|
KRITIK:
TWILIGHT 3
Eclipse
von
Christian Mester
THE TWILIGHT SAGA III: ECLIPSE (2010)
Regie: David Slade
Cast: Robert Pattinson, Taylor Lautner, Kristen
Stewart
Story:
Nachdem im letzten Film genau - nichts -
Relevantes passiert ist, kehrt Victoria (Bryce
Dallas Howard) erneut zurück, um ihren Geliebten aus
dem ersten Teil endlich zu rächen. Dafür schafft sie
sich eine Armee junger Vampire, die es kaum erwarten
können, die mittlerweile fast befreundeten Vampire
der Cullens und die Werwölfe des nahe liegenden
Indianerstamms anzugreifen. Bella (Kristen Stewart)
ist noch immer schlecht gelaunt und hin und her
gerissen zwischen 100 Jahre altem Vampir (Robert
Pattinson) und durchtrainiertem Tier (Taylor Lautner).
Ob sich dieses Mal eine Entscheidung fallen lässt?
|

|
David Slades Kommentar vor Regieübernahme:
"TWILIGHT betrunken sehen? Nein, nicht einmal betrunken.
TWILIGHT auf Acid? Nein, nichtmal auf Acid. TWILIGHT bei
vorgehaltener Waffe? Dann erschießt mich lieber!"
David Slades Kommentar nach Regieübernahme:
"Diese Kommentare habe ich im Zuge eines Comedyfilms gemacht
und kannte die Bücher und Filme zu dem
Zeitpunkt noch nicht. Ich habe das nachgeholt und bin
überwältigt von der reichhaltigen Geschichte und den
wundervollen Figuren, die Stephenie Meyer kreiert hat."
|
|
Kritik:
Eine Kritik zu diesem Film könnte überflüssiger
nicht sein. Ist man nach den ersten beiden Filmen "Twilight"
und "Twilight 2: New Moon" immer noch gewillt,
weiteres Geld für den aktuell größten Medienhype und
dessen -ausführungen auszugeben, ist man ohnehin
längst in der Akzeptanz, jegliche Kritik entweder zu
ignorieren oder willentlich zu übersehen.
Der erste Film war noch eine zugegebener Weise
mittelmäßige Teenager-Romanze, die eine zumindest
ansprechende Prämisse hatte. Welche Konsequenzen hat
es, sich in einen Vampir zu verlieben? Das Stück
wurde jedoch relativ schwach inszeniert und ebenso
hölzern gespielt, allerdings hatten Regie und
Darsteller schwer zu kämpfen, da Stephenie Meyers
Vorlage (mittlerweile: 100 Millionen verkaufte
Exemplare) mit unreifen Dialogen, schlechter
Dramatik und unsagbar trunkenem Kitsch daher kam. "Twilight"
wird als Genreking gehandelt, ist aber kein
"Interview mit dem Vampir", kein "Fright Night"und
nicht einmal ein "The Lost Boys". Spätestens beim "action-reichen"
Finale sollte jedem etwas älteren Zuschauer klar
gewesen sein, dass sich "Twilight" eigentlich nur an
junge Mädchen richtet, die ihren größten Spaß im
Anhimmeln beider Beaus und dem Hineinversetzen in
die unendlich leidenschaftliche, wenn auch narrativ
völlig leere Handlung ziehen. Twilight ist sicher:
junge, model-artige Männer schwören unsterbliche
Liebe, wollen jedoch keinen Sex. Perfektes
Jungmädchenmaterial auf dem Niveau einer
handelsüblichen Boyband. Niemand denkt darüber nach,
dass Edward aufgrund seines Vampirismus 100 Jahre
alt ist und sich in eine Schülerin verliebt, oder
dass es fürchterlich langweilig und banal ist, dass
die unsterblichen Vampire ihren Alltag in
hinterwäldlerischen Käffern verschwenden, anstatt
die Welt zu sehen (eine Unsterblichkeit, die nicht
wirklich attraktiv sein sollte).
"Twilight 2: New Moon" trieb es auf die Spitze. Ein
inhaltlich gähnendes Loch fehlender Dramatik,
gefüllt mit schier lachhaften Dialogen,
Liebesbekundungen und Auseinandersetzungen, deren
Höhepunkt stets darin bestand, dass Taylor Lautner
sein T-Shirt auszieht und sich Kristen Stewart
emotional aufgewühlt auf ihre Lippe beißt.
|

|
Da sich Kristen Stewart für THE RUNAWAYS die
Haare abschnitt,
trägt sie im Film eine Perrücke |
|
2010
kommt nun "Twilight 3: Eclipse"; der einen
besonderen Status hat. Er wird als der "Action-Twilight"
angekündigt und kommt darüber hinaus auch noch von
David Slade, der mit "30 Days of Night" blutige
Hardcore-Vampir-Action zeigte, mit "Hard Candy"
großartiges Anspruchskino. Beste Karten für Aufwind?
Von wegen. Richtig ist, dass es in diesem Film
anscheinend eine Resolution des Beziehungstrios
Bella-Edward-Jacob gibt (oder doch nicht?), doch
abgesehen davon und einigen leicht aufgewerteten
Dialogen (endlich ist man mal ein wenig
selbstironisch) ist auch das dritte Zwielicht
zwielichtiger Mist.
