Kritik:
True Grit
von
Christian Mester
TRUE GRIT
(2011)
Regie: Joel / Ethan
Coen
Cast: Jeff Bridges, Josh Brolin, Hailee Steinfeld
Story:
Mattie (Hailee Steinfeld) ist gerade einmal vierzehn Jahre alt, als sie
erfährt, dass ihr Vater von einem kaltblütigen Killer
namens Chaney (Josh Brolin) getötet wurde. Erbarmungslos
schwört sie Rache und sucht Hilfe bei einem ehemaligen
Revolverhelden namens Reuben Rooster Cogburn (Jeff Bridges), der
mittlerweile als einäugiger Alkoholiker und notorischer
Faulenzer berüchtigt ist. Cogburn hält
zunächst nichts von ihrer Bitte, doch als diese ihn unbeirrbar
weiter nervt und zudem mit einer stattlichen Summe Geld lockt die er
durchaus gebrauchen könnte, sagt er widerwillig zu.
Kritik:
Kündigen
die Regisseure, Autoren und Gebrüder Joel und Ethan Coen einen
neuen Film an, so darf man sich in der Regel immer darauf freuen, da
sie nahezu Garant für interessante, ausgefallene und gut
gemachte Titel sind. Filme wie "The Big Lebowski", "Burn After Reading
– Wer verbrennt sich hier die Finger?", "O Brother, Where Art
Thou?", "Fargo – Blutiger Schnee" und "No Country for Old
Men"
überraschten jeweils mit einfallsreichen Handlungen,
schrägen Figuren und vielen denkwürdigen Szenen. Die
Projekte untermauerten zudem, dass die Coens sowohl hinter ihrer
Kamera,
als auch an ihrer Schreibmaschine hervorragende Arbeit leisten
können.
Für
ihren neuen Film wechselten sie ins heutzutage leider nur noch selten
besuchte Genre des klassischen Westerns und wagten sich darin an ein
Remake eines John Wayne Klassikers. Ihr Film "True Grit" ist eine
Neufassung des Films "Der Marshal" aus dem Jahre 1969, der der
Genre-Ikone Wayne dessen einzigen Oscar einbrachte. Auf
ähnliches spekuliert nun auch sein Nachahmer Jeff Bridges, der
2011 in derselben Rolle für den gleichen Preis nominiert ist;
den gleichen, den er erst im letzten Jahr für das
Country-Drama "Crazy Heart" gewann. Darüber hinaus ist "True
Grit"
noch für neun weitere Oscars nominiert, darunter auch
für Bester Film des Jahres.
Eines der wichtigsten Elemente
eines jeden guten Western ist es, jenes Gefühl vermitteln zu
können, alleine, oder nahezu allein durch die schier
unbeschreiblich große Gegend der Prärie zu reiten.
Das Gefühl zu erwecken, dass man isoliert ist, dass hinter
jeder nächste Ecke eine bedrohliche Gefahr lauern
könnte und man völlig aufgeschmissen ist, verletze
man sich weitab der Zivilisation. Ein Aspekt, den True Grit
hervorragend umzusetzen weiß. Der Film erschlägt mit
einer tollen, aber immer gefährlich wirkenden Naturkulisse,
die die Spannung der Handlung effektvoll unterstützt.
Die Konstellation der drei Helden hätte in anderen
Händen womöglich unpassend ausfallen können,
doch hier ist sie überaus gelungen. Das Mädchen
überrascht mit einer starken Präsenz, die in
unterhaltsamen Kontrast zum eher gelassenen alten Cowboy steht. Ihre
Gegensätze und ihr Zwang, trotz allem miteinander arbeiten zu
müssen, schafft eine oftmals lustige, interessante Bindung,
die vor allem in den ernsteren Momenten zu greifen weiß. Der
Ranger bekommt eher weniger zu tun, hält das ungleiche Team
jedoch wie ein Band zusammen. Ihr Abenteuer ist mit
merkwürdigen, gefährlichen und tödlichen
Ereignissen gefüllt, das am Ende in einem klassischen,
großen Shoot-Out endet. Insgesamt ist es ein eher sehr
ruhiger Film, der in erster Linie durch starke Figuren und interessante
Dialoge auffällt, und Action nur nebenbei anbringt.
