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Kritik:
Tron: Evolution


von Christian Mester

Tron: Evolution (2011)
Studio: Propaganda Games

Intro & Handlung:
„ Anmerkung: Diese Kritik geht davon aus, dass man den dazu gehörigen Film "Tron: Legacy" bereits gesehen hat.

Tron: Evolution ist ein Spiel zum Film, das die aufregenden Ereignisse aus dem 3-D Disney Blockbuster zuhause nacherleben lassen können will. Im Gegensatz zu vielen anderen Adaptionen spielt man jedoch nicht bloß die bereits bekannte Filmhandlung nach – der Titel fungiert als Interquel und spielt zeitlich zwischen „Tron“ und „Tron: Legacy“. Inhaltlich bedeutet das, dass Flynns Sohn Sam auch gegen Spielende noch nicht im Raster war und man dementsprechend jemanden anderes übernimmt. Der Held heißt Anon und ist eine Art Antivirus-Programm, das Flynn einsetzt, als ein unheimlicher Virus die Welt des Rasters bedroht. Wie sich dieser Virus darstellt? Er lässt Gebäudestrukturen gelb leuchten und allmählich alles auf, wie die Leere in „Die unendliche Geschichte 2“. Ein architektonisches Grauen, das schnellstens geregelt werden muss. Man wird also mit der aufgeweckten Quorra losgeschickt, der unheimlichen Sache nachzugehen. Man muss zugeben, dass die Handlung von „Tron: Legacy“ recht dünn ist, aber immerhin Platz für Interpretationen lässt und in seinem Kern eine emotional gedachte Vater-/Sohngeschichte hat. Da sowohl Flynn als auch Sam sympathisch werden, ist man dafür, dass sie ihr Vorhaben schaffen. Im Spiel passiert das nicht, da Anon selbst stumm bleibt (stummer noch als Rinzler im Film) und in Zwischensequenzen nur oberflächlichste Informationen erteilt bekommt (Es gibt einen Virus – wir müssen ihn aufhalten – geh dahin und sieh da mal nach – geh dann woanders hin und frag den mal – oh CLU steckt dahinter – ich muss weg). Storytechnisch fällt Tron: Evolution in seiner Laufzeit demnach nicht wesentlich informativer als der Zwei-Minuten-Flashback im Film aus – was jedoch nicht schwerwiegend sein sollte, da bei fast allen Games schließlich Gameplay im Vordergrund stehen sollte.

Gameplay:
Tron: Evolution ist trotz der Ermittlungsdirektive keinesweg CSI: Tron – auch wenn Anon ermitteln soll, gibt es außer Kämpfen und zum nächsten Kampf laufen nichts Kompliziertes zu tun. Das eigentliche Spiel ist in zwei Spielarten aufgeteilt. Zum einen läuft man in Third-Person-Perspektive (ohne Quorra) durch den Raster und kämpft gegen auftretende Verschwörer (hinter denen natürlich Filmbösewicht CLU steckt). Hierbei springt und klettert man gezwungenermaßen viel, da die Architekten dieses frühen Rasters entweder keine Fahrstühle und Fußwege kennen oder Anon einfach zu oft „Ghettogangz – Die Hölle vor Paris“ gesehen hat. Hin und wieder trifft man dabei auf leuchtende Gegner, die sich mit dem Lichtdiskus derezzen lassen. Dies macht man, in dem man wie im Film möglichst akrobatisch herumspringt, die Diskusse der Gegner abwehrt und seinen eigenen wirft. Das funktioniert ganz gut und wird auch etwas variiert, indem man im Spiel nach und nach Updates für seine Scheibe downloaden kann. 

