Kritik:
Tucker & Dale vs. Evil
von
Christian Mester
TUCKER AND DALE VS EVIL
(2011)
Regie: Eli Craig
Cast: Alan Tudyk, Tyler Labine
Story:
Eine Gruppe von Jugendlichen freut sich auf freigeistigen Sex und Bier
im Wald, bis sie an einer Tankstelle auf zwei verdächtige
Gestalten stoßen: Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler
Labine). Die unrasierten Rednecks in ihren dreckigen Latzhosen machen
den Teens Angst, doch ernst wird es erst ein paar Stunden
später, als die Fremden eine von ihnen (Katrina Bowden) beim
Schwimmen gehen packen und mit in ihre heruntergekommene Hütte
schleifen. Die geschockten Teenies schwören sich, den
vermeintlich kannibalischen, mörderischen,
Vergewaltiger-Inszest-Hillbillys den Garaus zu machen… ohne
zu ahnen, dass alles nur ein Missverständnis ist.
Kritik:
In den letzten zwei Jahren gab es drei gelungene
Horrorkomödien: „Zombieland“,
„Piranha
3“ und „Drag
Me to Hell“. Allesamt Filme, die über ihre
Genres lachten, mit den Konventionen spielten oder netten Zeitvertreib
darstellten. Jeder einzelne von ihnen bot seinen ganz eigenen Humor.
Der schlüpfrige Film mit den Fischen wälzte sich in
nackten Brüsten, Blut und oberflächlicher Idiotie und
feierte sich als Ballermann 6 Party-Horror. „Drag Me to
Hell“ nahm sich stattdessen spürbar ernster und
hielt sich mit der gezeigten nackten Haut zurück;
dafür wühlte Sam Raimi ala "Slither - Auf den Schleim
gegangen" im Ekel und machte den Überlebenskampf seiner
verfluchten Bankkauffrau zum bizarren Schmunzler. „Tucker und
Dale vs. Evils" Befinden liegt nun, was Derbheit und Ton betrifft,
humoristisch irgendwo zwischen den beiden genannten.
Wie es der Titel schon vorweg nimmt, sind die vermuteten
Klischee-Hinterwälder in Wirklichkeit völlig harmlos
und sogar die eigentlichen Helden des Films. Es sind beste Freunde, die
sich eine nach „Tanz der Teufel“ aussehende
Waldhütte gekauft haben und dann beim Angeln von
misstrauischen Teenagern für blutgeifernde Killer gehalten
werden.
Die ständigen Verwechslungen und Zufälle wirken zwar
auf Dauer arg konstruiert, überraschen aber immer wieder mit
guten Einfällen und sind amüsant
blödsinnig inszeniert, ohne jemals zu platt zu wirken. Als
Genre-Film sträubt sich „Tucker & Dale vs.
Evil“ dabei nicht vor roter Suppe: sämtliche Morde
im Film sind drastisch, werden wie in den „Final
Destination“ Filmen aber stets verharmlost schwarzhumorig
serviert, beispielsweise, wenn einer der närrischen,
eindimensionalen Teenager, die so auch aus den "Freitag, der 13."
Filmen kommen könnten, schreiend mit einem Pflock angerannt
kommt, übertrieben ins Stolpern gerät und sich
dadurch versehentlich selbst aufspießt. Tucker und Dale
bekommen dadurch allerhand zu tun, denn zum einen müssen sie
sich immer neuen bewaffneten, vermeintlichen Rettern des
Mädchens stellen, zum anderen bereits überlegen, wie
sie all die toten Teenager jemals der Polizei erklären sollen.
Der Film wird dabei nicht zur glatten Parodie ala "Scary Movie"
– während sich die Teenager völlig bekloppt
verhalten, bleiben die beiden Helden normal; der Film zieht seinen
Spaß daraus, dass sie miteinander kollidieren.
Drei Dinge machen
„Tucker and Dale vs. Evil“ unterhaltsam: eine
handvoll lustiger Einfälle bei den grausiegn
Unfällen, über die besser so wenig wie
möglich verraten sei, eine solide Regie Craigs, der in seinen
Motiven oftmals an bekannte Backwoods-Filme wie „Wrong
Turn“, „Deliverance - Beim Sterben ist jeder der
Erste“, „The Texas Chainsaw Massacre“,
„Tanz der Teufel“ und „The
Burning“ erinnert, und - die Wahl der beiden Hauptdarsteller.
Tudyk aus „Serenity“ und Labine aus
„Reaper“ spielen zwei sympathische Taugenichtse,
denen man ihre langjährige Freundschaft abkauft, und mit denen
man bei all dem fulminanten Dauergesterbe im Umfeld mitfiebern kann,
wie sie mit all dem plötzlich Horror fertig werden wollen.
Nach einer Weile fällt nur leider auf, dass das Konzept des
Films insgesamt nur lediglich ausreichendes Material für einen
Kurzfilm bietet. Craig schmückt die Zeit aus, in dem er Szenen
kopiert und die beiden Schussel oft mit ihrer blonden Gefangenen
sprechen lässt, die sich dann sogar noch in einen von beiden
verliebt, doch alles, was nicht direkt mit der Grundidee zu tun hat,
hätte auch außen vor bleiben können. Der
schlimmste Fehltritt des Films ist ein später auftauchender
echter Bösewicht, dessen Schauspieler eine der schlechtesten
Darbietungen der letzten fünf Jahre gibt. Darsteller in
Horrorfilmen sind schon von Natur aus nicht unbedingt die besten, doch
dieser Schauspieler buddelt sich so ein tiefes Loch, dass er die
DVD-Raketenwürmer aus „Tremors 4“ von
seinem Platz aus gerade noch als Satelliten erkennen kann.
Sein Overacting ist so fett aufgekleistert, dass er Nic Cages
regelmäßiges Overacting nach subtilen Nuancen
aussehen lässt.
Fazit:
„Tucker & Dale vs. Evil“ wäre gern
ein neuer "Tanz der Teufel 2", schafft es aber nur halbwegs, aus Ashs
großen Schatten herauszuragen. Eine zuweilen witzige und
charmant gespielte Horrorkomödie, die Genrefans mit Verweisen
und Klischeebrüchen gut unterhält, wenn auch niemals
vollends umhaut. Mit gesenkten Erwartungen ein heiterer Abend.
5,5 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
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