BG Kritik:

Valerie - Eine Woche voller Wunder


von Christian Westhus

Diese Kritik erschien im Rahmen der Kritikenreihe 'Treasure Monday'. Was ist 'Treasure Monday'?

Valerie a týden divů (Tschechoslowakei 1970)
Regisseur: Jaromil Jireš
Cast: Jaroslava Schallerová, Helena Anýžová, Karel Engel u.a.

Story:
Die 13-jährige Valerie (Schallerová) sieht sich mit aufdringlichen Priestern, einem vampirischen Monster, ihrer nach Jugend dürstenden Großmutter und ihrer eigenen erwachenden Sexualität konfrontiert und irrt durch einen märchenhaft traumartigen Reigen.

Tschechische Märcheninterpretationen haben in Deutschland eine nicht zu unterschätzende Tradition. Doch so wie Jaromil Jireš‘ Filmadaption des 1932er Romans von Vítězslav Nezval kam wohl noch kein Märchenfilm daher.

Schallerová spielte später in diversen CSSR/DDR Märchenfilmen mit.


Wie eine Weichzeichner Traum-Version von „Alice im Wunderland“ und „Rotkäppchen“ ist Valeries „Woche voller Wunder“ ein romantisch-albtraumhaftes Abenteuer seiner adoleszenten Heldin auf dem Weg zum erwachsenen Menschen und zur erwachsenen Frau. Blumen, besprenkelt mit Blut, und Frauen in einem Hauch von Nichts bei der Waschung, beim Austausch von Zärtlichkeiten, wie Nymphen im Elysium. Valeries Körper und ihr Verstand verändern sich, doch was genau mit ihr und um sie herum passiert, weiß Valerie noch nicht einzuordnen. Wie auch der Zuschauer.

Orlik, ein junger und augenscheinlich freundlicher Mann, stiehlt im Auftrag eines Mannes mit rättischer Fratze Valeries Ohrringe, die sich als magische Ohrringe entpuppen und dem Mädchen in Not Schutz gewähren. Orlik bringt ihr den Schmuck zurück, sich selbst dadurch aber in Gefahr, denn der Vampir braucht Valerie schutzlos, um an ihr Blut zu kommen. Das Blut des jungen Mädchens gewährt Jugend und genau die will auch Valeries Großmutter, obwohl die schon zu Beginn mit dem bleich geschminkten Antlitz der vielleicht rund 30-jährigen Helena Anýžová daher kommt. Die Großmutter und der Vampir schließen sich zusammen, um Valerie zu holen, ziehen dabei ein frisch (und unglücklich) vermähltes Paar mit hinein. Ein Priester ist ebenfalls von Valerie fasziniert, doch als die sich widerspenstig zeigt, denunziert der Priester sie als Hexe.

Erstveröffentlichung auf DVD in Tschechien: 2006


Diese und weitere Facetten, wie neue Erkenntnisse zu Valeries Eltern, fügt Regisseur Jaromil Jireš zu einem einzigartigen Wunderwerk zusammen. Es ist ganz klar eine Traumwelt, Valeries verunsichertes Unterbewusstsein, in dem eine romantische Märchenwelt horrorartigen Ängsten gegenüber steht. Hauptdarstellerin Jaroslava Schallerová, damals 13 Jahre jung, irrlichtert mit ausdrucksstarkem Gesicht als suchende und fürchtende Unschuld durch eine hübsch ausgestattete Welt, die mal historische Märchenwelt ist, manchmal aber auch halberotischer Reigen aus aufdringlichen Kerlen, klerikalen Dämonen und der Zärtlichkeit zwischen Frauen.

Ob Jireš mit seiner Adaption des klar von Murnaus „Nosferatu“ und Grimm’schen Märchen inspirierten Romans wirklich auf ein eindeutiges Ziel hinaus wollte, darf bezweifelt werden. „Valerie“, mit seiner andersweltlich-romantisierten Klangkulisse aus reduzierten Geräuschen und einer verzaubert-lieblichen Musik, ist kein Film für Freunde streng nach Akten erzählter Geschichten. Es ist ein Film wie ein Traum; visuell einzigartig und doch vertraut, betörend, ohne überbordend zu sein.

Fazit:

Düster-romantisches Adoleszenz-Märchen. Ungewöhnlich und abstrakt erzählt, aber ätherisch faszinierend.

7 / 10
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