Diese wird dann schneller, stärker oder explodiert sogar (was immensen Sinn ergibt, da man ja bekanntlich seine Identitätsdisc schleudert. Die man nach Möglichkeit behalten und nicht kaputt werfen sollte). Unterbrochen wird dies durch Vehikelmissionen, in denen man zeitweise mit dem Lightcycle oder dem Panzer fahren darf. Die Lightcycle-Missionen sind so simpel wie möglich gehalten: man fährt immer nur geradeaus und muss verschiedenen Hindernissen und zerbröselnden Straßen ausweichen. Als Panzer tuckert man dagegen langsam umher und schießt die fliegenden, torähnlichen Transporter ab. Beides fordert in etwa so sehr wie „Moorhuhnjagd“. Es ist prinzipiell nett, dass man Lightcycles fahren kann, doch die Umsetzung ist wenig erfüllend. 

Grafik und Sound
Tron: Evolution hat es relativ leicht, gut auszusehen, da es den einfachen Stil des Films übernimmt. Das bedeutet im Endeffekt, dass es viel Schwarz und viele einfarbige, leuchtende Flächen, aber keine detailreichen Texturen oder schwierigen Schattenverläufe gibt oder geben muss. Der eigenwillige Look des Films wird damit schick imitiert, auch wenn die Grafik bei näherem Hinsehen technisch nicht ansatzweise mit neuen Titeln mithalten kann. Nahezu grausig sind gar die Zwischensequenzen, die genau so auch aus Spielen der frühen 200er stammen könnten. Schwach ist das Design: da Tron: Evolution insgesamt rund zwei bis dreimal so lang dauert wie der Film (je nach Gaming-Erfahrung), enttäuscht es auf Dauer, dass es in kreativer Hinsicht nichts Innovatives zu sehen gibt. Es verschmerzt wenigstens, dass man Orte des Films besucht: Castors End of Line Club, die Diskus-Arena und Flynns Bergexil. Die wenigen Gegnertypen sehen fast alle gleich aus und auch die Level wirken wie immer wieder aus den gleichen Versatzstücken zusammengesetzt. In Sachen Sound derezzt sich Tron: Evolution sogar fast selbst: bis auf zwei Tracks sind sämtliche Hintergrundmusiken aus dem Spiel nicht vom Film übernommen; stattdessen gibt es Ersatzstücke, die lieblos herumdudeln und dem epischen, grandiosen Klangcharakter des genialen Daft Punk Scores nicht nacheifern können. Es freut jedoch, Jeff Bridges' deutsche Synchronstimme für Flynn und CLU zu vernehmen.

Multiplayer und Spielumfang
Tron: Evolution bietet vier Modi, die in ihrer Art allesamt bekannt sein dürften. Sie heißen zwar nicht so, sind aber faktisch Deathmatch, Team Deathmatch, King of the Hill und Capture the Flag - mit  Tron-Elementen. Auf den großen Karten kann man sich mit bis zu neun anderen Wettrennen wie im Film liefern und seine Gegner mit den Lichtbarrikaden der Lightcycles zerschmettern. Wie vorweg erwähnt, dauert das Spiel je nach Erfahrung fünf bis sechs, sieben Stunden, mehr noch, stürzt man sich anschließend in den Multiplayer. Wiederspielbarkeit? „Tron: Evolution“ ist mit Trophies und Achievements gespickt, die jenseits von Einträgen in die eigene Gaming-Statistik aber nichts zu bedeuten haben. Es gibt also keine tollen freispielbaren Making Ofs, Hintergrundinformationen oder sonstige Facts zum Film, die das Filmwissen noch mal vertiefen würden und in einem Film zum Spiel immer Pflicht sein sollten.


Fazit:
Bedenkt man, dass die meisten Spiele zu Filmen lieblos zusammengeschusterter Schund sind, ist „Tron: Evolution“ eine positive Überraschung. Es gibt viel ungenutztes Potential und es enttäuscht natürlich sehr, dass es weder sonderlich viel Neues bietet, noch das Filmerlebnis merklich vertieft, doch unter dem Strich ist es ein fraglos solider Actiontitel für gesenkte Ansprüche. Unser Tipp: bei Interesse erst einmal warten und es in einigen Monaten zum Sparpreis einsacken.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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