BG Kritik:

Treppe aufwaerts


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen. Als Redakteur war er u.a. für 35 Millimeter - Das Retro Filmmagazin tätig.

Treppe aufwaerts (DE 2015)
Regisseur: Mia Maariel Meyer
Cast: Hanno Koffler, Matti Schmidt-Schaller, Karolina Lodyga

Adam (Hanno Koffler) gibt nach außen hin vor, Taxifahrer zu sein. In Wahrheit verbringt er den Großteil seiner Zeit jedoch in Casinos und Spielotheken. Dort versucht er alles, um den Schuldenberg, den sein Vater Woyzeck (Christian Wolff) in Folge seiner Spielsucht über die Jahre angehäuft hat, abzuarbeiten. Zu diesem Zweck manipuliert Adam sogar regelmäßig die Spielautomaten zu seinen Gunsten. Aber auch zu Hause geht es für ihn drunter und drüber. So kümmert er sich dort nicht nur um seinen zunehmend dementer werdenden Vater, sondern sieht sich plötzlich auch mit seinem 16-jährigen Sohn Ben (Matti Schmidt-Schaller) konfrontiert, der eines Tages vor seiner Tür steht. Nachdem er jahrelang keinen Kontakt zu Ben hatte, erhofft sich der überforderte Adam, seinem Sohn endlich wieder näherzukommen. Doch dessen ablehnende Haltung und seine eigene Verstrickung in die kriminellen Machenschaften des zwielichtigen Bardo (Patrick Wolff) machen Adams Leben ungleich komplizierter.

Oder doch lieber den Aufzug nehmen?

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Regisseurin Mia Maariel Meyer legt mit diesem Film ihr Spielfilm-Debüt vor. Er entstand völlig ohne Hilfe von Fördergeldern oder finanzieller Unterstützung seitens der Fernsehsender. Ein Teil des Budgets für den Film konnte ganz modern via der Crowdfunding-Plattform „startnext“ generiert werden. Doch merkt man diese Freiheiten dem Film an? Was unterscheidet ihn von seitens des Bundes geförderten Dramen, die so verpönt unter der allgemeinen, deutschen Zuschauerschaft sind? Nicht viel. Es bleibt vorab auch zu diskutieren, inwiefern die deutsche Kinolandschaft wirklich durch die Fernsehgelder und die dadurch entstehenden Filmen Schaden davon trägt bzw. wie die finalen Ergebnisse zu beurteilen sind, aber dafür muss wohl ein anderes Mal hier Platz gefunden werden. Debattiert wird darüber an anderen Stellen ja schon zur Genüge.

Die metaphorische Treppe in TREPPE AUFWÄRTS gleicht wohl mehr einer Art Spirale, die für die Protagonisten zum Teufelskreis wird. Jeder Generationenpart scheint sich über dem anderen zu sehen. Bedacht darauf nicht dieselben Fehler zu machen und doch werden sie ergriffen. Nicht unbedingt von der Spielsucht, sondern von der Sucht es besser zu machen. Es sich und anderen beweisen zu wollen. Aber was beweisen? Das man besser ist als sein Vater? Das die eigene Familie nicht von einer Krankheit befallen ist? Der Krankheit des Verlierens und des Versagens. Man findet sich anfangs in der Welt von Männern. Die Frauen haben sie verlassen. Das Tod, das Schicksal oder das Leben haben sie ihnen genommen. Wahrscheinlich die letzte Stütze in ihrem Leben. Adam, der eigentlich schon einen Schritt aus der Spirale gesetzt hat, findet jemand Neues an seiner Seite, aber nur weil er seine Generation über ihm heilen konnte, heißt das nicht, dass die nach ihm kommende Generation genauso davon profitiert.

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An Alltag ist in dieser Familie nicht zu denken. Immer wieder werden neue Dominosteine angestoßen und führen zum nächsten Unglück. Sehr bedauerlich ist dabei, dass Regisseurin Mia Maariel Meyer, die zusammen mit den Produzenten Patrick Wolff und Marco Leberling auch das Drehbuch geschrieben hat, die handelnden Figuren sehr in ein vorgefertigtes Schema hinein quetscht. Sie lässt ihnen keine Hoffnung, aber bewegt sich damit auch oft an der Grenze oder über der Grenze von bekannten Handlungsmustern. Spielsucht und Alkohol werden in Verbindung gesetzt. Gewalt und Aggression als einziges Gegenmittel und eine Kommunikationslosigkeit zwischen den Hauptakteuren. Die Figuren werden in den wichtigen Momenten mundtot oder handlungsunfähig. Je weiter der Film fortschreitet umso offensichtlicher wird hier die Geschichte, die von den Figuren geleitet wird, die wie Marionetten durch das Szenario geführt werden. Selbstverständlich muss ein Film nicht aus dem Loch herauskommen in dem seine Figuren festsitzen. Nicht jede Heldengeschichte braucht ihr Happy End, doch hier wirkt das Ganze am Ende Spur zu sehr konstruiert und überspitzt.

Eine Handschrift ist dabei nicht wirklich erkennbar. Das Budget wird im unteren Bereich gelegen haben und somit auch nicht viel Spielraum gelassen haben – man merkt das auch am teilweise suboptimal aufgenommenen Dialog – doch wäre die Inszenierung ohne beispielsweise das überzeugende, aber nicht grandiose, Spiel von Hanno Koffler verloren. Nett für den ein oder anderen Matti Schmidt-Schaller mit weißem Haupt und Bart zu sehen, der den meisten wohl schon mal als Förster in der ZDF-Vorabendserie FORSTHAUS FALKENAU zumindest beim Durchzappen über den Weg gelaufen sein wird.

Fazit:

Ein konstruiertes und zugleich fahriges Drehbuch, eine uninspirierte Regie, da helfen die überzeugenden Schauspielerleistungen nur bedingt um einen befriedigenden Film zurückzulassen. Schade, dass auch nahezu jedes Klischee in diesem Milieu irgendwie Verwendung findet. So ist deutsche Kino leider auch oft. Verkopft und schlussendlich ohne Aussage.

4 / 10

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