BG Kritik:

Triple 9


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen. Als Redakteur war er u.a. für 35 Millimeter - Das Retro Filmmagazin tätig.

Triple 9 (US 2016)
Regisseur: John Hillcoat
Cast: Casey Affleck, Kate Winslet, Chiwetel Ejiofor, Anthony Mackie, Woody Harrelson, Aaron Paul

Story: Eine Gruppe korrupter Cops und Krimineller plant einen Mord an einem Polizisten, um ihren bisher größten Coup erfolgreich durchführen zu können.

Who you gonna‘ call? Triple 9 oder lieber doch nicht?

-


John Hillcoat ist nun endlich in der Gegenwart angekommen. Nachdem er mit seinem Debüt direkt ins Gefängnis ging (GHOST...OF THE CIVIL DEAD (Willkommen in der Hölle, AUS 1988), gelang ihm mit seinem Ausflug in das Australien der 1880er, seinem dritten Film THE PROPOSITION (AUS/GB 2005), direkt der Durchbruch. Daraufhin verschlug es ihn mit der Cormac McCarthy-Verfilmung THE ROAD (USA 2009) in eine triste Zukunft, worauf er einen Sprung in die Prohibitionsära der 1930er mit LAWLESS (USA 2012) folgen ließ. In TRIPLE 9 befindet man sich nun im Hier und Jetzt. Genauer gesagt, in Atlanta im amerikanischen Bundesstaat Georgia. Die Frage, wieso er eigentlich gerade dorthin wollte, bleibt er dem Publikum hierbei bis zum Ende schuldig, da sein Beitrag das Genre weder bereichert noch außergewöhnlich entgrenzt.

Die Problematiken liegen dabei grundlegend in der Ausrichtung des Drehbuchs. Leider weiß der Zuschauer spätestens nach zwei Dritteln – wahrscheinlich schon eher nach der Hälfte – wo die Reise von Hillcoat und seinen Figuren diesmal hingehen wird. Leider bemerkt dies der Film aber nicht und zelebriert seine Vorhersehbarkeit unwissend. Durch den Einblick in diese offensichtlichen Handlungsmuster können am Ende auch nur die Figuren verlieren, die mehr wie Marionetten an Fäden von Plotpoint zu Plotpoint geführt werden. Dies mag angesichts der starken Besetzung wirklich ärgerlich sein. Gerade Casey Affleck und Chiwetel Ejiofor machen ihre Sachen nicht wirklich schlecht, bekommen aber einfach zu wenig zum Spielen. Woody Harrelson Ansatz ist da wieder etwas überzogener, aber wäre mit einem guten Drehbuch auch nicht wirklich fehl am Platze gewesen.

Es mag nicht überraschen, dass die Figuren bei Hillcoat etwas im Dunkeln bleiben, war dies doch beispielsweise in THE PROPOSITION nicht anders. Die Beweggründe der Figuren und deren Motivationen waren nie wirklich klar, aber im Unterschied zu vorliegendem Fall funktionierte dies auch. Wo THE PROPOSITION mit seinen Bildern und seiner Inszenierung eine unruhige Anspannung und fast schon einen Rausch generieren kann, stellen sich bei TRIPLE 9 mehr Fragen. Dies liegt vor allem an seinen bodenständigen Figuren, die bis auf Woody Harrelsons Jeffrey Allen keine wirkliche Mythisierung benötigen. Dafür sind sie viel zu einseitig bzw. eindeutig böse oder gut gezeichnet. Einzig Chiwetel Ejiofor kann sich mit seiner Figur über ein gewisses persönliches Dilemma definieren, was aber nie wirklich zum Tragen gebracht wird.

-


Die Besetzung bietet dabei eine gute Mischung aus etablierten Kinogesichtern und aufstrebenden Namen aus dem Serienbereich mit mehr oder weniger Erfahrung auf der großen Kinoleinwand. Gerade im ersten Drittel des Films merkt man den Schauspielern an, wie sie diesem Ensemble ihren Stempeln aufdrücken wollen. Versuchen sich hervorzuheben und sich und ihre Figur klar im Film zu verorten. Doch am Ende können sie nicht viel mehr spielen als auf dem Papier steht und dieses gibt ihnen in Puncto Charakterisierung nur spärliches Material. Dies führt leider konsequent zu erschwerter Empathie seitens des Zuschauers.

Banküberfälle wurden in den letzten Jahren in Hollywood en vogue. Ganz zentral in Ben Afflecks THE TOWN (USA 2010) oder als Eröffnungssequenz in Christopher Nolans Batman-Fortsetzung THE DARK KNIGHT (USA 2008). Gerade deswegen ist die Messlatte bei erneuten Banküberfällen im Film nicht klein. Hillcoat und sein Team halten sich dabei aber leider sehr zurück. Großartige Wendungen oder Ideen finden sich in den Überfallsequenzen kaum. Es mag ein netter Seitenhieb gegen das moderne Internet bzw. dessen soziale Medien sein, wenn einer der Bankräuber dem Bankmitarbeiter als Drohmittel ein Bild seiner Familie zeigt, dass er im Internet gefunden hat, aber es bleibt bei solchen Einzelfällen in puncto Innovation und Ideen. Fairerweise sei aber auch erwähnt, dass die zwei im Film stattfindenden Überfälle auch weniger Höhepunkt als mehr Startpunkte sind, die weitere Handlungsen ins Rollen bringen sollen. Es sind aber zumindest die wenigen Momente, in denen Atticus Ross mit seinem elektronischen Score etwas auftrumpfen kann, wenn auch nicht besonders erinnerungswürdig, da ansonsten im restlichen Film seine Klangteppiche eher im Hintergrund herumwabbern ohne wirklich aufzufallen bzw. eine größere Funktion einzunehmen.

Fazit:

Eine starke Besetzung kann nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass der Film eklatante dramaturgische Schwächen hat, schwach geschriebene Figuren und ein vorhersehbares letztes Drittel. Schade. Gerade bei dem Namen John Hillcoat hätte man mehr erwarten dürfen.

5 / 10

Dir gefällt BG? Unterstütz uns mit einem Klick auf

> Lies alle Meinungen zum Film! (226)

bereitsgesehen.de - Lass uns über Filme sprechen! - Home - Kritiken - Community - Specials - Impressum
Copyright 2017 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich