Kritik:
Tron: Legacy
von
Christian Mester
TRON LEGACY
(2011)
Regie: Joseph Kosinski
Cast: Jeff Bridges, Garrett Hedlund, Olivia Wilde
Story:
Sam Flynn (Garrett Hedlund) könnte das sorgenfreie
Leben eines Millionärs leben. Der Sohn des
brillanten Software-Entwicklers Kevin Flynn (Jeff
Bridges) schert sich jedoch nicht um sein Erbe und
lebt bescheiden und ziellos in den Tag hinein, noch
immer verbittert, dass sein Vater vor zwanzig Jahren
spurlos verschwand. Eines Tages bekommt er ein
Zeichen, das ihn zu einem versteckten alten Computer
führt, dem Tron-System seines Vaters. Bevor er sich
versehen kann, wird er digitalisiert und ins
Programm entführt.
Dort angekommen, stellt er fest, dass es eine
lebende Welt ist, in der eine unheimliche Kopie
seines Vaters namens CLU die Herrschaft inne hat.
Sams Ankunft hat eine besondere Bedeutung für die
Zukunft von CLUs Welt, weswegen sich der digitale
Imperator sogleich daran macht, Sam inmitten
gladiatoresker Spiele töten zu wollen...
Kritik:
Als "Tron" 1982 in die Kinos kam und eine äußerst
originelle Fantasy-Geschichte in den damals noch
relativ unbekannten Gefilden von Computer-Software
erzählte, floppte das Resultat. Trotz aufwendigster
Technik und innovativer Ideen konnte der Film nur
wenige Zuschauer erreichen, galt er doch als sperrig
und zu fremdartig für ein Mainstream-Publikum. Ein
herber Schlag für die Disney Studios, die sich den
Beginn eines neuen Franchise erhofft hatten. Im
Verlaufe der Jahre gewann der verschmähte Kinotitel
jedoch über Verleih und TV-Ausstrahlungen an Ansehen
und wurde über Kurz oder Lang zu einem Kultfilm, der
als revolutionär und seiner Zeit voraus bezeichnet
wurde.
Anfang der 2000er plante man erstmals ein Revival
des Themas, doch als das vorgeschickte Computerspiel
"Tron 2.0" 2003 alles andere als erfolgreich lief,
zogen sich die Geldgeber für einen zweiten Film
skeptisch zurück. Eine Skepsis, die nur wenige Jahre
anhalten sollte, bis Joseph Kosinski an Bord kam.
Der junge Regie-Debütant hatte zuvor einige
Werbespots gedreht und dem Studio daraufhin eine
Vision von "Tron: Legacy" in 3-D präsentiert, die
alle Beteiligten restlos überzeugte und dazu
brachte, die Produktion offiziell in die Gänge zu
bringen. Ein erstes Teaser-Video auf der San
Francisco Comic Convention 2008, das die Optik und
Jeff Bridges' Rückkehr vorstellte, entfachte Jubel
und Vorfreude von Filmfans auf der ganzen Welt,
sodass die späte Fortsetzung endgültig offiziell
gestartet wurde. Wieder sind die Erwartungen groß.
Pläne für ein Sequel sind so hoffnungsvoll gelegt,
dass es bereits einen geheimen Trailer für einen
dritten Teil gibt, den es auf der DVD zu sehen geben
wird; ein neues Computerspiel namens "Tron:
Evolution" soll schaffen, was "Tron 2.0" misslang",
"Tron: Uprising" ist eine kommende Fernsehserie, die
die Wartezeit bis zum dritten Teil überbrücken soll.
Doch ob "Tron: Legacy" überhaupt das Zeug dazu hat,
einen dritten Teil zu rechtfertigen?
Es
mag zwar erst Januar sein - in den
Vereinigten Staaten lief der Film
übrigens bereits als festlicher
Weihnachtsfilm an, während man uns
zeitgleich lediglich mit dem
dritten Teil der Fockers
abspeiste - doch "Tron: Legacy"
stellt jetzt schon einen der
markantesten, größten und
unterhaltsamten Event-Filme des
Jahres dar. Alleine die Optik des
Films ist den Kinobesuch wert. Nach
guten zwanzig Minuten Einführung in
der realen Welt taucht man mit Sam
Flynn in die digitale hinab, deren
Anblick schier beeindruckend ist.
Die Tron-Welt ist ein futuristischer
Ort, der fremdartiger als manch
Alien-Planeten anderer Filme
ausfällt. Die Interpretation des
lebenden Computerinhalts erschlägt
mit einer kühlen, äußerst
kontraststarken Schwarzlicht- &
Neonoptik, die fasziniert. Die an
den Stil von Luigi Colani und das
Videospiel "MDK" erinnernde kühle
Welt mit ihren eigensinnigen
Outfits, Waffen, Fahrzeugen und
Gebäuden erstrahlt in einer Pracht,
die ihresgleichen sucht. Es fällt
nicht schwer, sich sich in die
absurde, aber überaus lebendig
anmutende Welt hinein versetzen zu
können.
Absurd ist vor allem die Handlung,
die schon im Vorfeld eine Warnung
für falsche Erwartungen darstellen
sollte. Trotz der prägnanten
Computer- und Zukunfts-Thematiken
ist "Tron: Legacy" kein gewöhnlicher
Science-Fiction-Film, dessen Motive
man auf die reale Welt oder auf
mögliche Zukunft übertragen kann. Es
ist ein Fantasy-Film, der bei
näherer Betrachtung inhaltlich
oftmals wenig Sinn ergibt, selbst im
Rahmen seiner selbst auferlegten
Regeln. Wer sich also durchdachtes,
intelligentes, ernstes Genre-Kino
ala
"Inception" erwartet, droht
maßgeblich enttäuscht zu werden.
Eine komplexere Handlung benötigt
der Film nicht, um gut zu sein, da
er zwar simpel, aber nicht
oberflächlich gehalten ist. So gibt
es auch keine störende
Teenie-Romanze, keine gezwungen
witzigen Szenen und keine
Übertreibungen; stattdessen ist es
eine relativ lineare und einfache
Action-Geschichte, die jedoch links
und rechts immer mal Freiraum für
mögliche religiöse, politische und
soziale Gedanken lässt - sofern man
sich darauf einlassen will. So ist
Clu ein Diktator, der mit
faschistischer Uniformierung andere
assimilieren will, so ist Flynn ein
Gott seiner Welt, ein Schöpfer,
dessen Schöpfung sich gegen ihn
auflehnt etc.. Will man das nicht,
ist es ein reibungslos aufregender
Action-Streifen, der es neben seiner
fulminanten Optik vor allem in den
dynamischeren Szenen drauf hat.
Im Vergleich zum achtundzwanzig
Jahre alten Vorgänger ist die Action
generalüberholt; so gibt es
spektakuläre Kämpfe mit tödlichen
Wurfscheiben, die mit Akrobatik und
Kung-Fu vermischt werden. Das wahre
Highlight sind jedoch sämtliche
Action-Szenen mit Vehikeln, denn die
Licht-Motorräder und Kampfgleiter
sorgen für sensationelle
Kampfszenen, die perfekt geschnitten
sind und durch ihre wundervoll
kontrastreiche Optik immer
übersichtlich ausfallen.
Schauspielerisch gibt es nicht viel
zu tun, doch die flachen Figuren
sind durchweg unterhaltsam und gut
besetzt. Ein Highlight bildet ein
maskierter Kämpfer namens Rinzler,
der in seiner Art an Darth Maul
erinnert (er leuchtet sithfarbend
rot und trägt sogar zwei Discs) und
bei jedem seiner Auftritte mit
aufregenden Kampfszenen überzeugt.
Eine Ausnahme bildet Bösewicht Clu,
der im Film gänzlich im Computer
gemacht ist und eine verjüngte
Fassung von Jeff Bridges darstellt.
Ein oftmals unwirklich, surreal und
seltsam wirkendes Abbild, das jedoch
mit dem Gedanken funktioniert, dass
auch die Rolle gänzlich künstlich
ist. Kritisch wird das nur in
wenigen Szenen, in denen der echte
Flynn in junger Version gezeigt wird
- und dann ähnlich künstlich
aussieht. Stören kann manch einen,
dass der Kontrast zwischen Action
und den anderen Szenen sehr stark
ausfällt; blinzelt man, könnte man
meinen, der Film bestehe nur aus
Lautsprecher-berstendem Actionepos
und starre Unterhaltungen.
Neben der Optik gibt es noch zwei
weitere technische Elemente, die den
Kinobesuch lohnend machen. Da wäre
der 3-D Effekt, der einfach
phänomenal ist. Auf Grund des
oftmals transparenten und
kontrastreichen Stils der Bilder
ergibt sich ein großartiger
Tiefeneffekt, der sogar den aus
"Avatar: Aufbruch nach Pandora"
überbietet und sämtlichen
schwächeren Konkurrenz-Werken wie
"Alice im Wunderland"
vorbildlich zeigt, was man aus dem
Format machen kann: "Tron: Legacy"
ist die neue Referenz für 3-D Filme.
Nicht zu vergessen sei die Musik,
die mindestens ebenso gut ist wie
das Gesehene selbst. Die
Elektro-Köche der Erfolgsband Daft
Punkt servieren einen pulsierenden
und mitreißenden Score, der ins Ohr
geht und den Bildern einen
verdienten epischen Charakter
verleiht. Trotz eines relativ
abgeschlossenen Endes bleibt die
Möglichkeit für einen dritten Teil;
interessant wäre der Gedanke, was
wohl passieren würde, bekäme die
Tron-Welt Zugang zum Internet.
Fazit:
"Tron: Legacy" ist ein
audiovisuelles Highlight, das man
unbedingt in der best möglichen
Variante erleben sollte - heißt, in
einem Kino mit guter Ausstattung
und, sofern man das Format mag, im
3-D Format. Es ist ein mitreißender
Event-Film, der zwar nicht allzu
anspruchsvoll, dafür aber sehr
unterhaltsam ist.
8 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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