BG Kritik:

Krieg der Welten


von Christian Westhus

Diese Kritik erschien im Rahmen der Kritikenreihe 'Treasure Monday'. Was ist 'Treasure Monday'?

War of the Worlds (USA, 2005)
Regisseur: Steven Spielberg
Cast: Tom Cruise, Dakota Fanning, Justin Chatwin

Story:
Von seiner Frau geschieden soll Ray (Cruise) für ein Wochenende auf die Kinder aufpassen. Zunächst braut sich ein Sturm zusammen, ehe man sich plötzlich mitten in einer globalen außerirdischen Invasion befindet. Ray muss seine Familie vor den zerstörerischen Alienangriffen schützen.

Steven Spielbergs „Krieg der Welten“ ist in der Karriere des Bärtigen nur ein guter Film unter vielen Meisterwerken, aber auch einigen Rohrkrepieren. Spielbergs „Krieg der Welten“ ist aber auch ein Film, nach dem sich viele andere Regisseure im Blockbuster- und Spektakelkino die Finger lecken würden. Im öffentlichen Diskurs aber hat dieser Film einen unangebracht schwierigen Stand. Nicht zuletzt – mal wieder – wegen des Endes.

Die Dreharbeiten zu "München" begannen am Tag der Premiere dieses Films. "München" kam noch im selben Jahr in die Kinos.


Bis wir aber so weit sind legt Spielberg mal eben einen hochintensiven Wahnsinnsritt von Invasionsfilm hin, als wollte er dem Blockbusterkino – mal wieder – zeigen, wie man es macht. „Wenn ihr schon große Zerstörungsorgien veranstaltet, dann auch richtig.“ Ins Zentrum der Invasionsgeschichte nach dem Roman von H.G. Wells stellen Spielberg und seine Autoren David Koepp und Josh Friedman mal wieder die amerikanische Mittelstandsfamilie. Und natürlich liegt der Fokus auf Vater Ray, der – mal wieder – nicht gerade ein Musterbeispiel eines guten Vaters abliefert. Der Teenagersohn hat wenig Interesse am Vater, die kleine Tochter ist bemüht, kann und will sich aber auch nicht zu sehr auf Daddy Ray verlassen. Und urplötzlich herrscht Sturm, bebt der Boden und dreibeinige Vernichtungsmaschinen brechen aus dem Boden hervor, zerlegen Häuserblocks und schießen Menschen zu Staub. Ray muss Verantwortung übernehmen und seine Kinder retten, sie von den Tripoden weg und in Sicherheit, nach Möglichkeit zu ihrer Mutter bringen.

Die erste Hälfte des Films ist absolut meisterhaftes Terrorkino in Übergröße. Spielberg muss gar nicht zwei Dutzend Wolkenkratzer einstürzen lassen, um dieses Gefühl der Anspannung und Beklemmung aufzubauen, mit dem der Film durch die erste Hälfte fegt. H.G. Wells schrieb seinen Roman als Allegorie auf den britischen Imperialismus. Spielberg lädt den globalen – und doch klar amerikafokussierten – Vernichtungsweltkrieg natürlich mit Holocaust Bildverweisen auf. Doch sein „Krieg der Welten“ ist in erster Linie ein Film zum 11. September. Der Film zeigt ein sonst so starkes Amerika in Angst und Panik, wenn unangekündigt und vermeintlich grundlos plötzlich Chaos, Tod und Verderben in den Straßen stehen. Wenn Ray nach einer atemberaubenden Erstbegegnung mit einem Tripod zurück nach Hause findet und dort, beim Blick in den Spiegel, die Asche in seinem Gesicht und in seinen Haaren sind, kann man sich diesem Verweis nicht entziehen. Die 9/11 Verweise sind so effektiv, weil Spielberg weniger die Bilder des Terroranschlags kopiert, geschweige denn sich im politischen Fingerzeig übt, sondern das Gefühl des Ausgeliefertseins, des nicht nachvollziehbaren Chaos heraufbeschwört. Spielberg führt seine Kamera schnell und direkt, ohne in pure Hektik zu verfallen. Die Anschläge und die audiovisuell unheimlichen Auftritte der Zerstörungsmaschinen sind umso effektiver, weil man sieht, was vor sich geht.

Orson Welles "Krieg der Welten" Radioaufführung sorgte 1938 für Panik in den USA.


Nach der Einführung der Figuren brummt der Film für eine gute Dreiviertelstunde. Eine unerbittliche Flucht durch Chaos, Zerstörung, Schock und Terror in schwindelerregender Geschwindigkeit. Irgendwann muss der Film runter kommen, eine Pause einlegen, wie auch die Figuren eine neue Phase der Attacke erleben. Bei Tim Robbins im Keller erlebt der Film einen spürbaren Wandel. Die zweite Hälfte des Films kann mit der ersten nicht mithalten, aber kaum ein als Spektakel deklarierter Film kann das. Für Spielberg gehören die Szenen mit Tim Robbins zu den finstersten seiner Karriere und auch, wenn sich im Folgenden Szenen und Momente häufen, die mehr Action-Unterhaltung, als Terror-Panik zeigen, so ist es dennoch hochwertig gemacht. Eine Hausdurchsuchung der fremden Besucher ist spannend und die Bilder der roten Gräser, bis hin zum schockierenden Ursprung dieser Gräser, sind ungeheuer effektiv.

Doch es ist das Ende, das vielen Leuten unverdient und unehrlich erscheint, wenn doch in Wahrheit das Gegenteil der Fall ist. Es ist zu vermuten, der Film wäre mit 15 bis 20 zusätzlichen Minuten besser gefahren. Mit nicht ganz zwei Stunden hat „Krieg der Welten“ seine Laufzeit eigentlich noch nicht ausgereizt. Die Präsentation der Enden, die im Krieg und die der Familiengeschichte, ist nicht komplett auf der Höhe des Restfilms, doch wenn man Spielberg versteht und erkennt, was für einen Film er hier drehen wollte, kann es kein anderes Ende geben. Dabei hilft auch, das Konzept „Tom Cruise“ zu verstehen. Cruise war 2005 ein absoluter Mega-Star, noch vor seinem Oprah Couch-Intermezzo. Doch Cruise spielt keinen Star, er spielt keinen Helden, er spielt den Anti-Cruise, einen egoistischen Loser, dem seine Familie entgleitet und dessen heroische Taten nicht wie anderen heroische Taten in Actionfilmen gewürdigt werden. Ray ist kein strahlender Held und der an den Western „Der schwarze Falke“ erinnernde Schlussmoment mit ihm bringt alles auf den Punkt.

Fazit:

Vollkommen unterschätzte Invasionsterrorfilm mit überdeutlichen 9/11 Anleihen. Technisch meisterlich, fällt der Film in der zweiten Hälfte ein wenig ab und ist dennoch weitaus besser als so vieles, was uns regelmäßig im Sommerkino vorgesetzt wird.

7,5 / 10
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