraus, das klappt auch so ganz gut. Wenn es sich wenigstens nicht so ernst nehmen würde. Mittlerweile hat man sich so weit vom guten ersten Teil entfernt, dass nichtmal Linkin Park den nächsten retten könnten.

2 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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