Wieder agieren die drei Leidenden der Liebe
einseitig und nach Spurvorgabe: Stewart ist einmal
mehr stets dauer-schlecht gelaunt, nervös und
zwischen übertrieben ernsten Gesprächen ihrer
Mitstreiter verloren. Lautner versucht immer mehr, "Twilight"
zu seinem Ding zu machen. Jede Szene versucht er
durch hahnenhaftes Stolzieren und
Sixpack-Präsentieren zu seiner zu machen, jeder
Dialog wird mit Tom Cruise-scher Intensität
vermittelt (mit dem Unterschied, dass Cruise das mit
Talent macht; es Lautner an diesem (noch) mangelt).
Pattinson zieht sich immer mehr zurück, versucht
kaum noch, Herr der Dinge zu sein. Die neue Handlung
ist wie vieles unverständlich. Der lineare
Rache-Feldzug ist eine Sache, Bellas Unsicherheit
eine andere. Unbedingt will sie Vampirin werden,
obwohl ihr nahezu jeder, vor allem ihre
Vampirfreunde, ihr immerzu davon abraten. Es wird
ihr vorgehalten, dass sie ein Monster werden und
ihre gesamten Freunde und Familie verlieren wird,
doch dafür gibt man ihr nicht einmal ausreichend
Grund. Vater und Mutter sind zwar getrennt, gehen
aber gut mit ihr um. Ihre Schulfreunde kommen ihr
entgegen, sie weicht zurück. Gleichzeitig ist sie
sich ihres Herzens nicht sicher und weiß nicht
einmal, wen sie mehr liebt und ob ihre Liebe zu
Edward wirklich ernst oder doch nur eingeredet ist.
Sie macht den Eindruck eines Mädchens, dass sich
vollkommen unsicher in allem ist und sich notdürftig
an der einen Sache festklammert, die ihr als
funktionierend erscheint. Romantisch ist das kaum,
eher müsste man das als Drama inszenieren.
Dass der Film Action besitzt, entspricht der
Wahrheit, nicht aber den im Ansatz möglichen
Erwartungen, diese sei gut oder ausreichend
vorhanden. Obwohl der Film knapp doppelt so teuer
wie der erste ist, sieht man abgesehen von den
vereinzelt auftauchenden Werwölfen nicht, wohin das
Geld ging. Die groß angekündigte Actionsequenz am
Ende ist wie bei "Die Chroniken von Narnia" extrem
kurz und unblutig, wobei man sich in diesem Fall
etwas Interessantes hat einfallen lassen, um das
Blut zu umgehen: statt zu bluten, zerbröseln
Vampire, als wären sie aus Marmor (wobei unklar
bleibt, wieso vorher immer wieder gesagt wird,
Vampire seien fast unzerstörbar, wenn sie es hier
offensichtlich nicht sind). Das Beste am Film sind
dann noch die atemberaubend schönen
Landschaftsaufnahmen, die dann immer wieder mit dem
unreifen Kindertheater unterbrochen werden.
Fazit:
"Eclipse"
sortiert sich zwischen den ersten beiden Kapiteln
der gigantischen "Twilight" Saga ein. Im Vergleich
zum ersten fehlt der Pepp des Origins, im Gegensatz
zum Zweiten gibt es einen Hauch mehr Handlung.
Darstellerisch und in Sachen Inszenierung erneut
qualitätsarmer Herzschmerzschmachtschmalz, der
danach schreit, mit einem jungen Patrick Swayze und
einem jungen Keanu Reeves gemacht zu werden. Sofern
man kein 12jähriges Mädchen ist, ist es erträgliche
Hintergrundberieselung, die das Testbild so gerade
toppt, darüber hinaus muss man beim Begriff "Saga"
allerdings schon gehörig schmunzeln.
Anmerkung: dabei wäre der Stoff mit Änderungen
durchaus mit Potenzial zu versehen. Man müsste Bella
beispielsweise eine tödliche Krankheit verleihen,
damit sie unwissend für alle anderen tatsächlich in
der Not steht, unsterblich zu werden. Vampirismus
müsste auf Dauer zu Wahnsinn führen können, die
Cullens müssten Weltreisende sein, Jacob ein
unberechenbares Monster, kein sanfter Knuddelteddy
sein, Vampire müssten für Bella in menschlicher Form
immerzu Bedrohung ausstrahlen und Edward und Jacob
mutige Taten vollbringen, um sich ihre Liebe zu
erarbeiten. Die Volturi, über die sei besser so
wenig wie möglich gesprochen. Im Gegensatz zur
laschen Scanners-Kombo im Film (oh Dakota) müssten
sie Erhabenheit, Macht und absolute Überlegenheit
ausstrahlen. All das ließe sich tun, ohne die
Familienfreundlichkeit, die Sixpacks und das
Geschmachte zu verlieren. Es hätte nur mehr Sinn,
mehr Intensität, mehr Gefühl, mehr Substanz und dann
auch mehr Punkte.
3 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
|