Die Coens sind dafür
bekannt, ein Händchen für gute Schauspieler zu haben
und beweisen es hier einmal mehr. Allen vorweg reitet Hollywood-Titan
Jeff Bridges, der aktuell sogar noch gleichzeitig in "Tron:
Legacy" in den Kinos zu sehen ist. Als ständig
betrunkener Kauz ist er sehr authentisch und erinnert mit seiner
zerrütteten Gelassenheit unweigerlich des Öfteren an
einen alternden Dude. Auf unterhaltsame Weise zofft er sich mit seinen
beiden eher ernsten Weggefährten, wobei besonders eine
Wettschießerei mit Damons Ranger im Auge bleibt.
Dafür, dass die junge Hailee Steinfeld hier gegen Kaliber
eines Damon und Bridges anspielen muss, ist sie bemerkenswert.
Glaubhaft zeigt sie immenses, wenn auch stets zerbrechliches
Selbstbewusstsein, mit dem sie die Älteren gekonnt herum
dirigiert.
Ebenso gut ist die Seite der Bösen besetzt. Die Coens schielen
ein wenig auf Spielbergs "Der
Weiße Hai" und sorgen dafür, dass Brolins
Bösewicht, der Kern der Geschichte, ebenso wie Furchtfisch
Bruce erst am Ende zu sehen ist. Es baut sich folglich eine
große Spannung auf, die später effektiv genutzt
wird. Brolin macht aus wenigen Minuten Leinwandpräsenz eine
umfassende Rolle und wird dabei von Bandenanführer Barry
Pepper ("Battlefield: Earth") unterstützt, der in herunter
gekommender Maskerade kaum zu erkennen ist. Trotz der späten
Ankunft der Bösen bleibt die Suche von Anfang bis Ende
gefährlich, auch wenn Mattie anfangs
größtenteils damit beschäftigt ist, ihr
Team zusammenzuhalten. Die einzige merkliche Achillesferse des Films
findet sich in seinen letzten Minuten, in denen der sonst so
knörrige Western urplötzlich etwas sehr konstruiert
wirkt und beinahe kurz davor steht, ein kitschiges Disney-Happey-End zu
erleben. Es handelt sich nur um wenige Minuten und endet auf der
richtigen Note, doch im ansonsten exzellenten Film ist hier etwas Rost
zu findet, der wirkt, als habe man etwas voreilig gehandelt.
Von allen Coens ist "True Grit" wohl am ehesten mit ihrem
vor-vorletzten Titel "No Country for Old Men" zu vergleichen, da sie
sich farblich ähneln, eine relativ vergleichbare Stimmung
einsetzen und es amüsanter Weise in beiden Filmen inhaltlich
der Fall ist, dass Josh Brolin Unrechtes tut und daraufhin gejagt wird.
Auffällig ist auch, dass "True Grit" nicht ganz so hart ist.
Es wird zwar nichts verharmlost, doch insgesamt ist der Ton des Films
trotz unerbittlicher Jagd auf einen Mörder nicht
völlig eiskalt. Im Vergleich zu anderen Western
ließe sich dieser also eher zu "Open Range" und "Todezug nach
Yuma", als zu "Erbarmungslos" und "Spiel mir das Lied vom Tod" stellen;
wenngleich dieser Aspekt eher irrelevant ist, sind es doch alles
hervorragende Filme.
Fazit:
Das Coen
Remake des John Wayne Klassikers ist ein hervorragender Western, der
mit authentischen Figuren und stimmigen Bildern gelungen
Atmosphäre schafft. Erwarten sollte man jedoch, dass es ein
eher ruhigerer Vertreter des Genres mit Fokus auf Dramenaspekte ist. Es
gibt zwar mehrere Shoot-Outs, doch der Schwerpunkt des Films liegt auf
der Bindung zwischen altem Cowboy und mutigem Kind. Wer damit klar
kommt, erlebt einen der besten Western der letzten Jahre.
8 /
10
10
- Meisterwerk
8-9
- sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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