Kritik:
The Troll Hunter
von Christian Mester
THE
TROLL HUNTER
(2011)
Regie: André Øvredal
Mit: Otto Jespersen, Hans Morten
Hansen
Story:
Neugierig folgt eine Gruppe von
Reportern einem vermeintlichen
Wilderer in weit entlegenste Winkel
Norwegens, bis sie beim Herumtrollen
im Walde auf echte Waldtrolle
treffen.
Kritik:
"Cloverfield" im Wald – so etwa
könnte man die skandinavische
Horrorfilmproduktion "The Troll
Hunter" beschreiben, die vieles mit
Matt Reeves’ spannender
"Godzilla"-Hommage aus dem Jahre
2008 gemeinsam hat. Auch hier geht
es um eine Gruppe junger Leute, die
urplötzlich zwischen die
Quadratlatschen riesiger Ungetüme
geraten und trotz aller Umstände
immer bei allem eine laufende Kamera
mit sich führen. Statt durch
U-Bahn-Tunnel und Wolkenkratzer geht
es hier nun durch Steinhöhlen und
Waldlandschaften; im Prinzip ist es
der gleiche Film, nur mit anderen
Monstern und in anderer Gegend
angesiedelt. Aber genau so gut?
Wer sich von der skandinavischen
Folklore der Trollgestalten alberne
Märchenfiguren erwartet, wird
schnell eines Besseren belehrt. Die
zuweilen bis zu 50 Meter und noch
größer gewachsenen Waldriesen werden
als gefährliche Riesentiere gezeigt,
die Bäume wackeln lassen, Autos
zermalmen können und liebend gern
herumirrende Menschen verspeisen.
Sie mögen in Sachen Design nicht mit
JJ Abrams Schöpfung mithalten
können, sind dafür jedoch ebenfalls
glaubhaft, imposant und trotz
wesentlich geringeren Budgets
effekttechnisch vortrefflich
realisiert. Ebenfalls gelungen ist
das Sounddesign, das die nächtlichen
Wanderungen durch das knackende
Geäst zum atmosphärischen
Gänsehautler macht.
Trotz vieler spannender Szenen
vermeidet es Regisseur Øvredal
jedoch spürbar, „The Troll Hunter“
zum fingernägelkillenden
Horrorstreifen zu machen – immer
wieder sorgen „lustig“ gemeinte
Sprüche oder unerwartete Momente
dafür, dass der Film nur leichtes
Abenteuerkino bleibt. Viele der
zunächst gefährlich wirkenden
Titanen werden zu furzenden und sich
am Hintern kratzenden Lachnummern
deklassiert, lassen jeglichen Grusel
immer schnell schwinden. Echte
Horrorelemente gibt es nur im
Szenenaufbau an sich, Blut oder
regelmäßiges Ableben sind nie Teil
der Geschichte. Das ist durchaus
schade, da die wenigen amüsant
gedachten Momente den Film noch
lange nicht zum mainstreamtauglichen
Familienfilm machen und er somit in
seiner Intensität und
Ernsthaftigkeit abgeschwächt wird.
Eine weitere Schwäche liegt im
Ablauf, denn gegen Mitte wabert der
Film zäh herum, aus dem er erst im
großen Finale wieder heraus
defilibriert wird. Misslungen ist
auch der Versuch, gewisse satirische
politische Untertöne mit einzuweben
– so sollen die Trolle für globale
Erderwärmung verantwortlich sein und
die Regierung es wissen und gezielt
vertuschen, dass es sie gibt.
Inklusive Attacke auf die
Studenten-Crew.
Die größte Schwäche findet sich in
genau diesen - den Hauptfiguren. Die
Reportercrew tauscht bloß simpelste
Sätze ala „Lauf“, „Schau mal dort“
und „Gib mir die Kamera“ aus, die
daran erinnern lassen, dass es das
leidige Apartment-Intro aus „Cloverfield“
zumindest halbwegs schaffte,
Charaktere aufzubauen. Keine der
Figuren stört, doch sie alle sind so
blass, dass man ihnen nur mit
gebremsten Interesse folgen kann.
Der beste Mann im Rennen ist noch
der titelgebende Trolljäger, der als
grimmiger Erklärbär mit an Bord ist
und zwischendurch immer mal wieder
erklärt, was es mit den Riesenelmos
auf sich hat, und dafür sorgt, dass
sie ihnen nicht zu nahe kommen.
Besonders aufregend ist seine
regelmäßige Action gegen die
garstigen Riesentrolle jedoch nicht,
da er sie bloß jedes Mal mit
UV-Lampen anleuchtet. Das mag den
Mythen gerecht werden, nagt auf
Dauer aber am Unterhaltungsgrad.
Musikalisch ist nahezu nichts los,
was der Spannung zu Gute käme, wäre
sie Dauerziel. Da sie das oftmals
nicht ist, zerrt die ständige Stille
auf Dauer am Nervenkostüm. Insgesamt
ist der Film ein top gemachter und
für europäische Verhältnisse
origineller Monsterfilm, der leider
kaum echten Horror auslebt und in
jeder anderen Hinsicht fehlschlägt.
Hätte die Regie die Horrorspur
durchgezogen, hätte „The Troll
Hunter“ ein echter Trüffel werden
können, so ist es bloß rohe
Kartoffel. Lässt sich kauen und
irgendwie herunterkriegen, doch
wirklich schmackhaft ist das nicht..
Fazit:
Der norwegische Wald-„Cloverfield“
ist nicht ganz so gelungen wie das
US-Pendant, mitunter sogar etwas
sehr zäh, bietet aber einige
spannende Szenen und beachtliche
Effektarbeit.
4,5 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
> Deine Meinung
zum Film?
|