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Kritik:
Tropic Thunder


von Christian Westhus

Tropic Thunder
(2008)
Regie: Ben Stiller
Darsteller: Ben Stiller, Jack Black, Robert Downey jr

Story:
Als das Schauspielteam um Tugg Speedman (Ben Stiller) bei den Dreharbeiten zum neuen Kriegsfilm Tropic Thunder nicht wirklich in Fahrt kommt, verlegen die Schauspieler kurzerhand den Drehort ein paar Meilen woanders hin. Was sie nicht ahnen - damit landen sie in einem echten Kriegsgebiet, nicht wissend, dass schon lange keine Kameras mehr mitlaufen...

Kritik:
„Tropic Thunder“ ist ein Mordsspaß. Wenn man den passenden Humor mitbringt und das Taktgefühl zu Hause lässt. Denn selten hat ein so groß budgetierter und stargespickter Film derart konsequent auf alles verzichtet, was Moral und filmische Regeln betrifft. Das entwickelt sich oftmals zum anarchisch-grotesken Antifilm, der auch mal Tom Cruise zum vollbehaarten (nur nicht auf dem Kopf) Hip-Hop-Player-Produzenten mit losem Mundwerk macht.

Doch schon die Grundidee ist genial, wenn auch natürlich irgendwie total bekloppt. Das verrückt zusammengestellte (und gigantisch überzeichnete) Darstellerteam lässt zunächst in einer gigantischen und blutigen Actionsequenz den halben Wald in die Luft jagen, wird durch Budgetkürzungen zum Experimentalfilmen gezwungen und schlittert in die Fänge einer schwerbewaffneten Drogengruppierung, die man natürlich zunächst für Filmstatisten hält. Wie natürlich besonders Ben Stiller in seiner typischen, etwas naiv-engstirnigen Art mit völliger Blindheit ins Chaos läuft, muss man akzeptieren, aber dafür sorgt schon das hysterische, völlig losgelöste Chaos, welches rundherum abgefackelt wird.

Hysterisch, aber technisch voll auf der Höhe. Die Action- und Kriegsszenen sind astrein inszeniert und wie schon auf dem „Shit blows up“ Poster propagiert, fliegt einem hier so einiges gehörig um die Ohren. Da wird geballert und explodiert was das Zeug hält und auch der Ausgang wird sehr graphisch gezeigt. „Tropic Thunder“ enthält ein paar heftige – wenn natürlich auch ironisch gebrochene – Splatter- und Goreszenen, die man eigentlich nicht direkt in solchen Filmen erwartet. Wenn ein abgetrennter Kopf läppisch herumgewirbelt und schließlich mit einem „Ich bin David Beckham“ weggekickt wird, muss man entweder entrüstet-dreckig auflachen, oder sich noch mal überlegen, ob der Film die richtige Wahl ist, zeigt es nämlich auch, wie derbe der Humor teilweise werden kann.

Die Film- und Filmweltparodie wird trotz aller Derbheit jedenfalls konsequent durchgezogen, von den herrlichen Fake-Trailern (je nach Gusto abzüglich des Furz-Trailers), über Talkshows und einer Preisverleihung bis hin zu – natürlich – Filmanspielung, die meistens perfekt sitzen. Da wird weniger satirisch gearbeitet, als vielmehr volles Rohr auf die idiotischsten Ecken Hollywoods geballert um den Blödsinn ins Doppelte und Dreifache zu steigern. Manche Szenen wirken wie kleine Sketche zwischendurch, teilweise wie halb improvisiert, derart gaga und „voll auf die 12“ kommt manch Spruch und Szene daher. Alleine Downey Jrs. Erklärung über das Spielen von Behinderten in Filmen, ist einfach nur schrill und gnadenlos komisch.

Apropos Downey Jr. Der Mann ist göttlich in diesem Film. Wenn man schon als weißer Schauspieler einen Schauspieler spielt, der einen Schwarzen spielt, der einen Soldaten spielt, ist das nicht nur eine abgefahrene Idee, sondern macht auch absolut Spaß. Downey ist das Highlight des gesamten Films und buddelt sichtlich genussvoll und gänzlich Method Actor die tiefsten Schwarzenklischees aus und macht verbal auf dicke Hose, was besonders vom echten Schwarzen des Trupps kritisch beäugt wird. Natürlich ist der Humor böse, brachial, politisch phänomenal unkorrekt und definitiv nicht feinfühlig. Hier wird im gnadenlos hohen Tempo einfach alles zerfetzt, was man grad für lustig empfand und da macht man für so etwas wie Anstand nicht Halt.

Deswegen gelingt der Film auch. Weil Downey Jr. eine Jack-Sparrow-ähnliche Narrenfreiheit besitzt, weil Ben Stillers immergleiche Art hier zumeist sehr gut reinpasst, weil sich hier garantiert niemals ernst genommen wird, weil Jay Baruchel, Nick Nolte und Brandon T. Jackson herrlich in ihren Nebenrollen harmonieren und weil Tom Cruise das Wort Selbstironie quasi neu erfindet, kann man hier von vorne bis hinten gnadenlos seinen Spaß haben. All das lässt darüber hinweg sehen, dass Jack Black schwach und etwas arg infantil wirkt und Stiller ihm seine Witze klaut. Es lässt über ein paar haarsträubende Storyentwicklungen, Logiklöcher und Zufälle hinwegsehen, über das permanente Gefühl in einer überkandidelten Nummernrevue zu sein und darüber, dass wirklicher Sinn hier nicht so weit verbreitet ist. Auch Matthews McConaughey ist zumindest zwiespältig, ist doch meist nur seine Figur cool, weniger seine Art sie zu spielen.

Fazit:
„Tropic Thunder“ ist ein derbes, hysterisches, abgefahrenes und definitiv unkorrektes Feuerwerk an garstigen Gags, schrill überzeichneten Figuren und überdimensional krachiger Action. Mehr Parodie als Satire, mehr Gaga-Spektakel als Film. Für den geneigten Zuschauer kann es einer der lustigsten Kinobesuche seit langem werden.

8,5 / 10 

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